02.09.14

Alex steigt aus 24 - Richtung Norden

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Jetzt schon sieben Monate, vielleicht noch Jahre? Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Caroline. Hier berichtet Alex fast jede Woche, was die beiden erleben. Er schreibt und fotografiert diese Kolumne mit dem iPhone:

Seit der letzten Kolumne sind schon zwei Wochen vergangen. Viel ereignete sich in dieser Zeit, von einem peinlichen Irrglauben, von der Einsicht, dass es keine Weitsicht gab, dass das Angeln an den schwer zugänglichen italienischen Stauseen zu eingeschränkt war und dass der Sommer eine schwierige Zeit für Carp Gipsies sein konnte, einem trauerlosen Abschied aus Italien, Wiederorganisierung des Tackles in heimischen Gründen, dem saukalten Herbsteinbruch bei Ulm, fünf German Carp bis knapp 18 kg aus einem glasklaren Krautloch, der kurzfristigen Entscheidung, nach Belgien zu fahren, zufällige und geplante Gatherings von verwandten Angelseelen zum Teil mitten in der Nacht am hoffnungslos hoffnungsvollen Krabbensee nähe Antwerpen und der erwartet unerwartete Fang eines vollbeschuppten Farbenspiels auf die Unterschwungrute rechts morgens um halb neun. Aber alles der Reihe nach, kurz und verständlich:

Irgendwann nach drei Platzwechseln und einem unmenschlich steilen und haltlosen Angelplatz hatten wir tatsächlich vier Karpfen in wenigen Stunden gefangen, unter anderem meinen italienischen PB mit 17,4 kg. Halt, hier irrte ich mich, denn irgendwann mal rund Ostern, es war glaube ich 2006 hatte ich schon einen schwereren italienischen Schinken im Netz gehabt (worüber ich mal im CIF berichtete). Kein Problem, ich wollte ja sowieso noch höher hinaus, und das schien eigentlich möglich, wäre da nicht der Berufsfischer gewesen. Der stellte nämlich schon zum zweiten Mal sein Kiemennetz auf meinen Futterplatz, und ich hatte wirklich keine Lust mehr, ihm die Karpfen ins Netz zu locken. Und eigentlich hatten wir auch schon genug von dem italienischen Traumsee und wollten mehr vom Land sehen und mobil bleiben. Also düste das Carpmobil nachmittags weiter auf der Suche nach weiteren Traumseen und verlassenen Meeresstränden - leider ohne Erfolg. Drei weitere Seen stellten sich als unzugänglich, zugemüllt oder als heimgesucht von einer Heerschar von Karpfenanglern heraus. Also ab ans Meer, wo es aber keine Zugänge gab, ohne dass man den Geldbeutel weit öffnete, 50 € pro Nacht für einen überfüllten Touri-Campingplatz bezahlen durfte oder gratis an Strände konnte, die getarnt als Schutthalden waren. Ein Städteausflug nach Siena beruhigte uns wieder ein bisschen. Doch wurde eines immer deutlicher: ein Gipsy hat im August in Italien nichts verloren. Zu viel Menschen, Abzocke und viel zu viel Müll auf Parkplätzen.

Die Flucht nach Deutschland glückte halbwegs, bis auf die Schnapsidee, 1000 und 1 Kurve über den Splügenpass mitzunehmen, während derer ich konstant mit Birkulator (der Ringer von BS-Tackle) whats-appte (gar nicht gut für den Magen, wenn man den Kurvenverlauf nicht mitverfolgte), um noch am selben Abend einen Besuch bei ihm am See zu vereinbaren: Er lockte mit selber gemachter Wurst und Caramany-Wein aus dem Erfolgsjahr. Keine paar Stunden später kamen wir im empfindlich kühlen Günzburg an der Donau an: Die spontanen Besuche waren aber schon immer die besten!

