20.06.18

Auf zu neuen Ufern - Kai Lander

Mit dem Start der neuen Saison stand mal wieder Eines fest - neues und vor allem großes Wasser entdecken! Ohne Infos einfach losfahren, ins Ungewisse angeln - Abenteuer erleben. Einen See, um den sich meine Gedanken schon länger drehten, hatte ich sofort parat.
Schon am Jahresanfang hatte ich eine Woche Urlaub im April eingeplant - das Einzige, was ich nicht einplanen konnte, war natürlich das Wetter. Ich ging davon aus, dass es, wie in den vergangenen Jahren, schon recht früh im März warm werden würde. Doch es kam genau andersherum, die vierte Jahreszeit hielt sich in unseren Breitengraden hartnäckig. Erste Zweifel kamen einige Wochen vor dem Trip in mir auf, sollte er am Wetter scheitern? Ich glaubte fest daran, dass alles gut werden würde. Zum Glück wurde es Ende März milder - ich konnte starten! Natürlich war mir bewusst, dass es noch zu kalt für den See sein könnte, andererseits sagte mir die Erfahrung auch, dass diese Gewässertypen sehr zeitig im Jahr erwachen. Vor allem aber war es höchste Zeit, dem Alltag zu entfliehen und meinen Kopf wieder „frei zu angeln“.
Am Morgen des 16. April, ging es bei zarter Begrünung endlich los. Einige Stunden musste ich mich noch über die Landstraßen quälen, bis ich am tristen Ufer vor dieser geradezu endlos wirkenden Wasserfläche stand. Einige Minuten starrte ich nur in die Weite, ließ den See auf mich einwirken. Nach einer Temperaturmessung, die mit 7 Grad sehr ernüchternd ausfiel, war ich mir sicher - das wird schwer!
Nach einer ausgiebigen Erkundungsfahrt bezog ich auf einer kleinen Insel Stellung. Diese hatte einiges an Möglichkeiten zu bieten: flaches Wasser bis zu 2 m Tiefe, ab 300 m Entfernung zum Ufer tiefes Wasser, das bis zu 17 m hinab ging, versunkene Weidenbüsche und viel Schilf. Ganz zufrieden war ich mit dem Platz zwar nicht, gab es doch einige interessantere Flachwasserbereiche, mit Wassertemperaturen über 12 Grad. Diese konnten leider nur vom Boot aus beangelt werden - und das ging mit Hund natürlich nicht.
Ich wollte diesem Bereich zwei Nächte lang eine Chance geben, präparierte aber gleichzeitig mehrere Futterstellen in den unterschiedlichsten Seeteilen. Diese kontrollierte ich morgens, um zu schauen, ob Fische gefressen hatten. Das Wetter wurde zusehens besser und die Sonne heizte ordentlich ein. Ich war mir sicher, dass wenigstens ein Karpfen einsteigen würde, aber nichts passierte. Das Futter blieb auch auf allen anderen Stellen unberührt. Die einzigen Fische, die ich ausmachen konnte, waren Schleien, Hechte und Brassen in den überfluteten Gebieten. Es machte keinen Sinn es auszusitzen, ich war einfach zu früh an diesem tollem Wasser. Also packte ich meine Sachen und wechselte an ein anderes großes Gewässer. Dort war die Natur viel weiter vorangeschritten und die Wassertemperatur hatte sich bereits auf 15 Grad erwärmt. Dies gefiel mir schon besser. Mein Bauchgefühl riet mir, ganz flach zu angeln. Nach kurzer Zeit im Boot wurde ich fündig, ein großer Schwarm Brassen fand meine Aufmerksamkeit. Das Boot trieb ganz langsam vor sich hin … und da war er, der erste dunkle Schatten am Grund. Nicht nur einer, es wurden immer mehr, es waren allesamt schlanke Milchner. Bis einer erschrak und seine Begleiter hinterher - weg waren sie und hinterließen nur aufgewühlten Schlamm. Im bewaldeten Ufer suchte ich mir einen geeigneten Platz und legte meine Ruten aus.
Kleine weiße & pinke Pop Ups an Multi und Hinge - Rig`s, gepaart mit wenig gutem Futter sollten für diese Situation genau das Richtige sein.
Allerdings passierte den restlichen Tag über nichts. Erst in der Nacht lag dann mein erster Fisch der neuen Saison auf meiner Matte - ich war happy. Den nächsten Fisch konnte ich leider nicht in den Kescher führen, er schwamm sich in einem Ast fest. Ich sah den Fisch, der am Hinge hing, und wollte die Schnur greifen, um sie zu kappen. Der Fisch schlug mehrmals kräftig mit dem Kopf und der Knoten ist am Wirbel weggerissen. Angesäuert wechselte ich alles auf Multi-Rigs um. Am nächsten Abend versammelten sich dann die Plötzen zum Laichen in den Schilffeldern. Es war eine grandiose Geräuschkulisse. Dies blieb bei den Karpfen nicht unbemerkt - meine Pop Ups inmitten dieses Spektakels wurden an den folgenden Tagen dankend angenommen. Den Großteil der gehakten Fische musste ich direkt im Schilf drillen, dafür war das Multi-Rig aus 30lb Kamo mit Choddy`s geradezu perfekt, ist es doch durch seinen einfachen Aufbau aus einem Stück Vorfachmaterial mit nur zwei Knoten nicht so anfällig wie das Hinge mit mehreren Knoten. Für mich ist es momentan mein bestes Pop Up Rig. Auffällig war auch, dass die Farbe Weiß mehr und frühere Bisse brachte als Pink.
Zufrieden und gelassen machte ich mich auf den Heimweg von meiner einzigen längeren Session in dieser Saison.

Ich wünsche Euch allen eine erfolgreiche Zeit am Wasser!

Pflicht bei mir, XT Snagleader.

Weiß lief einfach besser.

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