07.05.14

Alex steigt aus 13 - Wehmut

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre. Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Freundin Caroline – sie begleitet ihn. Hier berichtet Alex jede Woche, was die beiden Abenteurer erleben:

„Während ich diese Zeilen schreibe bin ich noch auf einem Campingplatz nahe eines Traumsees in der spanischen Extremadura. Gestern Nacht haben wir gut schlafen müssen, um fit für die Reise zurück nach Frankreich zu sein. Wir haben geplant, Freunde zu besuchen und dort eventuell ein paar Nächte zu angeln. Doch gibt es nach unserem Trip in die Extremadura nur sehr wenig Gewässer in Frankreich, welche eine ähnliche Größe und ungezähmte Wildheit ausstrahlen. Ich habe jetzt schon Wehmut bei dem Gedanken an die Abreise und denke schon daran wann wir wieder zurückkommen können. Ich schwebe über dem Boden und zücke viel zu oft mein Handy, um den Bekanntschaften vom Campingplatz oder befreundeten Anglern Fotos von den traumhaften Fängen zu zeigen, die kürzlich noch in unserem Netz schwammen. Schlechte, abfotografierte Fotos vom Handy zu zeigen ist eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Es hat auch mit Protzen nichts zu tun. Ich bin so glücklich und kann nicht anders als meine Freude mit anderen zu teilen.

Ja, ganz sicher erlebten wir hier echtes Abenteuer, das uns unvergessliche Momente bescherte. Die Natur alleine war schon eine Reise wert, das Angeln aber an diesem mystischen See war unbeschreiblich und endete in einem wahren „High“, und das lag nicht nur an unserem Schlafdefizit in den letzten zwei Wochen. Wir haben kein echtes Monster gefangen, nein, vielmehr unbeschreiblich schöne und wilde Karpfen, bei denen die Größe eine untergeordnete Rolle spielte. Eine Fangstatistik ist daher auch eher unangebracht, nur so viel: ungefähr jeder dritte Karpfen hatte über 15 kg und wir fingen mehr als 70 Stück! Wir hatten auch das königliche Glück, einen „Carpa royal“ (Spiegelkarpfen) bestaunen zu dürfen. Diese sind hier sehr selten und können unglaublich schöne Schuppenmuster aufweisen. Daher sind sie natürlich äußerst begehrt und schaffen es immer wieder, den Mund offenfallen zu lassen wenn sie ihr Antlitz vor dem Kescher sehen lassen.

Zu Beginn des Jahres waren wir oft sehr enttäuscht über die Zustände der französischen Stauseen. Der Müll dort, vor allem die zerbrochenen Glasflaschen machte uns fast schon krank. Wir suchten etwas anderes, eine Natur, die wilder, unberührter und dadurch mystischer ist. Unsere ersten Gehversuche an dem 5500 ha See in der Extremadura brachten allerdings eine ähnliche Enttäuschung zustande. Weil wir Stellen in dem leichter zugänglichen und kleineren Seeteilen suchten, fanden wir auch nur Plätze, die von anderen Anglern schon „heimgesucht“ waren. Quadratmetergroße Teppiche von Toilettenpapier, Einkaufstaschen voller Müll und hinterlassene Platzschilder von Karpfen-Enduros. Die südliche Losgelassenheit und Party-Mentalität einiger (weniger) Angler und Wochenend-„Naturgenießer“ ließ hässliche Flecken auf dem magischen Teppich zurück. Bei unserem Trekking zeigte sich immer wieder das selbe Bild: Müll an potentiellen Angelstellen und traumhafte Natur an unzugänglichen Uferpartien. Wenigstens wurden hier keine Flaschen zerbrochen, so wie das an südfranzösischen Seen Gang und Gebe war. Und genau darum bekomme ich ein komisches Gefühl und fühle mich durch meine Berichte beinahe schon schuldig für zukünftigen Vandalismus an einem Traumsee. Wie offen darf man sein, wenn man Erfolg bei Pioniererkundung hat? Wie viel kann ich preisgeben von dem Traum den wir hier lebten?

Noch ein Wort zur Angeltaktik: Wir begannen mit größeren Futterteppichen, gemischt aus Boilies und Tigernüssen. Drei Teppiche mit jeweils zwei Ruten, eine Rute mit Nuss und eine mit Boilies. In der ersten Woche liefen ausschließlich die Tigernuss-Ruten ab! Süße Boilies wurden dann langsam akzeptiert. Die Fischmehlboilies dagegen hatten sehr lange Gewöhnungsperioden nötig. Doch drehte sich das Blatt letztendlich und es waren vor allem die Masse von Fischmehlboilies, die unglaubliche Anzahlen von größeren Fischen auf den Platz lockten. Ich glaube, dass die wechselnde Ködervorliebe auch mit der Laichzeit zu tun hatte: Gegen Ende des Trips erlebten wir die zweite Laichphase der Karpfen und wir fingen dann wieder vermehrt auf Tigernüsse. Ganz so wie zu Beginn unseres Trips, kurz nach der ersten Laichphase der Karpfen. Ich bin überzeugt davon, dass Fischmehlboilies deutlich später von den wilden spanischen Karpfen akzeptiert werden. Hat man allerdings ein bisschen Zeit und Ausdauer lohnt sich der Einsatz von Fischmehlboilies definitiv. In unserem Fall waren das Fish ´n Yeast Boilies mit 40% Fischmehl und 7% Bierhefe.

Respekt vor der Natur ist die Grundlage für zukünftiges Glück.
Hasta luego,
Alex y Carolina

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE