11.04.16

Aus Schaden wird man klug - Tammo Schiller

Langsam erscheint der rote Feuerball am Horizont, die Nebelschwaden welche über die spiegelglatte Wasseroberfläche ziehen werden in ein magisches Licht gesetzt und die Vögel beginnen ihr Morgenkonzert. Ich sitze hinter den Ruten auf meinem Stuhl, trinke den ersten Kaffee des Tages und blicke über den See. Ich liebe die Zeit des Sonnenaufgangs und verschlafe diesen sehr selten, zu faszinierend ist diese Stille, zu schön sind die ersten warmen Strahlen wenn sie mein Gesicht berühren und die Umgebung in ein Licht tauchen, wie man es nur einmal am Tag erlebt. Mein Blick wandert immer wieder über die Wasseroberfläche, bis er starr eine Bucht zu meiner Linken fixiert, in der das Wasser durchbrochen wurde und leichte Wellen verraten, das dort etwas passiert ist. Nach einigen Minuten wiederholt sich das ganze, nur konnte ich dieses mal erkennen, wie der Fisch auftauchte und wieder verschwand. Es ist das gleiche Schauspiel wie am Tag zuvor, die Fische befinden sich direkt vor der Bucht, welche in 350 Metern Entfernung liegt und vom Ufer aus nicht beangelt werden darf. Schongebiet, voll mit Büschen, Bäumen und anderen Hindernissen, ein Paradies für die Fische und für Angler fast unerreichbar. Selbst von den Seiten kann man diesen Bereich nicht anwerfen, der Winkel ist so doof, das man 20 Meter vor der Bucht landet, dort ist es viel zu tief. Ich kann an diesem Morgen den Sonnenaufgang nicht genießen, ich bin innerlich verärgert und mich kotzt es an, nicht reagieren zu können. Seit 2 Tagen sitze ich blank auf meinem Platz und muss zusehen, wie die Fische auf der anderen Seite ihre Party feiern, das kann doch nicht wahr sein. Der tollste Köder, das beste Rig und die verrückteste Vorgehensweise sind einfach nichts wert, wenn die Fische nicht in der Nähe sind und ich fühle mich hilflos. Hätte ich Idiot bloß meine Ersatzspulen mit der geflochtenen Schnur mitgenommen, ohne Probleme hätte ich die Ruten mit dem Futterboot rüber fahren können, denn dieses liegt im Auto. Mit der monofilen Schnur brauche ich es nicht versuchen, die Dehnung auf diese Entfernung ist einfach zu groß. Mal abgesehen von der schlechten Bisserkennung, der Fisch hat einfach zu viel Spielraum und nutzt diesen um die Hindernisse zu erreichen. Lehrgeld, welches ich bereits einmal zahlen durfte und es bringt weder mir noch dem Fisch etwas, diesen zwar zu haken aber dann zu verlieren. Ich bleibe noch eine Zeit am Wasser, muss mir aber eingestehen, Zeit zu verschwenden und daher packe ich frustriert mein Gerödel zusammen und verlasse den See... Da ich mein Angeln nach jeder Sitzung analysiere bzw. überdenke, hat an diesem Tag ein Umdenken bei mir stattgefunden. Getreu nach dem Motto "aus Schaden wird man klug" habe ich mir geschworen, dass ich nicht noch einmal in eine solche Situation kommen werde. Seit diesem Tag habe ich immer die Spulen mit der geflochtenen Schnur auf den Rollen und habe einige Vorteile für mich gefunden.

Die schönste Zeit des Tages…eigentlich…

Aus Fehlern lernt man!

Ich habe ca. 450 Meter von der Korda Sub Braid in 15lb auf jeder Spule, eine schwarze, geflochtene Schnur, welche robust ist und auch wirklich absinkt. Diese ist für mich aber nur die "Reserveschnur", denn an diese Geflochtene knote ich je nach Situation 30 bis 50 Meter einer monofilen Schnur. Die geflochtene Schnur hat keine Dehnung, dieses ist für das Angeln auf weite Entfernung genial, kann aber im Drill unter der Rutenspitze zu Problemen und ausschlitzen führen. Durch die angeknotete monofile Schnur drille ich den Fisch in den letzten Minuten ganz normal und habe durch die Dehnung einen Puffer, der mir Drillfehler auch mal verzeiht. Habe ich leichte Hindernisse im Wasser oder wenn Kraut vorhanden ist, greife ich gerne auf die Touchdown in 20lb zurück, diese ist geschmeidig aber sehr robust und deckt 80% der Situationen ab, welche ich am Wasser habe. Angel ich direkt an versunkenen Bäumen oder muss ich mit Steinen, Muscheln, etc. rechnen, kommen die XT Snagleader in 50 oder sogar 60lb zum Einsatz. Eine dicke und extrem belastbare Schnur, welche ich kurz nach der Einführung bereits am Cassien genutzt habe. Kommt es vor, das ich Ufernah den Fischen nachstelle oder wenn ich wenige Hindernisse habe, ist die Korda Kontour mein absoluter Liebling. Eine Fluorocarbonschnur in 12lb, welche sich unsichtbar auf den Gewässergrund legt und sich sehr gut für das Slaglinefischen eignet. Mit einer dieser 3 monofilen Schnüre vor der geflochtenen Schnur, decke ich persönlich 100% meiner normalen Angelei ab und kann auf jede Situation reagieren. Muss ich jetzt auf die andere Seeseite und darf ein Boot benutzen, habe ich immer genug Reserve auf der Spule, ich brauche den Platz nicht zwingend wechseln, sonder kann von da aus reagieren, wo ich mich gerade befinde. Muss ich weit werfen, habe ich auch hier den Vorteil, das ich mit der geflochtenen Schnur immer ein paar Meter mehr rausholen kann. Ist die monofile Schnur beschädigt, wird diese einfach abgeschnitten und eine neue angeknotet, die Menge auf der Spule bleibt immer die selbe. Ich habe durch die geflochtene Schnur einen direkteren Kontakt zum Fisch, genauso aber den Puffer auf den letzten Metern. Mit 200 Metern von der Kontour kann ich 4 Spulen mit 50 Metern bestücken, statt nur maximal eine Spule. Ich kann genauso weiterfischen wie bisher, kann aber wenn nötig schnell reagieren und habe für mich selber nur Vorteile aus der Mischung mit der geflochtenen und der monofilen Schnur. Natürlich muss ich meine optische Bissanzeige je nach Entfernung verändern, aber auch da mache ich es mir inzwischen sehr einfach, der neue Korda Stow MK2 verfügt über einen Clip, welche selbst die geflochtene Schnur sehr gut festhält und wenn ich z.B. auf Entfernungen über 300 Metern fische, kann ich den Stow durch sein Standartgewinde einfach mit einem Druckarm ausstatten und die Schnur sogar extrem spannen. Besser geht es nicht! Für mich gibt es nichts schlimmeres, am Wasser zu sein und keinen Erfolg zu haben, weil ich nicht in der Lage bin zu reagieren, durch dieses Set Up bin ich jetzt zumindest in der Lage, diese Situationen auf ein Minimum zu reduzieren und dadurch den ein oder anderen Bonusfisch zu fangen, den ich sonst nicht erreicht hätte.
Tammo Schiller

Für die letzten Meter Touchdown oder Kontour

Mit Druckarm macht der Stow MKII auf Distanz eine gute Figur

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