10.05.17

33,6 Kilo - Andreas Hetzmannseder

Ziemlich gut kann ich mich noch an ein mittelgroßes Gewässer erinnern, das ich gemeinsam mit meinem Bruder vor fast zehn Jahren beangelt habe. Wir angelten damals eine mehrtägige Session im Herbst und versuchten an die wenigen guten Fische eines total überbesetzten Gewässers zu gelangen. Wir fingen dort unheimlich gut, Angeltage mit 20 Läufen und mehr waren keine Seltenheit. Im Schnitt fingen wir aber fast ausschließlich kleine Fische, gierige Satzkarpfen, die gerade so unsere 24mm Boilies einzusaugen vermochten, oder sich beim Versuch dabei hakten.

Ich hatte damals einen Artikel über Chodrigs aus einer englischen Zeitschrift im Hinterkopf und aus der Hilflosigkeit der Situation heraus, baute ich aus den mehr oder weniger passenden Kleinteilen ein Chodrig nach, band ein Pop Up drauf und legte es einige Meter abseits des damaligen Futterplatzes ab. Es war mehr ein Versuch, als eine bewusste Aktion. Genau in dieser Session fing ich einen der damals guten Fische. Das „Smallfishrig“, wie es damals viele Angler zu sagen pflegten, war nicht so schlecht wie es geschimpft wurde. Jedenfalls wusste ich damals Bescheid und probierte mehr und mehr mit dem umgedrehten Rig zu angeln, habe es bis heute an einigen unterschiedlichen Gewässern eingesetzt und nicht bereut.

Mittlerweile bin ich sogar fest davon überzeugt, dass ich viele Fische der letzten Jahre nicht mit einem einfachen standardisierten Vorgehen gefangen hätte, oder zumindest nicht unter den gegebenen Umständen. Für die Angelei im späten Winter und Frühling habe ich mir einen recht mobilen Angelstil mit hochattraktiven Ködern angewöhnt. Erst die Augen offen halten, mit Glück die Fische finden, und dann direkt beangeln. Schon mehrere Male habe ich nicht schlecht gestaunt, als innerhalb weniger Stunden plötzlich die dicksten Dinger auf der Matte lagen.

Dieser Frühling sollte dabei keine Ausnahme sein. Schon 2 Tage nachdem mein favorisiertes Gewässer eisfrei war, angelte ich einige Tage. Erst erfolglos, aber im Laufe der Zeit fügte sich das Puzzle Stück für Stück zusammen. Nachdem ich anfangs verschiedene Spots beangelte und knallige Hakenköder in verschiedenen Wassertiefen ausgeworfen hatte fing ich die ersten Fische nach dem grimmigen Winter noch recht tief - 5,5m bis 6m schien bei dem meist bescheidenen Märzwetter die richtige Tiefe zu sein. Jeder einzelne der Fische war übersäht mit Fischegeln – ein klares Zeichen, sie waren noch im Wintermodus. In Phasen wo die Fische sich noch nicht zeigen und das Wasser einfach noch viel zu kalt ist, kann man aus solchen Dingen oft wertvolle Schlüsse ziehen. Ich wartete einfach mal ab, sollten sich die Fische nicht irgendwo deutlich bemerkbar machen, blieb ich einfach noch in dem tiefen, schlammigen Bereich sitzen, das schien mir die beste Idee.

Das sollte sich auch bezahlt machen. Während untertags ein Föhnsturm über das Gewässer peitschte, hallten im Dunkeln erste dumpfe Klatscher durch die Nacht. Ich war aufgeregt und konnte kaum noch ein Auge zu machen. Denn eins war klar, die Fische waren durch den kräftigen Wind aufgerüttelt worden und nach einem strengen Winter müssen große Fische Futter aufnehmen, das habe ich in den letzten Jahren schon mehrfach erlebt. Pünktlich zum zweiten Kaffee um 08:00 Uhr bekam ich tags darauf einen verheißungsvollen Biss. Nach einem recht ruhigen Drill glitt eine Wand von Schuppenkarpfen in den Kescher. Ein mächtiger Fisch ruhte im Netz, der kleine pinke Pop Up baumelte aus seinem Rüssel und ich stand mit Socken und dünner Hose knietief im eiskalten Wasser. Was für eine Aktion. Nach dem ersten Blick auf einen gigantischen, braunen Rücken im Drill war nur mehr eins wichtig – da darf jetzt nichts schief gehen! So ich ging dem Fisch im Drill kurzerhand mehrere Meter entgegen.

Felix kam mir kurz später zur Hilfe, um mir beim Wiegen zu helfen. Die unfassbaren 33,6 Kilo des mächtigen Schuppis machten mir mächtig zu schaffen. Mein Bruder schoss mir dann auch einige schöne Bilder und hielt kurz mit der Videofunktion drauf, bevor der große Braune wieder ruhig und bestimmt in seine Welt abtauchte. Ein guter Moment, einer der Momente, die einfach Zeit zum setzen brauchen! Das Chodrig, mein Gamechanger von damals, ist nach wie vor ungebrochen gut. Einfach in der Anwendung und fast immer gut präsentiert auf nahezu jedem Untergrund. Mit leichten Bleien ausgestattet auch eine echte Waffe, die ohne viel Wirbel zwischen die Fische geworfen werden kann. Gerade jetzt, wo der Frühling schon Fahrt aufnimmt und sich die meisten Gewässer erwärmen bieten sich diese Situationen wieder. Also, viel Glück!
Andi Hetzmannseder


Peaches & Cream Pop Ups nach der "GOO-Reife"

Eine Wand von Fisch

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