23.11.15

Alex steigt aus 33 - Chaos-Tage Teil 2

Team Kordas Alexander Kobler und seine Freundin Caroline taten, wovon viele träumen: Sie kündigten Job und Wohnung, beluden den VW-Bus und fuhren los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Unter dem Namen Carp Gypsies sind sie bei Facebook zu finden, wo sie uns immer wieder an ihrer Reise teilhaben lassen. Und diesen Namen trägt auch ihr Buch, das schon dieses Wochenende auf der Carp & Cat Expo Rhein/Main in Wallau veröffentlicht wird! Hier der zweite Teil der Chaos-Tage:


Dem Pech folgte noch größeres Unglück. Unser neues Carp Gypsies Mitglied, Hund Chico von der Straße, fiel beim Losfahren aus dem Boot, schwamm panikartig an Land und rannte wie vom Teufel besessen dem Auto der zwei Spanier hinterher. Binnen weniger Sekunden war er aus unserem Sichtfeld und kein Schreien der Welt half, ihn zurück zu holen. Trauer mischte sich zur Hoffnungslosigkeit und uns blieb nach einer halben Stunde des Wartens nichts anderes übrig als zurück zum Angelplatz zu fahren. Da lag er, der Haufen Besitz, der uns am Ufer des 5000 Hektar Sees fesselte. Unser neuer Hund schon wieder weg und das kaputte Auto einen halben Tagesmarsch entfernt am Rande eines Feldwegs im Nirgendwo. Es war einer dieser Momente die so zum Schreien sind, dass man ruhig wird, mit der Kinnlade weit offen und dem Blick in die Leere. Wir wollten der Situation nur noch entfliehen anstatt unser Lager zum Angeln aufzubauen. Das meiste war ja noch in den Booten, mit denen ich nur wenige Stunden zuvor noch hochmotiviert von der alten Angelstelle vier Kilometer entfernt über den See gefahren war. Doch von der Motivation zum Angeln fehlte jetzt jegliche Spur. Also luden wir das halb aufgebaute Zelt wieder ins Packboot und wollten zu ein paar Fincas fahren, um dort Chico zu suchen, unter Bäumen zu schlafen und am nächsten Tag einen Plan zu machen, wie wir das Material vom See weg schaffen und das Auto zu einer Werkstatt bekommen konnten. Außerdem mussten wir Wulf Plickat schnellstens absagen, war er doch schon halb auf dem Weg zum Flieger von Berlin nach Madrid, um uns am mystischen See zu besuchen und uns zu filmen. Denn wie sollten wir ihn von der Bushaltestelle abholen, die zwar fast direkt am See anhielt, aber für uns und Wulf mit seinem Koffer einen Fußmarsch von circa fünfzig Kilometer bedeutete. Unser VW-Bus hatte sich wirklich ein bescheidenes Timing und einen genau so bescheidenen Platz ausgesucht, um das Kuppeln der Gänge zu verweigern. Es war wirklich zum Heulen.



Wir hatten die Hoffnung fast aufgegeben...

Lieber Bus, schlechtes Timing, ganz schlechtes Timing...

Auf einmal kam Jean heranspaziert. Wir hatten den sympathischen Holländer schon im Frühjahr 2014 kennengelernt, er saß ein paar hundert Meter neben uns und kam jetzt wirklich wie gerufen. Er war sehr verwundert, dass wir kaum am Platz angekommen, schon wieder abfahren wollten. Unsere Geschichte war schnell erzählt und genauso schnell überzeugte er uns, dass es Quatsch war jetzt vorschnell einzupacken. Im Gegenteil, er würde gerne mit uns ein paar Tage zusammen angeln und uns mit unseren Problemen helfen, mit dem Auto genauso wie dass er Wulf von der Bushaltestelle abholen und zum See bringen wollte. Leicht apathisch ließen wir uns überreden, nahmen sein Angebot an und schritten auch gleich zur Tat. In Windeseile räumten wir das Boot leer, mit dem Jean und ich noch vor dem Dunkelwerden fünfzehn Kilometer Richtung Hafen fahren wollten, um dort seinen Geländewagen zu holen, der in einer Lagerhalle von einem Karpfenguide sicher geparkt stand. Während wir in der Abenddämmerung mit dem 8 PS Benziner und 330er Schlauchboot über den 5000 Hektar See bretterten, wollte Caroline unser Lager errichten. Im Hafen angekommen, zogen wir das Boot an Land und joggten im Dunkeln zu der Lagerhalle. Doch dem halbwegs geglückten Plan stand ein fünftüriger Land Rover im Wege. Der Guide hatte seine Karre in der Halle genau vor den Ausgang gesetzt. Kein Rütteln und Schütteln half, die angezogene Handbremse hielt den Wagen wie ein Fels in der Brandung. Telefonisch erreichen konnten wir auch niemand, der einen Schlüssel für den Land Rover hatte. Jean überblickte die Situation scheinbar routiniert und meinte, dass wir schräg an der Karre vorbei aus der Halle fahren konnten. NIEMALS, sagte ich, waren es ja wirklich keine zwei Meter Platz zwischen Land Rover und verrosteter Lagerhallenschiebetüre. Doch schien Jean Abenteuerblut geleckt zu haben und wollte wirklich versuchen im 45 Grad Winkel heraus zu manövrieren. Das klappte auch erstaunlich gut – mit einem Zentimeter links und rechts Platz – bis das rechte Hinterrad über den erhöhten Ausgang rollte, das Auto nach rechst kippelte und – quiiiietsch – an der Schiebetüre hängenblieb. Kotflügel verkratzt, Spritzblech verbogen und ich rote Backen vor Scham. In was hatte ich ihn da nur reingezogen? Jean schien es aber locker zu nehmen (ich wäre bei dem Lackschaden am nagelneuen Toyota Hilux ausgerastet) und – quietsch – fuhr er einfach weiter bis der Wagen aus der Garage rollte...

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