03.05.14

Ü30 in der Morgensonne - Sebi Roth

Sebi Roth hat sie geknackt, die magische 30-Kilo-Marke! Er fing kurz vor der Laichzeit einen großen, stolzen Rogner mit 31 Kilo und sogar noch einen weiteren Schuppi über 20 Kilo. Was für ein Tag! Doch lassen wir ihn selbst erzählen:

„Es ist Freitagmorgen, als ich von der Spedition einen Anruf erhielt, dass sich meine erwartete Warenlieferung auf 14:00 Uhr verspäten wird. So ein Mist dachte ich mir, denn normal sollte ich mit diesen Teilen dringend für einen Kunden etwas fertigstellen. Da Aufregung dieses Problem nicht lösen würde, und ich nun auch keine andere Wahl hatte als zu warten, entschloss ich mich kurzerhand für ein paar Stunden an den See zu fahren. Schnell war das nötigste gepackt und die Reise ging ab an einen Natursee. Am Wasser angekommen, sah ich bereits erste Fische springen. Der See war glatt wie ein Ententeich und das schwüle, leicht sonnige Wetter deutete schon klar auf das für den Nachmittag angekündigte Gewitter hin. Da wird was laufen, sagte mir mein Bauch, hatte ich bei den letzten Sessions ja gut hier gefangen. Da wir aber bereits 09:30 Uhr hatten, blieben mir nur ca. 3 Stunden zum Fischen. Aus diesem Grund setzte ich, wie so oft bei kurzem Ansitzen, auf attraktive Fallen und das Ablegen mit dem Vopi Futterboot.

Gesagt getan, eine Mischung aus 3/6mm Extrem Fish Pellets und dem Aquatic Source Liquid für die schnelle Lockwirkung sowie ein paar Green Granada Knödel sollten es schon richten. Der Boilie, welcher sich noch in der Testphase befindet, stammt wie die anderen Produkte auch, aus der Schmiede von Jan Brauns (Naturebaits). Als Rig kam an beiden Latten wie immer mein Liebling zum Einsatz, ein Blow-Back gebunden aus 20lb Korda N-Trap Soft und dem Wide Gap X in Gr. 6 beködert mit einem Weightless Hookbait.

Nach dem Aufbau lag die volle Konzentration auf der Beobachtung der Wasseroberfläche. Sollte jetzt ein Fisch springen, werde ich direkt mit dem Boot meine Falle dort platzieren. Bei Zeitmangel macht es nämlich Sinn, den Köder zum Fisch zu bringen, als zu warten, dass der Fisch zum Köder schwimmt. Keine Zigarettenlänge später platschte ein schöner Schuppi ca. 150m entfernt aus dem Wasser. Los geht’s, mit Vollgas steuerte ich auf den noch zu sehenden Schwall zu und legte die Montage in diesem Bereich, der Spot eine Sandbank mit 2,8m Tiefe. Die zweite Latte fuhr ich etwas tiefer auf die abfallende Kante dieser Sandbank.

Als ich gerade mit dem Handy meine Emails checkte, pfiff die 2,8m liegende Rute los. Sofort spürte ich, dass es ein besserer Karpfen sein muss, denn der Kollege klebte am Grund und wollte nicht ins Mittelwasser steigen. Nach einem kraftraubenden Drill lag nun ein ansehnliches Schuppenbrett in den Maschen meines Kescher. Beim Anblick war klar, der könnte die 40pfd. Marke erreichen, was die Waage auch bestätigte. Fisch versorgt und schnell die Rute wieder auf diesen Spot gefahren.

Der erste 40er in diesem Jahr und dann kein Bild? Nein. Also begann ich ein paar Kumpel anzurufen, um zu fragen wer Lust und Zeit hat seine Mittagspause am See mit fotografieren zu verbringen. Wie eine Verschwörung ging kein Mensch ans Telefon, doch kurze Zeit später rief ein Kumpel zurück der glücklicherweise Urlaub hatte und sich bereit erklärte in 20 min. am See zu sein. Entspannt und in Gedanken an den schönen Schupper vertieft, sitze ich am Ufer. Plötzlich gibt erneut die flach liegendende Rute einen Dauerton ab und ich fahre innerlich zusammen. Rute in die Hand sofort ging das Spektakel los. Hier gab nur einer die Richtung an und das war nicht ich! Meine locker 10 Jahre alte 3 ½ lbs Century NG bog sich durch wie ein Weidenstock und die 0,40mm Subline wurde kraftvoll mit einem permanenten Zug von der Rolle gezogen. Ein Wels? Nein, das würde sich anders anfühlen, außerdem sind mir keine Nacktschnecken in diesem See bekannt. Der Drill oder besser gesagt das Katz & Maus Spiel nahm seinen Lauf und ich konnte mit der Zeit immer mehr Schnur zurück auf meine Rolle gewinnen. Trotz allem war hier noch nichts entschieden, denn im See befinden sich einige Bojen und ich stand am Ufer ohne ein Boot. Das Glück war sichtlich auf meiner Seite und nach einer geschätzten Viertelstunde konnte ich den Fisch das erste Mal an der Oberfläche sehen. Junge was hast du da am Band, fragte ich mich beim Anblick auf diesen riesigen Schuppenkarpfen. Nun wurden meine Knie spürbar weicher und im Kopf spielte sich ein Kino mit Situationen ab, wie ich schon Fische vor dem Kescher in der Endphase verloren hatte. Ganz ruhig dachte ich mir, dass wird schon gut gehen. Als ich dann meinen Kumpel angelaufen kommen sah, war mir klar, dass er beim Keschern eine wertvolle Hilfe sein wird. Hektisch rief ich ihm zu, „du musst ins Wasser, das ist ein Dicker“ und schon stand er fast hüfttief im See. Die letzten Fluchten folgten bevor ich dieses Gerät über den Kescher ziehen konnte. Das ist ein 60er sagte mein Kumpel und ich dachte, ja, groß ist er mit Sicherheit - aber 30kg?

Doch dann drehte er sich mit dem Fisch im Netz um und ich traute meinen Augen nicht. Gemeinsam hoben wir den Fisch aus dem Wasser und beim Absetzten auf der Matte kamen erneut seine Ausmaße zur Geltung. Der passt nicht auf die Matte sprach ich lachend vor mich hin. Komm auf an die Waage, sagte mein Kumpel. Als die Reuben mittels der nassen Wiegeschlinge auf Null gestellt war konnten wir beginnen. Nach zig Wiegungen stand fest, der Büffel hat tatsächlich die 30kg Marke durchbrochen. Schnell fotografierten wir meinen neuen PB. Respekt sagte mein Kumpel schulterklopfend zu mir und die Freude stieg immer mehr in mir.

Im direkten Anschluss lichteten wir noch den „kleineren“ Schupper ab für welchen mein Kumpel ja ursprünglich gekommen war. Ich hatte in weniger als 2 Angelstunden diese wirklich mega tollen Fische gefangen und das in einer spontanen Session. Nass und völlig erschöpft von der abgelaufenen Nummer stand ich nun am Ufer. Da ich noch eine Stunde Zeit hatte, hängte ich meine Klamotten zum Trocknen in die Bäume und ließ mir noch ein wenig die Sonne auf die Haut brutzeln bevor das Arbeitsleben mich zurück hatte.
In diesem Sinne allen Carphuntern viel Fisch…
Euer Sebi Roth“

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