Am nächsten Tag düsten wir zu meinen Eltern in den Stuttgarter Raum, wo wir kurz die Vorzüge der Zivilisation geniessen konnten, das Tackle wieder organisierten und uns gleich wieder aufmachten, um nochmals am Günzburger See aufzulaufen wo jetzt Hendrik (der Doktor von BS-Tackle) und der Herbsteinbruch auf uns mit zwei Tageskarten warteten. Wie hatte ich doch das Baggerseeangeln vermisst! Mit der Polbrille mussten kleine Löcher im Kraut vom Boot aus gesucht werden und man konnte den Köder auf 3,5 m auf Sicht ablegen: Schnur im Kraut, Köder und Blei auf dem Kiesplacken. Das Wiedersehen mit Birkulator und Hendrik war echt schön und ausserdem kamen noch Dani und Manuel und fünf Karpfen bis 17,8 kg auf einen Besuch längs. Viel zu schnell vergingen diese zwei kühlen Tage in denen wir zusammen mit Hendrik elf Karpfen aus dem Kraut zerren konnten.

Caroline wollte und musste zu ihrer Familie nach Antwerpen. Das nächste Reiseziel war also Belgien, zurück zu unserem Start des Trips, vor ziemlich genau sieben Monaten. Anglerisch zog es mich sofort wieder zurück an meinen hassgeliebten Krabbensee (über den ich im "Vom Wasser" Buch geschrieben hatte). Und mit sofort meine ich sofort. Nachdem wir auf der Post die Angelerlaubnis gekauft hatten, setzte mich Caroline quasi direkt von den Autobahn am See ab und fuhr mit unserem Bussle weiter zu ihr nachhause. Da stand ich nun im Regen mit Trolley und viel zu viel Material an dem See an dem Angeln durch die Krabben fast unmöglich war, dafür aber ein paar richtige Koffer rumschwammen, die seit dem massiven Aufkommen von Wollhandkrabben und Kamberkrebsen vor circa drei Jahren nicht (!) mehr gefangen wurden. Wenige Minuten später stand schon mein Angelkumpel Jens mit Fritten und Bier da, Kumpel Victor verscheuchte mich von seinem Futterplatz und wie aus dem Nichts tauchte dann auch noch Michel um elf Uhr nachts mit dem Mountainbike und Futtereimer auf. Belgien hatte mich sofort wieder. Und es sollten die nächsten drei Tage noch viele Besuche werden, insgesamt kamen sechs Angler vorbei, um Hallo zu sagen. Vor ein Uhr war da an Schlaf nicht zu denken. Die Krönung der Session, während der sich schon der zweite Platz als "krabbenarm" herausgestellt hatte (so was gab es die zwei Jahre davor nicht), war der dritte Morgen. Um halb neun Uhr morgens fand ein Karpfen im Clownkostüm die Tigernuss an der Uferkante. Yeeeeesssss! Ich war für einen kurzen Moment "back in the game" am Krabbensee mit den fast unfangbar geilen Karpfen und ich fühlte wie ich diese verzwickte Aufgabe vermisst hatte. Am nächsten Tag kam dann Caroline und wir fingen noch einen kleinen Schuppi, wieder direkt am Ufer und wieder perfekt gehakt.

Als Rig diente hier so wie schon zuvor in Günzburg ein einfaches 50lb Armakord sinking (krabbenresistent) mit 6er Wide Gape X (stark genug, um einen Karpfen mitsamt zehn Kilo Krautbatzen zu landen) und ein bisschen Schrumpfschlauch womit der Haken noch besser und schneller drehte, so dass er bei der richtigen Riglänge (nicht zu lang, bei Hakenhalt im Maulwinkel kürzen, ich fischte mit 12 cm) fast immer mittig in der Unterlippe griff. Dadurch ist er durch seine nach innen gebogene Spitze sehr schonend, was bei den weichmäuligen Krautkarpfen nötig war, sonst schlitzte der Haken aus.
Grüße, noch aus Belgien, eure Carp Gipsies
Alex und Caroline

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