25.10.15

2 Angler, 2 Nächte, 20 Karpfen - Christopher Paschmanns

In 2014 schrieb ich für Carphuntersmagazine eine Portrait-Serie. Jeden Monat beschrieb ich den Verlauf einer Session mit Anglern wie Thomas Talaga oder auch Danny Fairbrass. Dabei ging ich auf die Eigenheiten und Details ein, die diese Angler so herausragend macht oder einfach nur menschlich auszeichnet. Zum Abschluss dieser Serie folgte ein interessantes Gewinnspiel: Ein Angler konnte eine Session mit mir und anschließendes Feature in CHM gewinnen! Dafür sollte er eine einfallsreiche Bewerbung verfassen. Der 22jährige Moritz Matzke aus Braunschweig hat sich Mühe gegeben und konnte überzeugen. Und dieses Wochenende stand unsere Session an. Natürlich wollte ich meinem Gast auch etwas bieten. Ich wählte ein Gewässer, das ich sehr gut kenne und beobachtete die Wetterbedingungen und das Wasser in den Tagen vor dem Angeln. Obwohl der Luftdruck eine Berg- und Talfahrt von 1008 bis 1024hpa machte, die weiteren Umstände passten sehr gut: Auf eine krasse Abkühlung mit Nachtfrost und Schneeregen folgte eine schöne milde Phase mit Südwestwind und über 13 Grad – in diese fiel genau unser Angelwochenende. Und solche Bedingungen sind immer top für ein großes Herbstfressen unter Wasser!

Frühstück nach einer Nacht ohne Schlaf, aber glücklich!

Voll vernetzt, Moritz schreibt seiner Onlinecarper-Gang was bei uns geht

Das Vorfüttern ist am See nicht gestattet und ich wollte uns schon alleine durch die Köderwahl taktische Vorteile verschaffen. Also fischten wir nur mit kleinen 15er Boilies (Banoffees aus der Tüte) und großen 25er Kugeln (Cell aus dem Froster). Die hier sonst üblichen 20-Millimeter-Standard-Pillen blieben zuhause. Wir fütterten nicht viel, aber sehr großflächig in einem interessanten Areal. Tatsächlich verlief die erste Nacht sowas von nach Plan. Mehrere 30er konnten wir bereits fangen, Moritz freute sich riesig über einen makellosen 17,8-Kilo-Spiegler! Am Morgen gab es ein deftiges Frühstück, doch dann änderte sich etwas. Der Luftdruck stieg rasant auf über 1020hpa und auf unserem Futterplatz tat sich nichts mehr. Dann sprang ein Karpfen in noch so gerade anwerfbarem Radius über tiefem Wasser. Ein zweiter schraubte sich aus dem Wasser, dann noch einer. Darauf musste ich reagieren! Also kurbelte ich eine Rute ein und warf einen einzelnen Banoffee in Richtung der Ringe, die sich gerade verflüchtigten. Zehn Minuten später lief die Rute ab! Bingo! Wir hatten den Trick des Tages gefunden! Auch Moritz positionierte ein seiner Ruten dort und abwechselnd fingen wir fast ohne Beifutter unsere Fische. Erst am Nachmittag endete dieses Schauspiel und die Karpfen verteilten sich wieder über den See. In der zweiten Nacht passierte nicht viel auf dem Futterplatz, doch was da abging hatte es in sich: Meine rechte Rute, die bisher völlig aktionslos mit einem 25er Cell am Platz lag, meldete sich. Der Fisch stand gut und zog stur seine Bahnen. Im Kescher reichte ein Blick mit der Kopflampe aus, um festzustellen: definitiv über 20 Kilo! Der massive Leder brachte es auf 43 Pfund und war für uns beide ein Session-Highlight. Am Morgen konnten wir das Single Hookbait-Spiel wiederholen. Und nach dem Packen beim Frühstück bei mir zuhause zogen wir Resume: zwei Nächte, zwei Angler, 22 Runs, 20 Karpfen - darunter etliche über 15 Kilo und ein richtig dicker. Ja, damit konnten wir mehr als zufrieden sein. Noch wichtiger aber: Wir verstanden uns prächtig, Moritz war begeistert und nahm - wie er sagte - viel mit. Auch ich konnte mir mal in die Perspektive eines jungen Karpfenanglers versetzten und erfahren, wie er sein Hobby, die Szene und all das wahrnimmt. Für uns beide war es jedenfalls eine Session, an die wir uns gerne erinnern.
Genießt die heißen Herbsttage, jetzt geht was!
Christopher

Herrlich beschuppter alter Spiegler für Moritz

Ein grauer 30er vom letzten Morgen

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