18.06.14

Alex steigt aus 17 - Mekka-Maniac

In der vergangenen Woche fiel Alexander Koblers Kolumne aus und dafür gibt es einen guten Grund: Kordas Marketing & Media Mann Christopher Paschmanns besuchte Alex und Caroline am weltberühmten Lac de Saint Cassien für Dreharbeiten besonderer Art. Mehr zu diesem großen Projekt geben wir noch diese Woche Preis. Doch hier erstmal „Alex steigt aus 17 – Mekka-Maniac“ mit exklusiven Infos zum Reglement am See:

Nach dem großen Fang zusammen mit Jan und Caroline strandeten wir wieder genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dazu kam der Sommer, der vor allem an diesem See alles doppelt so schön machte. Gleich von der Brücke aus konnten wir die Landzungen und die Steilwand in all ihrer Schönheit sehen: der See war randvoll! Und zwar nicht mit Anglern, nein mit Wasser. So liebten wir ihn, hoher Wasserstand mit türkisblauem Wasser und grünen Bäumen, die bis an die kleinen Strände reichten. Und von Anglern war weit und breit nichts zu sehen! Wir wurden zurück nach 1984 katapultiert: Tretboote auf einem Stausee, der voll von unbekannten Giganten war. Ja, wir hatten wirklich keine Ahnung davon was hier alles rumschwamm. Die Zeiten von Banana, Bernadette oder Orasil waren längst vorbei. Doch es gab jetzt junge Fische die in kürzester Zeit ihre Plätze eingenommen hatten. Vielleicht gab es noch nie so viele große Karpfen wie jetzt; und seit 1984 waren hier noch nie so wenig Angler. Die Internet-Suche nach einem Camping-Platz stellte sich als erfolgreich heraus. Für nur 18 Euro am Tag konnten wir hier zwei fette Zelte aufstellen und hatten easy Strom aus der Steckdose. Dusche, Toilette und ein Restaurant, wir waren zurück in der Zivilisation. Einzig der Wecker störte die Lässigkeit unserer Tage: Vier Uhr morgens hatte mit Urlaub nicht viel zu tun. Doch öffneten sich unsere Augen immer wieder wenn wir über die Brücke fuhren. Der Saint Cassien war wieder wunderschön. Wir fischten in allen Armen, mit ganz unterschiedlichem Erfolg. In den kurzen Tages-Sessions blankten wir, verloren Karpfen oder fingen selbst mehrere. Die Bisse kamen oft sehr schnell, es passierte mehrere Male, dass die Rute nach weniger als einer halben Stunde ablief. Und wo auf der Welt bekam man mittags um 12 in der prallen Sonne einen Vollrun und konnte einen Riesenkarpfen zwischen Tretbooten ausdrillen? Mit echtem Abenteuer hatte das hier natürlich nichts zu tun, doch irgendwie hatte das hier was, so ein bisschen wie Zurück in die Zukunft. Man fing die Karpfen nicht wie vorher auf 20 m Tiefe sondern direkt am Ufer und der Kevin Ellis Platz war frei.

Doch für wenig Angler am Cassien muss es einen Grund geben, darum möchte ich euch was zu den regeln schreiben: Das Nachtangeln ist nur von einer halben Stunde vor Sonnenaufgang bis einer halben Stunde nach Sonnenuntergang erlaubt. Und das wurde mehrere Male – fast täglich – kontrolliert! Die Ruten dürfen nur 100 m vom Ufer ausgebracht werden und müssen mit einer Boje markiert werden, es darf nicht parallel zum Ufer gefischt werden, sondern nur geradeaus (da ein Spinnangler 100 m neben dem Angelplatz nicht wissen kann, dass da eine Schnur läuft). Gaskocher und Feuer sind strengstens verboten, der Platz muss sauber gehalten und bei Ankunft gesäubert werden und es muss eine Schaufel oder ein Klappspaten im Gepäck sein, um seine Notdurft verscharren zu können. Das wilde Campen (Zelten) ist mittlerweile wie in ganz Südfrankreich strengstens verboten. Diese Informationen sind für die meistens sicher nichts Neues. Nach intensiver Nachfrage nach den exakten Gesetzen stießen wir auf etwas sehr Interessantes: das französische Biwak-Recht. Es erlaubt einem Menschen, 24 Stunden auf einem Platz zu bleiben und dort eine (Not-)Unterkunft für die Nacht aufzubauen. Da haben wir schon die Möglichkeit gesehen, einfach mit wenig Tackle jeden Tag zu moven, aber am See zu schlafen. Die Guard de Peche betonte aber deutlich, dass ein Materialberg von Karpfenanglern nichts mit einer Notunterkunft zu tun hat und dass jeder, der beabsichtigt zu übernachten, weggeschickt wird. Es wird lediglich das Angeln tagsüber gestattet und das Übernachten muss abseits des Sees geschehen, zum Beispiel auf einem Campingplatz. Mein Tipp dafür ist zum Beispiel der überaus günstige und sehr dicht gelegene Camping Les Floralies, Richtung Montauroux, fünf Minuten von der Bootsrampe an der Brücke.

Aktuell sieht das Cassien-Angeln also so aus: leichtes Tackle, kein Kocher, Klappspaten, die Ruten erst eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang auslegen und eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang rauskurbeln (Achtung, die Zeiten variieren, im Moment bedeutet das 5.20 bis 21.45), Platz peinlichst sauber halten und auch den Abfall des Vorgängers aufräumen. Das ist wirklich legales Angeln am heiligen See und wer weiß, wenn sich wirklich jeder dran hält könnten wir den See wieder für uns erobern!

Ich finde es erstrebenswert, wenn man andere Karpfenangler, die vielleicht nichts von den Regeln wissen, oder sie ignorieren, darauf hinweist, wie man es richtig macht. Vorgestern zum Beispiel wurden zwei nette deutsche Kerle nach nur zwei Stunden Angeln kontrolliert und weggejagt. Sie waren voll fertig von der langen Fahrt und ich gab ihnen den Tipp mit dem Camping. Gestern schon haben sie dann einen Vierziger und drei Dreißiger gefangen - tagsüber! Jedenfalls feiern gerade ein paar französische Angler unglaubliche Erfolge mit dieser mobilen Angelei am Cassien! Von einem Franzosen wurde mir sogar bestätigt, dass man nachts fast nichts fängt und wenn dann eher Kleinere. Es gibt also keinen Grund, sich nicht an die Regeln zu halten. Petri Heil vom gerade wunderschönen Cassien.

Bis zum nächster Kolumne,
Alex und Caroline

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