08.05.16

Alex steigt aus 36 - Sehnsucht

Nein, absolut nicht. Die vielen Menschen auf den Anglermessen waren alles andere als störend (ganz im Gegenteil!), auch nicht nach zwei Jahren Angelabenteuer, während dessen wir oft komplett alleine an abgeschiedenen Gewässern waren. Was mich allerdings richtig fertig machte, war die Flut aus (schlechten) Nachrichten im Fernsehen und auf Facebook. Das war ein wenig so, als ob man während einer langen Pilgerreise durch eine tobende Großstadt kommt: die totale Reizüberflutung mit krasser Unzufriedenheit und Gereiztheit zur Folge! Oft gnadenlos gefangen zwischen vier Wänden harrten wir so von einer Karpfenmesse bis zur nächsten aus, zu Besuch bei meinen Eltern oder bei Freunden, lebten aus dem Koffer raus, waren aber auch ganz ordentlich mit dem Versand unseres Buches beschäftigt (noch mal vielen lieben Dank für eure Unterstützung und den Kauf unseres Buches!!!).

Doch da war noch etwas, das uns in Deutschland fesselte: Wir hatten uns im Winter nach einem neuen fahrbaren Untersatz umgeschaut, mit mehr Raum und Gefühl eines kleinen Unterschlupfes. Und dieses, etwas waghalsige Projekt, wollte einfach nicht fertig werden. Und dabei ging es vorerst nur darum, das über vierzig Jahre alte Koloss wieder fahrbereit zu bekommen, bevor wir uns dem Ausbau widmen konnten. Die Messen waren also lang vorbei, der Frühling klopfte (zumindest kurzzeitig) an die deutschen Türen, das neue Gefährt war noch lange nicht fertig und wir hatten einfach viel zu wenig geangelt im vergangenen Winter. Dazu machten mich gigantische Fangmeldungen aus unserem spanischen Lieblingsgewässer immer unruhiger. Blieb die Wetterlage noch etwas länger so oder war es bald schon zu spät? Laut Wetterbericht sah es nach noch weiteren fünf, vielleicht sechs guten Angeltagen aus. Ich erklärte Caroline die Lage, beide zog es uns wieder an diesen spanischen See der Superlative, und keine zwei Tage später saßen wir im Auto für einen dreiwöchigen Trip in Richtung unseres favorisierten Landstriches in Spanien – die Extremadura.

Anstrengend: Mit Übernachtung an der französischen Atlantikküste schafften wir die 2300 km in 36 Stunden. Doch war das Wetter genau wie vorhergesagt: Noch ziemlich kühl, bedeckt und windig. Nur ein paar Tage Sonne würden im April allerdings reichen, um die Karpfen zum Laichen zu bewegen. Dass dann erst mal tote Hose sein würde, wussten wir noch vom April vor zwei Jahren. Es galt also keine Zeit zu verlieren und so legten wir die Ruten am anvisierten Platz gleich in verschiedenen Tiefen mit 20er Fruchtboilies oder einzelnen Tigernüssen ab. Ein Blank in der ersten Nacht – ernüchternd. Dabei stimmte doch alles. Gegen Mittag, gut 18 Stunden nach dem Rutenlegen, kam dann der erste Biss. Er läutete sehr aktive 36 Stunden ein. Ja fast Chaos brach aus. Regen, Wind und insgesamt 15 Karpfen bei 18 Bissen folgten. Die Größen waren bunt gemischt. Ja, wahrscheinlich erschrak ich deswegen regelrecht bei diesem einen Fisch. Genauso einen wollte ich! Dass dann die Waage „nur“ 21,2 kg anzeigte, änderte an seinen Dimensionen, an seinem Erscheinen überhaupt nichts. Ein perfekter Schuppi mit 104 cm lag im Netz! Besser konnte der Trip nicht beginnen.

Fangwind kommt auf!

Spanien hat uns wieder.

Und bescheidener konnte er nicht weitergehen. Die Bisse blieben auf einmal aus. Während ich noch kurz davor kaum hinterherkam mit Drillen und Rutenlegen, musste ich jetzt ganze zwei Tage lang schweigende Bissanzeiger erdulden. Sie waren weitergezogen. Instinktiv entschied ich mich ihnen nachzuziehen, wahrscheinlich zum Laichen, weiter Richtung Flachwasser. Wir packten also den ganzen Krempel wieder in die Boote und wechselten auf einen gut zwei Kilometer entfernten Platz. Dort stimmte das Bauchgefühl aber dann gar nicht (zumindest was das Angeln betraf) und so zog die Bootkolonne schon am nächsten Morgen noch einmal zwei Kilometer weiter, auf einen sehr aussichtsreichen Platz mit dem alten Flussbett, Krautbänken und jede Menge Plateaus.

Doch dann kam der Regen, ohne wenn und aber. Wie bei einem Monsun blieb uns nichts mehr anderes übrig, als uns dauerhaft im Zelt zu verkriechen. Und dann frischte der Wind auf. Mit ihm kamen hunderte von Krautteppiche, über und unter Wasser vorbeigetrieben. Und zwar so heftig, dass es selbst ufernahe Ruten mit einem 170 Gramm Grippa mitzog. Mir blieb nichts anderes übrig, als die Ruten einzukurbeln. Während dieser Phase rückte unser ursprüngliche Plan immer mehr in unser Bewusstsein: nur fünf Tage an unserem altbekannten See angeln(während der guten Wetterlage), dann aber neue Gewässer in Spanien erkunden. Das setzten wir nach dem Regen auch gleich in die Tat um. Wir packten wieder alles ein und machten uns auf in Richtung Norden. Es war Zeit für neue Abenteuer.

Was für ein Fisch!

Angeln unmöglich, der Wind ist zu stark...

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