05.12.19

Kamakura, ja und jetzt? - Simon Gehrlein



Es besteht kein Zweifel: Rattenscharfe Haken haben einen Siegeszug sondergleichen hinter sich. Egal ob es die Kamakuras fertig aus der Box sind, oder andere Hakenmodelle, die mit der Feile nachgeschärft wurden: Unzählige Karpfenangler vertrauen nur noch Haken mit sehr feinen, unglaublich scharfen Spitzen. Die Vorteile scharfer Haken liegen auf der Hand und bedürfen eigentlich keiner weiteren Erklärung: Sie greifen schneller und besser!

Dass die Verwendung der scharfen Haken aber auch unvorteilhaft sein kann, weiß jeder, der damit schon mal Kiesbänke "abgeklopft" oder im steinigen Flussbett geangelt hat. Der Aha-Effekt ist auch für Angler vorprogrammiert, die es gewohnt sind fünf oder sechs Fische mit ein und demselben Haken zu landen und diese Erwartungen auch an Haken mit ultrafeinen Spitzen stellen: Recht schnell sind die feinen Spitzen beschädigt! Einfache, physikalische Grundsätze erklären das: Entweder die Spitze ist fein, hakt schnell und ist dafür recht anfällig, oder eben nicht ganz so spitz, hakt somit etwas schlechter und ist dafür auch weniger anfällig für Abnutzung. Was für den Angler persönlich die richtige Wahl ist, bleibt letzten Endes jedem selbst überlassen. Ich nutze meine händisch nachgeschärfte Haken gerne und in rund 80% der Fälle.

In diesen Zeilen geht es mir aber weniger darum, die Verwendung von scharfen Haken anzupreisen, als vielmehr auf eine weitere Anpassung an den Montagen hinzuweisen, die bei mir mit der Verwendung von scharfen Haken einherging: Die Verwendung deutlich leichterer Bleie!

Was dahinter steckt, ist eigentlich auch ganz einfach. Die Aufgaben des Bleis lassen sich nämlich wie folgt zusammenfassen: Erstens soll das Blei den Köder am Platz halten und zweitens für einen ausreichenden Selbsthakteffekt bei einem Anbiss sorgen. Der Widerstand, den ein Blei dabei dem Karpfen gibt hängt aber nicht nur vom Eigengewicht des Bleis ab. Zusätzlich spielt auch immer der jeweilige Untergrund eine Rolle. Ein in weichen Boden eingesunkenes Blei bietet deutlich mehr Widerstand, als ein gleichschweres Blei auf einer harten Kiesbank. Ab dann - also im Drill - ist das Blei eigentlich nur noch störend. Dabei gilt: Umso schwerer das Blei, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Fisch dieses auch dazu nutzen kann, den Haken im Drill abzuschütteln. Folglich gilt für mich der Grundsatz: Das Blei soll so schwer wir nötig, aber so leicht wie möglich sein! Die Verwendung feiner Hakenspitzen spielt mir da voll in die Karten: Da diese sehr gut in die harte Maulpartie eindringen, benötigen wir wesentlich weniger Gewicht damit der Haken wirklich gut greifen kann. Klingt logisch oder?

Soweit zur Theorie - doch wie sieht´s in der Praxis aus?
Während ich traditionell eher Bleigewichte um die 140-160 Gramm verwendet hatte, setze ich seit ein oder zwei Jahren vermehrt auch leichtere Bleigewichte ein. Die 3,5 oz (99gr.) Variante kommt dabei neben der 4 oz (113 gr.) am häufigsten zum Einsatz.

Natürlich ist es nicht ganz einfach, die gefangen Fische mit den Ergebnissen der Vorjahre zu vergleichen, da natürlich mehrere Faktoren die Ergebnisse am Wasser beeinflussen. Und dennoch: Ich glaube, dass ich genau so viele Fische gehakt habe, wie ich es mit schwereren Bleien getan hätte! Die Drills sind -auch wenn es nur 40 oder 50 Gramm weniger als bisher sind - wesentlich "feinfühliger" und weniger grob. Und weniger Fische steigen - zumindest gefühlt - auch aus.

Gerade bei weichen Untergründen - dann also, wenn die Verwendung von feinen Haken ohnehin gut funktioniert - spielt das Bleigewicht nur eine Nebenrolle, da das Blei wie oben beschrieben ohnehin
zusätzlich noch im Sediment fest sitzt - perfekte Bedingungen also, um die scharfen Haken mit kleinen Bleien zu kombinieren - probiert´s einfach mal aus! Ich habe mich selbst in den letzten Jahren vollends überzeugen können.

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