17.09.20

Herbstgeflüster am Kanal - Daniel Klinger

Der Herbst kam doch früher als erwartet - dieses Jahr war wieder komplett anders als das vorherige. Die Fische beendeten ihr Laichgeschäft an der Rinne erst ziemlich spät und zwischenzeitlich fuhren einige Kanalangler eine Durststrecke nach der Anderen! Was kann da nur helfen!? Ein kräftiger Wetterumschwung! Wetter-App gecheckt und siehe da, vor kurzem sollte ein Tiefdruckgebiet auf uns zukommen. Jetzt hieß es alles oder nichts! Von sommerlichen 30 Grad, kühlte es direkt auf 14 Grad ab. Normalerweise betreibe ich meine Angelei am Kanal recht aktiv und versuche die Fische zu finden. Doch diesmal entschied ich mich für eine andere Strategie und beschloss einen Futterplatz aufzubauen. Dieser sollte aber nicht an einer typischen Stelle sein, an der viele Angler hingehen. NEIN! Bei dieser Strategie geht es für mich an die offene Strecke, an der es keine Besonderheit in der Struktur gibt.
Ich beschloss täglich ca. 3 – 4 kg Boilies großflächig zu füttern. Da das Nahrungsangebot im Kanal sehr hoch ist und die Karpfen nicht unbedingt auf mein Futter angewiesen sind, war meine Vermutung, dass es schwierig werden könnte, die Karpfen an meinem Platz zu halten. Aber dennoch baute ich zu dem Platz Vertrauen auf – was mir gleich ein besseres Gefühl verschaffte. Eines ist klar, sollten die Fische nach Futter suchen, werden sie definitiv an meinen Boilies vorbeikommen und das gab mir einen regelrechten Verrauens-Boost. Jeden Abend ging es für mich raus an die Rinne zum Füttern, ein Mix aus Boilies verschiedenster Größen von kleinen 15mm-Boilies one bis Big Balls waren dabei.
Montag – Dienstag – Mittwoch – Donnerstag = Durchziehen und am Ball bleiben!
Auch wenn sich das Futter durch den starken Schiffsverkehr und der Aktivität der Schleusen verteilte, setzte ich darauf, einen Platz in der Nähe des Ufers und einen in der sogenannten Fahrrinne aufzubauen.
Freitag ging es dann direkt ans Wasser! Die Temperaturen fingen tagsüber schon langsam an zu sinken. Ich belud den Trolley und wanderte los zur Futterstelle. Dort angekommen baute ich erst einmal alles auf. Ich bin kein Typ, der ein Hexenwerk am Kanal veranstaltet, daher mein Motto: „Keep it Simple“. Meine Rigs bereitete ich direkt am Wasser vor. Da das Angebot an Muscheln im Kanal sehr hoch ist, gehe ich kein Risiko ein und binde meine Rigs strammer als manch andere.
Zum Einsatz kommt aktuell Boom in der Stärke 0,65mm. Das ist ein relativ steifes Material, welches aber auch einiges ab kann. Als Haken verwende ich den Wide Gape XX in Größe 4. Das ist ein Haken, in dem ich bei der rauhen Kanal-Angelei mein vollstes Vertrauen schenke, um die ganz dicken Rüssler zu landen. Den Boilie fixiere ich an einem weichen Haar. Ein Rig, welches mich noch nie in Stich ließ. Auch die Bleie fielen etwas schwerer aus, als normal und so entschied ich mich für Big Grappas in 113g. Da es mal vorkommen kann, dass sich das Blei zwischen Steinen oder auch in den Muschelbänken verkeilt, fixiere ich das Ganze mit einem Safty Clip und kann somit sicher sein, das sich das Blei auch mal lösen kann, wenn es notwendig ist. Abgerundet wurde mein Setup mit Subline in 0,43mm und einigen Metern XT Snagleader.

Nach dem die Ruten lagen, kam auf jeden Platz noch eine Hand voll Boilies darauf. Jetzt hieß es warten! Als die Nacht anbrach, meldete sich schon mein Delkim mit einem Fullrun aus dem nichts.
Adrenalin schoss durch meine Körper und ein heißer Drill begann. Nach mehreren Fluchten konnte ich den ersten Spiegler auf meiner Haben-Seite verbuchen. Erleichterung kam auf! Kein Riese aber das ist mir gerade am Kanal nicht wichtig. Da man über das Jahr verteilt immer wieder Durststrecken erlebt, kam einem so ein Fisch genau richtig. Die Rute wurde wieder neu montiert und an ihren Platz geworfen. Auch da kommt für mich wieder eine Handvoll Boilies zum Einsatz. Bis zum Morgengrauen passierte nicht mehr viel! Um ungefähr 5 Uhr meldete sich wieder die rechte Rute. Im Drillverhalten merkte ich schon, dass es einer der besseren Fische war. Kopfschläge von links nach rechts. Vor meinen Füßen kam er kurz zum Vorschein und tauchte wieder ab. Nach mehreren Fluchten konnte ich ihn dann doch sicher einnetzen. Ein Blick in den Kescher ließ mich direkt Strahlen! Ein Spiegler, genau wie man sich ihn vorstellt: Gezeichnet vom Leben am Kanal, ein eingetrübtes Auge und eine angebrochene Schwanzflosse. Da der Fisch relativ unbekannt war gab ich ihn den Namen „Dämon“. Ein ganz besonderer Fisch.

Diese Strategie werde ich jetzt bis Ende Oktober durchziehen und ich bin super gespannt was noch auf mich zukommt. Ich werde ich euch in einem neuen Update davon berichten.
Gruß, Daniel Klinger

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