11.06.19

Blut geleckt - Jan Brase

Es ist die Rücktour mit dem Trolley zu meinem Auto, also ich mich entschließe, alles daran zu setzen, noch einmal im Frühjahr angeln zu können. Vor genau einer Stunde habe ich zuletzt einen schönen Fisch in meinen Händen fotografiert und bin einfach nur glücklich, draußen in der Natur zu sein, dort, wo mein diesjähriger Arbeitsstress beiseite geschoben werden und Balast von meiner Seele hinaus abfallen kann. Ein kompletter Neubau meines Schwimmbades und 1,5 Jahre Bauhölle liegen zu der Zeit hinter mir und die kommende Freibadsaison erwartet mich in ein paar Wochen. Richtig Zeit zum durchatmen habe ich in den 18 Monaten nicht bekommen und somit muss ich mir einfach mal eine wohl verdiente Pause gönnen. Während ich auf dem Weg nach Hause auf der Autobahn so überlege, wie ich am besten den Spagat zwischen der noch vorhandenen Arbeit und des erhofften Urlaubes hinbekomme, kommt mir eine Idee: „Arbeite einfach noch eine Woche wie ein verrückter und schaffe vieles im Voraus, um dir ein paar Tage Urlaub zu verdienen.“ Meine Motivation in der nächsten Woche ist wirklich am obersten Level, da mich mein Ziel zu angeln antreibt und tatsächlich komme ich weiter, als ich mir je erträumt habe. Das Ergebnis: Ich kann die Woche vor Ostern sowie Ostern selbst komplett 8 Tage am Wasser sein!

Die Wahl des Gewässers fällt mir leicht: Ich fahre wieder zu meinem Hausgewässer. Zwar habe ich dort schon richtig viel gefangen und auch den meisten Teil des Großfischbestandes, jedoch fehlen mir noch 3 ganz besondere Fische und solange ich diese nicht gefangen habe, werde ich an diesem Gewässer alt werden! Früher war ich jemand, der viel gereist ist, um Leute und Gewässer kennen zu lernen, dadurch habe ich aber eines nie betrieben: Die Zielfischjagd. Nun ist es an der Zeit, eine weitere Facette des Karpfenangelns kennen zu lernen und eines werde ich sicher nicht, aufgeben!

Gewiss, es ist im Laufe der letzten 2 Jahre nicht leichter geworden, die Anzahl der Angler hat sich vervielfacht und die Angelplätze werden nicht mehr, aber ich habe wenn ich angeln fahre, einen Vorteil: Ich kann vieles aussitzen, habe meist 5 Tage oder mehr Zeit und somit spare ich mir das vorfüttern und schauen, ob jemand vor Ort ist.

Nun also 8 Tage Zeit, die mir für meine letzte Tour bis Oktober bleibt, um die Suche nach meinen Zielfischen weiter zu führen. Es ist alles so wie immer an diesen Tagen, ich fahre mit dem Trolley durch den Wald, baue meine Sachen auf und fahre mit dem Boot erst einmal raus auf’s Wasser, um Fische zu lokalisieren. Es ist warm geworden und ich weiß instinktiv, dass sich die Fische in die eine Totholzbucht versammeln, um sich für ihr Laichgeschäft vorzubereiten. Es dauert nicht lange und die ersten Schwälle untermauern meinen Verdacht. Wie beim letzten Mal möchte ich erst einmal das Vertrauen der Fische gewinnen und füttere großflächig einige Kilo Boilies ans Totholz. Auf Liquids und Stickmixe verzichte ich gänzlich, da ich in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht habe, eher die kleineren Karpfen an den Platz zu gewöhnen. Zurück am Platz bereite ich meine Montagen und Rigs vor. Auch hier bleibe ich beim alt bewährten: Das COG System mit IQ D-Rig und 4er Kamakura Wide Gape soll es richten.

Am nächsten Morgen stehe ich vor der Entscheidung, ob ich schon mit dem Angeln loslege oder vorerst weiter füttern soll. Ich entschließe mich für die goldene Mitte und füttere wieder einige Kilos ans Totholz und lege eine Rute ca 30 Meter weiter entfernt als Single Hook Bait Rute ab. Diese sorgt nach nicht einmal 30 Minuten auch schon für den ersten Lauf. Ein richtig großer Spiegler landet nach ein paar Fluchten im Kescher, was ein Auftakt. Es ist ein alter Bekannter mit exakt 19,9kg und einer Perlschuppen-Halbzeile auf der Flanke. Was ein Prachtexemplar, die Freude ist im hohen Maßen da und ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Im Laufe der Tage steigere ich die reine Angelzeit, jedoch nur tagsüber und füttere reichlich weiter. Die Ruten platziere ich immer ein paar Meter vor dem Futter, damit die Fische beim Fressen nicht mit der Subbraid in Berührung kommen. Die Fische sind voll auf dem Futter und sollen nachts ihre Zeit bekommen, um sich ungestört die neue Fuhre an Futter einzuverleiben. Die Taktik geht voll auf und ich fange mehrere Fische pro Tag, darunter wieder echt schön beschuppte Spiegler, einen seltenen großen Schuppi mit genau einem Meter und sogar ein Hecht lässt sich meinen Snowman schmecken. Schleien und Brassen runden das Ergebnis ab und sorgen dafür, dass ich mich wie ein Specimen Hunter fühle… ;-)

Leider fehlen mir am Ende die gewünschten Zielfische, aber das schmälert das Gesamtergebnis in keinster Weise, denn ich bin dort, wo ich mich am wohlsten fühle, in der Natur und darauf kommt es mir immer noch am meisten an. Der Herbst wird kommen und somit die nächsten Chancen, meine Ziele zu erreichen.

Bis dahin, seid fleißig und genießt eure Zeit am Wasser!

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