23.04.14

Alex steigt aus 11 - Extremadura

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre. Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Freundin Caroline – sie begleitet ihn. Hier berichtet Alex jede Woche, was die beiden Abenteurer erleben:

„Ich weiß nicht, wo ich anfangen und wo ich enden soll. Es wird immer schwieriger für mich, eine Woche auf nur einem Blatt Papier festzuhalten. Ein Dschungel von Eindrücken und Erlebnissen entsteht in meinem Kopf. Das Abenteuer ist entfesselt, und wir bekommen langsam einen echten Flow, treiben mit dem Strom wie zwei kleine Fischlarven während eines Hochwassers; und sehen dabei Wunderbares. Ich kann so eine kurze Kolumne nur noch mit Momentaufnahmen füllen, ganz spontan und aus dem Bauch heraus.

Die Gegend hier ist wirklich extrema-dura, was übersetzt „extrem hart“ bedeutet. Und das, so denke ich, bezieht sich vor allem auf das Klima. Im April kann sich das Wetter in nur wenigen Augenblicken vollkommen drehen und wir sind ständig bemüht, die Kleidung anzupassen. Das Wetter diktiert uns. Und dieses ist extrem in dieser Region Spaniens. Megaheiße Sommer mit über 40 Grad, eiskalte Winter mit starken Nachtfrösten, azurblauer Himmel und feurige Sonne, oder traurig-tiefhängende Wolken beladen mit Dauerregen. Die Facetten sind sehr ausgeprägt und man kann im April von all diesen ein bisschen erahnen, im Stundentakt abwechselnd. Jeder der mal für eine längere Zeit hier war hatte das gefühlt. Die Natur ist wild und ungezähmt, so auch die Karpfen.

Der erste Karpfen biss auf eine Uferrute, mittags um 1, in der prallen Sonne, während wir unser Boot für einen Platzwechsel beluden. Er schwamm beim Run nicht weg und zischte stattdessen wie wild links und rechts durch die Schnüre, direkt am Ufer durch Büsche und auf Sicht. Ein schöner Schuppi mit 14,5 kg glitt ins Netz. Vielleicht durch den harten Winter oder das Laichen hatte er ein wenig Hautpilz. Keine Spuren eines früheren Fanges waren zu sehen. Kurz danach lief auch Caroline’s Rute ab, während wir weiter das Boot beluden, ohne dass sich die Funkbox meldete. Ich hatte sie schon abgeschaltet. Als sie dann die Rute vor unserer Abfahrt hereinkurbeln wollte, bemerkte sie die leere Spule, sah den Knoten und kam zu mir gelaufen. Irgendwas stimmte da nicht, meinte sie... Zum Glück war er noch am Haken und wartete brav in einem kleinen Krautfeld. Nach zwei Tagen ohne Fisch zwei Karpfen beim Zusammenpacken zu fangen, brachte uns ins Grübeln. Dazu war der Platz der mit Abstand schönste Angelplatz, den ich je gesehen habe. Wir hatten uns schon sehr an unsere klappernden Nachbarn, die Störche, gewöhnt, hatten Frieden mit dem grünen Leguan geschlossen, der seinen unterirdischen Bau nur ein paar Meter vom Zelt hatte und hatten die unberührte Natur mit dem kreisenden Adler und den tausenden von juvenilen Schwarzbarschen an unserem Boot zu sehr genossen. Es war friedlich, wild und still, ganz so wie in unserem persönlichem Traum eines verwilderten Gartens. Doch konnte ich meine Gedanken nicht vom gegenüberliegenden Ufer abwenden, das den Südwest-Wind deutlich mehr abbekam. Und da das Material ja schon im Boot lag, verließen wir etwas wehmütig das kleine Paradies und tauschten es gegen den zwei Kilometer entfernten, sehr windexponierten Platz ein. Nach nur einer Nacht Angeln hatten wir die erste Aktion. Schon der zweite Karpfen auf dem neuen Platz hatte18 kg mit 102 cm! Unser erster 30 Pfund Spanier! Ganz klar, das war ein ausgelaichter Karpfen der besseren Klasse, mit einem Riesenrüssel und enormer Kampfkraft, vor allem während seiner ersten Flucht von circa 50 Metern!

Wir waren endlich so richtig angekommen und konnten den See und die Natur rundum in vollen Zügen genießen. Es war traumhaft. Wir hatten endlich unsere Bootslizenz, die durch die Hilfe von Lee schnellstens besorgt war. Dazu waren seine Bootstour und Tipps äußerst hilfreich, um einen guten Überblick über die möglichen, guten Stellen zu bekommen. Er half uns wo er konnte. Der See zeigte sich auch von seiner wilden und unberechenbaren Seite. Wir waren froh, dass Lee uns Rettungswesten geliehen hatte. Durch die starken Winde konnten hier gewaltige Unterströmungen entstehen. Und wir hatten schon ein bisschen erahnen können, welche Gewalt der Wind an einem 5000 ha Gewässer entwickeln konnte. In nur wenigen Tagen kühlte das Oberflächenwasser von 25 Grad während der Hitzeperiode auf nur 17 Grad ab. Bei solchen extremen Bedingungen muss man natürlich mit kurzen Beißflauten rechnen. Zeit braucht man also für so ein Giga-Gewässer. Sicher ist aber, dass die Karpfen jetzt mit dem Laichen fertig sind und sie hungrig genug sein sollten, um größere Strecken zurückzulegen auf der Suche nach Nahrung. Hoffentlich entlang unserer kleinerer Futterplätze!

Suerte,
Alex y Carolina

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