19.11.14

Alex steigt aus 28 - im Gepäck, drei Vierziger

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Jetzt schon acht Monate, vielleicht noch Jahre? Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Caroline. Hier berichtet Alex regelmäßig, was die beiden erleben:

Der fünfwöchige Trip an einen großen und gnadenlos schwierigen Stausee in Frankreich mit nur vier gefangenen Karpfen war nur schwer zu verdauen. Wie geknickt ich war, realisierte ich nur nach und nach. Unsere nächste Station war Belgien, wo Caroline bei Familie und auf einer Beerdigung war, und es mich wieder zurück zu einer alten Hassliebe, dem Krabbensee, zog. Die Bedingungen waren Anfang November perfekt. Warme Nächte, springende Karpfen und aufkommender Wind sorgten dafür, dass ich mir fast sicher war Karpfen zu fangen - von wegen. Keine Ahnung was los war, in der ersten Nacht waren die Karpfen noch sauflach und ausschließlich im Kraut, und als ich in der zweiten Nacht darauf reagierte, schien ihnen der aufkommende kühle Wind und die erste echte Wasserzirkulation des Herbstes den Appetit verdorben zu haben. Nach drei Nächten war außer einem Bresen nichts gewesen. Ein Kumpel sagte mir dann noch, dass sie in den letzten Wochen ein paar Fische hatten fangen können, doch als ich kam hörte es scheinbar auf. Ich hätte heulen können, was war das nur für ein bescheidener Angelherbst? Ich hatte das Pech an den Fingern kleben.

Doch so schnell wollte ich mich nicht geschlagen geben. Mein selbstgemachter Druck stieg auch immer mehr. In unserem Aussteigerjahr hatten wir bis zum Sommer so genial gefangen und eigentlich wollte ich im Herbst da noch einmal einen drauf setzen, auch wenn es bei unserem Ausstieg natürlich nicht nur um das Fangen von Karpfen ging. Ich hatte noch einen Eimer Boilies und ein paar Kilo Tigernüsse übrig und beschloss auf der Rückfahrt nach Deutschland, wo wir unser Tackle für den Winter in Ordnung bringen wollten, noch drei Nächte an einem Baggersee zu verbringen. Ich entschied mich für den tiefen Seeteil, in dem ich ein paar dutzend 18er Boilies auf Nuss-Basis und ein paar hundert Gramm Tigernüsse großflächig über dem schlammigen Grund verteilte. Nach nur wenigen Stunden landete ein kleiner Schuppi im Kescher, der den Boilies nicht widerstehen konnte. In der Nacht meldete sich dann die Tigernuss-Rute und ich fühlte sofort was da wütendes an der Leine zog. Es war einer der ganz dicken Karpfen des Sees und er verfehlte die 25 Kilo nur um 200 Gramm! Mindestens genauso geil wie sein Gewicht war aber auch sein makelloses Aussehen und sein großer Rüssel. Ich hatte mir endlich das Pech von den Händen gewaschen. Zwei weitere Vierziger bis 23,3 Kilo und noch ein kleiner Schuppi (auf Boilies) unterstrichen das. Drei Nächte, drei Vierziger, total unverhofft und einer geiler als der andere, so kann Karpfenangeln auch sein!

Jetzt packen wir unseren Kram für den Winter. Uns zieht es dahin, wo unser Kopf eigentlich schon seit dem Frühjahr geblieben ist, in die spanische Extremadura. Wir hatten dort eine fantastische Zeit erlebt und viele große und wilde Karpfen gefangen. Der See beinhaltet noch so viele unentdeckte Schätze, wie es an keinem französischen Gewässer mehr der Fall ist. Doch auch dort ist der Winter dunkel, kalt und feucht. Es wird sicher alles andere als leicht, sich den Spaß beim Angeln nicht zu verderben. Wie lange wir es im Zelt aushalten steht in den Sternen. Es wird eine Aufgabe, bei der wir uns physisch sowie psychisch gut versorgen müssen. Über diese Schwierigkeit sind wir uns absolut bewusst, genauso wie über die möglichen Schätze, die wir dort finden können. Die drei großen Karpfen von letzter Woche sind auf jeden Fall schon mal ein gutes Pflaster für mögliche Schwierigkeiten, die sich uns in den Weg stellen könnten. Um den Spirit und die Magie des Angelns noch zu verstärken, haben wir uns entschlossen, den Gebrauch des Smartphones auf ein Minimum zu reduzieren: Weniger Ablenkung, mehr geistige Mitte. Das bedeutet leider, dass ich die Kolumnen für Korda entweder komplett einstelle, oder nur sehr sporadisch unterhalte. Wir wollen dem Internet den Rücken kehren und den Naturgewalten die Stirn bieten, einfach den Trip wieder mehr für uns leben. Yesss, es geht bald wieder los, das echte Abenteuer. Rock `n Roll, Baby!
Alex und Caroline

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