17.09.14

Alex steigt aus 25 - Bollen rollen

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Jetzt schon sieben Monate, vielleicht noch Jahre? Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Caroline. Hier berichtet Alex fast jede Woche, was die beiden erleben. Er schreibt und fotografiert diese Kolumne mit dem iPhone:

Stellt euch einmal vor, ihr habt ein Jahr Zeit nur zum Angeln und ihr verpasst die ersten zwei Septemberwochen fast vollkommen. So lange ist es nämlich schon her, dass wir einigermaßen vernünftig geangelt, und noch ein belgisches Kanalkärpfchen gefangen hatten. Und wie wir die großen Seen vermissten! Dass unser Abenteuerangeln auf einmal so weit weg erschien hatte allerdings einen schwerwiegenden Grund: Uns ging das Futter aus und wir brauchten Boilies bis mindestens zum Jahresende. Auch für einen gesponserten Angler wachsen Boilies nicht auf Bäumen und weil wir viel angelten brauchten wir auch viel davon. Eigentlich eher sehr viel. Ich versuchte ungefähr zu planen wie viel das denn sein könnte bis Ende Januar, dem Ende unseres (ersten) Jahres als Carp Gipsies und kam auf stolze 500 kg. Da wir das Futter nicht geschenkt bekamen, würde das aber ein gewaltiges Loch in unsere Reisekasse reißen. Wir entschieden uns also, die Boilies selber zu rollen. Dazu war allerdings auch eine gute Anlage nötig, da wir so viel wie möglich der Köder auf einmal rollen wollten. Also nicht wie ein Eichhörnchen, jeden Tag ein bisschen was sammeln und verstecken, sondern am besten 500 kg an einem Tag herstellen und mit Salz danach für die kommenden Monate zu konservieren.

Von Belgien fuhren wir also über Kerkrade, wo wir den immer gut gelaunten Korda-Boys einen Besuch abstatteten und uns mit den Neuheiten eindeckten, Richtung Osnabrück wo wir bei Freund und Bait-Sponsor Jürgen Meyer (M+M Baits) Fish `n Yeast Mix und einen neuen Erdnuss-Mix abholten. Dann ging es weiter zu Tim Linnebaum und seiner Freundin Daniela nach Recklinghausen. Tim ist Hardcore Angler, im gleichen Bait-Team und besitzt eine abartige Leidenschaft: Er liebt es, Boilies zu rollen und schwärmte mir schon oft von seinem neuen Mado Ultra vor, dem Godfather aller Fleischwölfe. Tim versprach uns, dass wir die 500 kg Boilies ohne Probleme an einem Tag abrollen konnten: Ganz schön krass für einen Hobby-Boilie-Dreher! Und tatsächlich, am Ende des Tages hatten wir so viel Baits gerollt, dass der Trockenschrank in der Garage bei Weitem nicht mehr ausreichen sollte. Nach den Putzarbeiten begann das Warten: Die Boilies mussten schön trocken sein, um sie einsalzen zu können. Also fischten wir sporadisch an einem Kanal und Fluss im Raum Recklinghausen, weiter konnten wir nicht weg, da die Boilies ja täglich bewegt werden mussten (es waren einfach viel zu viele auf den Trockengittern und in den Plastikboxen), gefangen haben wir aber nichts. Die Motivation für das urbane Angeln war allerdings auch verschwindend gering: Wie konnte man zufrieden an einem Kanal sitzen, wenn man seit Beginn des Jahres fast non-stop an wilden und traumhaft schönen Gewässern in Südfrankreich und Spanien geangelt hatte?

Es half nicht, das Angeln musste wieder zur Nebensache werden. Stattdessen besuchten wir Bastian, Miriam und Josephine Reetz, plauderten, lachten und philosophierten über unsere (gar nicht) so unterschiedlichen Lebensträume. Wir retteten einen Maulwurf, der sich auf die Straße verirrt hatte. Wir plünderten zusammen mit Tim und Danni das Buffet eines asiatischen Restaurants und Tim und ich konnten nicht anders, als konstant von dicken Herbstbullen zu träumen. Doch trockneten die Boilies einfach nicht. Zu feucht war das Wetter und dazu waren es auch einfach zu viele Kugeln: Sie lagen in mehreren Lagen und die Luft in der Garage war gesättigt mit Feuchtigkeit. Nach fünf Tagen packten wir sie aber dann doch ein, mit Salz in Tüten und transportierten sie zu meinen Eltern, wo wir ungefähr die Hälfte für unseren Spanientrip im Winter einlagern wollten. Die Boilies waren aber tatsächlich noch viel zu feucht, sie wurden schleimig und wir waren seit Tagen damit beschäftigt, Boilies in der Sonne im Hof auf Wellpappe auszulegen, in Trockensäcken aufzuhängen oder in der Garage mit Heizluftstrahler zu trocknen. Das Wetter war hier im Schwabenländle aber einfach miserabel und die Luftfeuchtigkeit superhoch. Doch hatte das ganze Boilie-Theater auch ein Gutes: Wir waren da, als meine Schwester die kleine Lou zur Welt brachte!

Während der Rest der Boilies trocknet, ein paar Bestellungen noch kommen, die unsere Ausrüstung perfektionieren sollen, können wir noch ein paar Mal das kleine Wunder bestaunen, bevor wir in den Norden Frankreichs fahren wollen. Ich geh gleich mal wieder Trockensäcke aufhängen und Wellpappe ausrollen. Wer mal so große Mengen an Ködern selber produziert hat, weiß wie viel die Arbeit von Bait-Firmen wirklich wert ist.

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