20.08.14

Alex steigt aus 23 - Zickzack zum PB

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre. Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Freundin Caroline – sie begleitet ihn. Hier berichtet Alex jede Woche, was die beiden Abenteurer erleben. Aktuell sind die beiden in Italien, Alex schreibt diese Kolumne mit dem iPhone und nutzt dafür auch seine Handy-Kamera:


Zickzack zum Personal Best

Unsere Gefühle für Italien wurden immer gemischter. Eigentlich konnte man im August nicht von einem Land sprechen. Die Ruhe und Gelassenheit der Berge hatte nichts mit dem Trubel am Meer gemein. Am Meer kam man sich ständig abgezockt und wie ein Fisch in der Büchse vor. Was man vor sich sah stand auch im krassen Gegensatz zu dem was hinter einem war. Türkis-blaues Wasser, strahlender Himmel und unendlicher Blick vor einem und Straßen voller Abfall und hektischem Verkehr hinter einem.

Die Berge jedoch, zum Beispiel in den riesigen Nationalparks von Lazio, Basilicata oder Calabria überraschten uns: Wie viel hier noch zu entdecken war und was man Qualitatives und Leckeres für sein Geld bekam. Die kleinen Lebensmittelstände an der Straße hatten Charme, man fühlte den direkten und ehrlichen Kontakt zwischen Erzeuger und Einkäufer und sie waren außerdem meist in der Nähe von Wasserquellen wo man eiskaltes Brunnenwasser in seine Flaschen und Kanister füllen konnte. Ein von außen sehr einfach erscheinendes Ristorante konnte sich auch als ein Festort für den Genießer ursprünglicher Küche entpuppen. Und man hatte beim Bezahlen kein Bedauern, dass man sich ausrauben hatte lassen, im Gegenteil. Und doch ließ uns die See nicht los. Immer wieder verspürten wir den Drang, in deren salzigen Fluten zu baden und deren feinen Sand durch unsere Finger rieseln zu lassen. Wir bewegten uns also im Zickzack und Hoch-und-Runter bis zur Spitze des italienischen Stiefels, von der Küste ging es immer wieder in steilen Serpentinen hoch auf über 1000 Meter Höhe. Bis der Drang nach "echtem Sommerurlaub" wieder zu groß wurde und wir irgendwann wieder unten auf einem Parkplatz in der Gluthitze zwischen tausenden von anderen Meeresanbetern ankamen. Wir seien hier ganz sicher zur falschen Zeit wurde uns gesagt. Juni oder September, ganz sicher aber nicht kurz vor dem 15. August, der Tag an dem ganz Italien außer Haus ist. Am Wochenende des 15. konnten wir unseren Augen auch kaum trauen, wie viele Menschen am Meer waren oder an Seen picknickten. Der romantische Bergsee kann dann mal schnell zum Rummelplatz mutieren: Wir zählten hunderte von offenen Feuern und bunte Zelte an einem einzigen See in Kalabrien.

Durch unser Zickzack bekamen wir aber auch sehr viel von der Umgebung mit und landeten zwangsläufig immer wieder an einem Gewässer. Wir angelten dann auch an einem Stausee mit über 1000 ha auf über 1000 Meter Höhe (leider ohne Erfolg) oder an einem Ministausee von vielleicht 30 ha wo wir morgens zwei Karpfen in Hindernissen verloren. An der etwas verkrauteten Stelle hatte ich kurzerhand Chod Rigs mit handgerollten Korkball Pop Ups eingesetzt. Ein paar Ready Rigs in der Angeltasche machen sich dann sehr gut wenn man im Dunkeln ankommt und nur ein paar Stunden angelt. Immer wieder tauchte aber der erste See, in den Bergen bei Rom, in unseren Gedanken auf. Dort hatten wir alles gehabt: Angeln, Wandern, Schwimmen und keine Übernachtungskosten, alles auf kleinem Raum und ganz nebenbei auch ein paar Karpfen gefangen. Irgendwann entschlossen wir uns also, die Idee vom Strandaufenthalt im August zu streichen und fuhren langsam zurück zu unserem schönen und idyllischen See. Der sollte aber nicht nur zum Sommerzufluchtsort dienen. Wir hatten die fixe Idee, meinen italienischen Personal Best von 15,5 kg zu überbieten und träumten auch vom 40-Pfund-Karpfen. Ein solcher Ausnahmefisch wäre die schöne Bestätigung, dass man auch mit sehr eingeschränkten Möglichkeiten (ohne Boot und Co) und als "Urlaubsangler" im Sommer losziehen, erkunden und was Dickes fangen kann.

Wir kamen vorgestern Nacht im Dunkeln an, füllten die Flaschen an der Quelle und bezogen wieder einen "unserer" Parkplätze. Mit der Kopflampe kraxelte ich wieder den steilen und steinigen Hang hinunter (auf dem man unmöglich ein Zelt stellen konnte und deshalb niemand auf Karpfen angelte) und fütterte zwei Kilo Boilies auf die zwei kleinen, steil abfallenden Spitzen, die gerade genug Platz ließen, um zwei Ruten zu platzieren. Den folgenden Tag verbrachten wir mit wandern, schwimmen und einkaufen in ein paar kleinen und lokalen Läden. Im Tante Emma Laden bediente uns ein Mann von über 80 Jahren, wir lieben solche kleinen und ursprünglichen Läden, in denen man in Italien übrigens nicht wirklich mehr bezahlt als im Supermarkt. Abends legten wir die Ruten im Dunkelwerden. Es dauerte keine Stunde bis die erste ablief. Nach ruhigem und kräftigem Drill glitt ein makelloser Schuppi von 17,4 kg ins Netz. Bingo! Personal Best! Dann folgte noch einer mit 14 kg, ein toller Fully Scaled, bei dem das Gewicht keine Rolle spielte und ein weiterer Dreißiger mit 16,5 kg. Um zwei Uhr waren wir fix und fertig vom Kraxeln, Drillen, Fotografieren und holten die Ruten ein. Es war Zeit zum Schlafen und das Auto war zu zweit vom Angelplatz geparkt. Also Futter drauf und loslassen vom Fangrausch und daran glauben, dass die Zeit in unsere Hände spielt, viel Futter haben wir nicht dabei, die Kontinuität könnte aber noch was anrichten.

Gerade kommen zum ersten Mal Wolken auf. Ich glaube, dass wir heute Abend die zwei Ruten wieder für ein paar Stunden reinpendeln sollten. Da kommt noch einer...
Alex und Caroline

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