01.05.14

Alex steigt aus 12 - spanische Fragmente

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre. Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Freundin Caroline – sie begleitet ihn. Hier berichtet Alex jede Woche, was die beiden Abenteurer erleben:

„Ist es nicht komisch, dass das Zirpen der Grillen an einem heißen Tag einen beruhigenden Einfluss haben kann? Konzentriert man sich auf das Geräusch, so merkt man, dass das scharfe Zischen doch eigentlich eher unangenehm ist. Im Hintergrund aber, ähnlich einer leise abgespielten Musik-CD, vermengt sich das Zirpen sanft mit dem Klatschen der Wellen, dem Knirschen der Zelthaut auf dem Gestänge und dem Rauschen des Windes durch die Zweige der Ginsterbüsche. All diese Geräusche zusammen wurden von ein paar Tagen zur einleitenden Melodie eines wundervollen Konzerts, das nur durch das rhythmische Brummen des Delkim-Receivers unterbrochen wurde. Scheinbar endlos nahm der Fisch Schnur von der Rolle. Es war wieder einmal einer dieser Momente bei dem man keinen Zweifel hatte, ob man schnellstens ins Boot springen oder vom Ufer drillen sollte. Ich ruderte mit wohl dosierter Kraft und Caroline kurbelte unter gleichmäßigem Druck die Schnur auf. Immer wieder surrte die Bremse. Der Fisch schwamm ab und zu schneller als ich ruderte. Der Wind war nicht mehr so stark und wir konnten den Moment unter der wohligen Aprilsonne Spaniens vollkommen genießen. Es dauerte fast fünfzehn Minuten bis wir die ersten abgelassenen Luftblasen sehen konnten. Zum Vorschein kam ein Schuppenkarpfen wie aus dem Bilderbuch. Ein Traum von einem wilden Fisch, ein Krebsjäger mit einer Stromlinienform wie ein Torpedo; vielleicht noch nie gefangen. Zurück am Ufer summte wieder das beruhigende Konzert aus grünen und sandig-braunen Tönen. Ohne dass wir es wahrnahmen natürlich, all unsere Aufmerksamkeit galt nun diesem schönen, ungezähmten Tier, das wir für einen klitzekleinen Moment „unser“ nennen durften.

Das Angeln an einem 5500 ha Stausee hat nur wenig mit dem Kleinod eines Baggersees zu tun. Alles dauert länger, vor allem wenn die Karpfen Boilies nur äußerst selten und in wohl dosierten Mengen zu Gesicht bekommen. Selbst Stauseen in Frankreich mit einigen hundert Hektar kann man damit nicht vergleichen. Das liegt glaube ich daran, dass die Karpfen das Angelfutter hier nicht gewöhnt sind und auch absolut nicht nötig haben. Außerdem sind die allermeisten Karpfen in diesem See geboren und aufgewachsen. Sie verändern ihre Angewohnheiten nicht so schnell nur weil ein Angler das gerne so hätte. Sie schwimmen nicht zum Prophet. Sie lassen sich weniger beeinflussen und ändern dazu ihre Wassertiefenvorliebe, den Abstand zum Ufer oder die Ködervorliebe nach Lust und Laune; täglich wenn es sein muss. Wer hier stupide einfach sein „Frankreich-Schema“ abspult verpasst einiges. Variabilität beim Legen der Ruten ist gefragt, vor allem wenn man während der Laichperiode angelt. Und so war ich froh, dass wir Caroline eine Boje gesteckt hatten, für zwei „einfache“ Ruten, mit circa 50 Meter Abstand zum Ufer. Für meine Ruten hatte ich wieder mein „Frankreich-Schema“ abgespult gehabt. Und so waren es ausschließlich ihre Ruten, die die ersten zehn Fische fingen. Und nicht nur kleine. Ein paar Tage später allerdings wurde es still bei ihr und meine Ruten liefen endlich ab. Ich hatte fast wieder geglaubt, dass ich es verstanden hatte. Doch ein paar Tage später drehte sich das Blatt wiederum und die „Uferrütchen“ klingelten wieder wie verrückt.

„Keep it real“, so das Motto von uns (und unserem Getriebewohltäter Daniel). Und nicht nur deswegen hatten wir 80 kg Boiliemix mitgenommen. Kein Boilie der Welt fängt 12 Wochen nach seiner Produktion noch annähernd so gut wie seine jüngeren und frischeren Brüder. Ein anderer Punkt war auch, dass wir mit den 80 kg Mix im Auto 120 kg Boilies rollen und füttern konnten: 40 kg weniger also im gnadenlos beladenen VW-Bus. Mit den komischen Blicken im Supermarkt muss man allerdings leben, welche man für einen Eier-gefüllten Einkaufswagen kassiert. Genauso wie mit dem Fuchs, der in der Nacht nach dem Rollen zur Visite längs kommt, den schmerzenden Handgelenken vom Teigkneten und den tagelang stinkenden Fingernägeln. Lohnen tut es sich aber trotzdem, versprochen.

Liebe Grüße vom Team Tränensack welches seit einer Woche ungesund wenig geschlafen hat.
Keep it real,
Alex y Carolina“

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE