06.06.15

Alex steigt aus 31 - was geht ab bei den Gypsies

Team Kordas Alexander Kobler und seine Freundin Caroline taten, wovon viele träumen: Sie kündigten Job und Wohnung, beluden den VW-Bus und fuhren los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Doch mittlerweile bereits ein Jahr:

Jetzt ist es gut drei Monate her, für diese Kolumne eine halbe Ewigkeit, dass ich versucht habe in ein paar Zeilen auszudrücken, was in meinem Kopf nach einem Jahr on the road abging. Das war eine wirklich krasse Zeit. Gut zweieinhalb Monate verbrachten wir hauptsächlich im Zelt, mitten im kalten Winter der Extremadura an einem 5000 ha See. Das ging wirklich auf die Substanz. An einem so großen See ist man den Elementen im Winter einfach zu krass ausgeliefert. Den Traum vom wilden 30 kg Schuppi konnte ich leider nicht erfüllen, aber das war im Nachhinein gesehen auch völlig egal. Denn wir hatten wirklich gut gefangen und vor allem eine wahnsinnig aufregende und schöne Zeit gehabt. Die letzten Wochen waren vom Angeln her aber unglaublich zäh. Es lief fast gar nichts mehr. Es war konstant kalt und die Karpfen fraßen kaum noch. Außerdem zogen sie weite Abstände durch den See. Ich glaube, dass sie konstant auf der Flucht vor dem kalten Wind waren und sich langsam ins flachere Wasser aufmachten, da das Laichen dort schon im März begann.

Wir hatten die rauen Umstände dort irgendwann satt und unser Hoch lag schon lang hinter uns. Es gab aber noch einen anderen See in Spanien, nicht zu weit entfernt, der uns noch interessierte. Er war deutlich kleiner und das Klima war dort auch etwas milder. Außerdem gab es eine unglaubliche Anzahl von richtig großen Karpfen. Der paar hundert Hektar große See fühlte sich richtig schnuckelig gegen das 5000 ha Ungetüm an. Wir erkundeten zahlreiche kleine Buchten und bekamen ziemlich schnell einen guten Überblick über das Gewässer. Doch leider ereignete sich in der ersten Angelnacht folgendes: Wir wurden nachts von einem Geräusch wach, und ich hörte etwas weglaufen. Ich dachte an Wildschweine und legte mich wieder schlafen. Am nächsten Morgen allerdings zuckte es mir durch Mark und Bein als ich sah, dass unser Schlauchboot samt Echolot zwanzig Meter den Hügel hoch versetzt war. Von wegen Wildschweine, das waren Dreckschweine! Es war uns völlig egal ob das ein missglückter Diebstahl oder ein unfreundliches Benehmen gegenüber Ausländern war. Wir waren auf jeden Fall keine paar Stunden später wieder on the road.

Etwas planlos entschieden wir uns letztendlich, dass es Zeit wurde zurück in die Zivilisation zu gehen, zumindest für eine gewisse Zeit. Wir wollten eigentlich nur noch in der Nähe einer Heizung sein, Fernsehen glotzen und ordentlich futtern. Also nichts wie ab in den Norden, zu unseren Familien, die uns genauso vermissten wie wir sie. Wir tauchten in eine Phase der Gemütlichkeit und nahmen eine mehrwöchige Angelpause, die wir dazu nutzten, um das Erlebte zu Papier zu bringen. Irgendwann in dieser Zeit rief mich mein Onkel Reiner an. Er wusste von unserem Angelabenteurer und frug, ob es nicht Zeit für einen Wohnwagen wurde und ob wir nicht seinen haben wollten. Ich war zuerst gar nicht begeistert, weil ich dadurch unsere Flexibilität beim Angeln nur noch eingeschränkter sah. Doch war Caroline gleich Feuer und Flamme. Die Vorstellung gefiel ihr wirklich sehr gut. Die Lösung war einfach: Der Wohnwagen brauchte einen festen Stellplatz, wir gingen damit nicht angeln, sondern er stellte unsere neue Basis, unser Zuhause dar. Tja, und diese Basis war schnell gefunden. Keine fünf Minuten später hatten wir die Zusage von unseren Freunden in Südfrankreich, die in einem Weinanbaugebiet in der Provence wohnten. Also her mit einer Anhängerkupplung und ab ging die Post mit unserem 30 Jahre alten Triton. Spätestens jetzt waren wir Real Gypsies.

Der Wohnwagen stand also in der Provence, wir hatten Frühjahr und seit gut einem Monat nicht mehr geangelt. Und dann war da diese Brücke, kaum eineinhalb Stunden entfernt. Sie sollte uns die nächsten Wochen nicht mehr los lassen. Meistens fuhren wir vier bis fünf Tage dorthin zum (Tag-)Angeln, fischten praktisch jeden Tag an einem anderen Platz und erlebten eine wunderbare Zeit. Der See war selten schöner. Der Wasserstand war sehr hoch, das Grün der Flaumeichen war noch frischgrün und von Anglern fehlte jede Spur. Doch schlauchte das tägliche Auf- und Abbauen irgendwann sehr. Wir hatten uns außerdem regelrecht satt gefangen. Es war Zeit für eine Pause gekommen, die wir mit Sport und Erkundung der Gegend verbrachten. Also spielte sich unser tägliches Leben hauptsächlich rund um den Wohnwagen ab.

Und das ist dringend nötig. Denn wir arbeiten an einem großen Projekt. Wir wollen diesen Herbst ein Buch herausbringen! Dieses Buch soll die Magie und Schönheit haben, um Angler träumen zu lassen. In einem Augenblick vom heimischen Sofa aus hinein in ein großes Karpfenangelabenteuer. An diesem Traum arbeiten wir schon seit letztem Sommer. Und langsam nimmt er Gestalt an. Leider bleibt deswegen gerade nur wenig Zeit zum Angeln. Das nervt mich manchmal. Caroline meinte aber vor ein paar Tagen, dass ich für eine Zeit eben nur noch wie ein arbeitender Mensch angeln gehen konnte. Fünf Tage Arbeit, zwei Tage Angeln. Zumindest solange, bis das Buch zum Layout kann. Und Recht hat sie damit. Man muss eben Prioritäten setzen. Jetzt bin ich froh, dass wir einen Wohnwagen in Südfrankreich stehen haben. Wochenendangeln in der Provence! Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Bis bald,
Eure Carp Gypsies
Alex und Caroline


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