15.06.16

Alex steigt aus 37 - den Mai überschlagen

Ich überspringe einfach mal den kompletten Mai. Denn bis auf ein paar wenige Lichtblicke war dieser Mai einfach nur zum Haare raufen. Wir waren einfach nur richtig in die Sch*ße getreten mit unserem Traumauto. Der Traum vom MB 608 D (Düdo) hatte sich immer mehr zu einem echten Alptraum entwickelt. Und eins weiß ich jetzt auch ganz sicher: Man darf eine Autowerkstatt niemals vorausbezahlen, ganz sicher nicht mit mehr als einem Drittel des Kaufpreises. Denn wenn sie erst einmal den Löwenanteil der Kohle in den Hände halten, sch*ßen sie einfach auf einen und behandeln einen wie den letzten Dreck. Und dieses Autothema war seit dem Ankauf im Januar letztlich im Mai zu seinem Höhepunkt gekommen. Eigentlich hat diese Werkstatt unseren März, April und Mai auf dem Gewissen. Zwei mal hieß es, dass das Auto fertig hergestellt sei, zwei mal war dem doch nicht so. Eine Anreise Mitte Mai von Zentralspanien nach Berlin für nix und wieder nix war dann wirklich zu viel für unsere Nerven. Vor allem weil wir unseren VW-Bus bereits verkauft hatten. Aber ich hör lieber gleich wieder auf, die schlechte Laune kommt sonst wieder hoch! Und den Juni gönne ich dieser Werkstatt nicht auch noch! Also verlagere ich meine Gedanken ganz schnell zum 29. Mai: DAS Tiefdruckgebiet zog über Süddeutschland.

Wir hatten seit gut drei Wochen nicht mehr geangelt und es wurde aber so was von wieder Zeit fischen zu gehen! Viel zu lang dauerte es bis ich meine sieben Sachen gepackt hatte. Und dabei musste ich dieses Mal nur an mich denken, denn Caroline und Chico wollten bei dem aufkommenden Gewitter lieber in den sicheren vier Wänden bleiben (und Caroline motivierte das Angeln an diesem kleinen See sowieso kaum). Es begann also schon zu gewittern bei meiner Ankunft und ich schaffte es gerade noch so die Ruten auf die vorgefütterten Plätze zu pendeln bevor der Starkregen einsetzte. Doch was wirklich Starkregen war, erfuhr ich erst in der Mitte der Nacht. Er prasselte so krass auf mein Tempest, das ich nicht schlafen konnte, der kleine Bach hinter mir trat fast übers Ufer und es bildete sich eine Riesenpfütze in meiner Hütte, in der meine sieben Sachen langsam aufweichten. Dazu immer wieder ordentliche Blitze und Donner. So verbrachte ich die Nacht mit unruhigem Drehen auf der Levelite Liege und es meldete sich erst morgens um 4:30 ein kleiner Spiegler – im strömenden Regen.

Das nächste Abenteuer musste also warten...

Dabei war der April doch top...

Langsam ließ der Regen jetzt nach, ich pendelte die Rute wieder rein und beobachtete gespannt die Wasseroberfläche. Kein Buckeln, Springen oder sonst etwas war zu sehen. Und das nach einer Nacht, in der es in Süddeutschland Autos wie Spielzeuge durch die Straßen getrieben hatte. Also schnappte ich mir meinen Delkim Receiver und latschte voller Erwartung an den kleinen Bacheinlauf. Dort drückte es tatsächlich kaffeebraunes Wasser in den See und ich bemerkte sofort einen weißen Koikarpfen, der ganz dicht am Ufer vorbeischwamm. Nur einen kurzen Augenblick später rollte ein dunkelgrauer Schuppi von gut 20 kg keine fünf Meter vom Bacheinlauf entfernt. Krass! Zwei Karpfen in zwei Minuten und auf den Futterplätzen rein gar nichts in der letzten Stunde. Die Aufregung steckte mir regelrecht in der Kehle als ich zurück zu meinem Platz spurtete. In Windeseile packte ich ein, stopfte alles was lose rumlag in die Abhakmatte und lief mit klopfendem Herzen zurück zum Einlauf. Chodrig mit Fluo Popup? Oder das Hinged Stiff Rig? „Quatsch Junge, pendle da einfach die 85 Gramm Inline Bleie mit dem Standard 20 cm (Armakord-)Vorfach, 6er Wide Gape X und 20er Boilie rein“. Beim Einplumpsen hätte ich mir allerdings lieber 60 Gramm Bleie gewünscht: In meiner Aufregung klang der Einwurf, als ob man einen Wackerstein mitten zwischen die Karpfen geschmissen hatte. Doch schien das die Karpfen heute wenig zu stören und so meldete sich die Funkbox keine halbe Stunde später mit einem ultimativen Dauerton. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt nicht bei den Ruten, sondern wollte mir gerade nach erfolgreichem Toilettengang wieder die Hose hochziehen und rannte jetzt mit offener Hose und Toilettenpapierfahne wie ein Wahnsinniger durch die matschigen Pfützen, schlitterte die verschlammte Böschung hinunter und konnte den Fisch gerade noch so stoppen, bevor er in den versunkenen Baum zog. Schwer waren seine Bewegungen und noch schwerer sah er aus, als er über den Kescherrand glitt. Bingo!

Nach einer zittrigen Wiegepartie legte ich das Gewicht auf 24,9 Kilo fest. Ob er nun 50 hat oder nicht war mir in diesem Moment auch völlig Wurscht. Die Art des Fanges, dieser Moment als total unerwartet der Receiver loskrächzte und letztendlich der dicke Fischleib im Kescher landete, relativierten den Stress der letzten Wochen in wenigen Augenblicken. Ja, genau DAS hatte mir gefehlt. Tiefdruck, Regen und das Adrenalin von der Beobachtung der Fische bis zu diesem Fang. Und weil es immer am besten läuft wenn man seine Mitte gefunden hat, biss auch noch der graue Schuppi, den ich zuvor noch rollen gesehen hatte. Ein perfekter Angeltag.

Die Mitte gefunden, den Schuppi auch noch gefangen!

24,9 Kilo - meine Herren!

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