02.07.14

Alex steigt aus 19 - Die Sommerflucht und das Kätzchen

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre. Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Freundin Caroline – sie begleitet ihn. Hier berichtet Alex jede Woche, was die beiden Abenteurer erleben:

Bei der Abfahrt vom Cassien machten wir noch schnell halt bei Babette, die Queen der belegten Baguettes. Ein echter Geheimtipp von Christopher und ein absolutes Muss für Cassien-Fanatiker. Gestärkt düsten wir los in die Berge, wo wir noch Freunde am „Bergsee“ besuchten und uns anschließend die Gewässer in der Nähe anschauten. Wenn man in Kauf nahm von einem Campingplatz aus zu angeln, dann gab es hier noch wahre Perlen zu entdecken, fast jungfräuliche Gewässer von wilder Schönheit. Doch war auch hier zu erwarten, dass Touristen im Sommer wie Heuschrecken einflögen. Wir zogen weiter zu einem kleinen, wilden Fluss, wieder ein Tipp von Christopher. Wir schauten uns einen schönen Campingplatz an, suchten einen Stellplatz und tranken einen Kaffee. Schnell realisierten wir, dass wir eigentlich die Schnauze voll von Campingplätzen hatten, dass das Bad im See viel schöner war als die fiese Campingdusche. Wir hatten auch genug davon, dicht bei anderen Menschen und mit ihnen zusammen „im Urlaub“ zu sein und beschlossen gleich wieder abzuhauen. Das Ziel, ja selbst die Richtung war noch völlig unklar. Im Auto erinnerte ich mich an den Gewässerführer von Josse, in dem alle Nachtangelgewässer Frankreichs verzeichnet sind (www.nachtvisseninfrankrijk.nl; Josse de Bruin & Sjo Damen). Er hatte uns im Januar die Region um die Cevennen wärmstens empfohlen. Dort gab es noch fast gänzlich unbefischte Gewässer von enormer Schönheit und unbekanntem Potential. Das Navi wurde gestartet und wir waren wieder on the road.

Etwas später fuhren wir von der Autobahn ab um etwas in einem kleinen Städchen essen zu gehen. Beim Aussteigen nahmen wir ein Miauen eines kleinen Kätzchens war, dachten uns aber dabei nichts. Vom Essen zurück hörten wir wieder das Miauen, scheinbar aus dem geparkten Auto hinter uns kommend. Ein Zettel an der Scheibe bestätigte unsere Vermutung: Jemand warnte den Besitzer des Autos davor loszufahren, da eine kleine Katze unter dem Auto versteckt war. Sie befand sich irgendwo zwischen Antriebswelle und Hinterachse und hatte scheinbar große Angst vor dem Lärm der stark befahrenen Straße. Wir legten uns auf den Bauch und konnten unter dem Auto ab und zu ein paar Augen durch einen Spalt erkennen. Dann hing der Schwanz hinunter. Es war ein schwarzes Kätzchen. Sie reagierte aber nicht auf uns und blieb in ihrem Versteck. Der Besitzer des Autos kam. Er war sehr verwundert was wir unter seinem Auto machten. Es stellte sich heraus, dass er der Koch war, der für uns das Mittagessen gemacht hatte. Wir erklärten ihm alles. Seine Lösung war einfach: Er wollte den Motor starten, und die Katze würde dann schon heraus kommen. Er hatte es eilig und wollte nachhause. Die Idee gefiel mir aber gar nicht und ich versuchte ihn davon abzubringen, da die Chance sehr groß war, dass das Kätzchen so direkt auf die Straße rannte, wo gerade jede zehn Sekunden ein Auto vorbei preschte. Caroline hatte in der Zwischenzeit Milch geholt und konnte so das Kätzchen dazu bringen den Kopf aus dem Versteck zu strecken. Wir lagen beide wieder auf dem Boden, ich hielt das Milchglas und Caroline griff mit geschickter Hand das Kätzchen am Nackenfell und zog es aus der Mechanik des Autos - geschafft! Tränen des Glücks und des Mitleids flossen. Der Koch war auch happy und düste los. Wir suchten die Straße ab nach dem etwaigen Heim der Katze, hörten uns in der Nachbarschaft um und versuchten das Kätzchen sogar schon weiterzuvermitteln. Alles ohne Erfolg. Ein sehr alter Mann in einem mindestens genau so alten Laden mit noch älteren Gemälden und anderen Sammelobjekten riet uns davon ab sie zum Tierarzt zu bringen. Der würde in so einem Fall nur zur Spritze greifen. Der alte Mann sagte auch, dass hier sehr oft Katzen ausgesetzt wurden und dass es einen Mann gäbe, der sie fast täglich einsammeln würde. Sein Vorschlag das Kätzchen alleine im Park zu hinterlassen brachten wir aber nicht übers Herz. Uns blieb nichts anderes übrig als sie mitzunehmen.

In den Cevennen angekommen sahen wir den See. Er schlängelte sich durch das Tal wie ein Fluss. Steile Felswände ermöglichten fast keinen Zugang zum Wasser, und es gab auch fast keine Angelstellen. Das waren sicher die Hauptgründe warum es hier fast keine Angler gab. Vom Tourismus war auch nur sehr wenig zu sehen. Wir kamen durch ein Dörfchen mit nicht mal zwanzig Einwohnern. Ein Ehepaar saß auf der Terrasse und aß zu Abend. Wir stoppten und frugen, ob sie denn ein Kätzchen wollten oder vielleicht jemand kannten mit Liebe zu Katzen. Sie verneinten, wir kamen aber ein bisschen ins Gespräch. Als sie hörten wonach wir suchten, gaben sie uns den Tipp mit dem Campingplatz auf dem Berg. Wir wären dieses Jahr die ersten Gäste und es sei sehr ruhig und beschaulich. Ideal für uns, das gesammelte Bild- und Videomaterial ein bisschen aufzuarbeiten und etwas zu schreiben. Der Bauer, dem der Campingplatz gehörte, bog im selben Moment um die Ecke. Wir könnten ihm folgen, meinte er und dass es dem Kätzchen ganz sicher auf seinem Hof gefallen würde. Das war vor knapp einer Woche. Es gefällt uns dreien hier sehr und wir genießen den frischen Wind, die Ruhe und die Aussicht. Ab und zu schmeiß ich irgendwo Futter rein und es wird wohl nicht mehr zu lange dauern, bis es mir so unter den Nägeln brennt, dass ich die Peitschen startklar mache. Ein paar kleine Schuppis habe ich auch schon gesehen, vielleicht gibt es aber auch noch was dickeres hier. Wir werden sehen!

Es ist jetzt übrigens genau fünf Monate her, dass wir in den VW-Bus stiegen um uns auf zu diesem Abenteuer zu machen. Wir hoffen, dass auch nach dem 19ten Blog noch etwas Interesse an diesen Zeilen besteht,

Alex, Caroline und Gipsy

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