16.01.17

Alex steigt aus 38 - Frohes Neues

Eigentlich habe ich den Aussteiger und Abenteurer in mir schon mit dem Verkauf unseres Buches verloren. Das war wie eine Art Rückkehr. Zudem schlich sich dabei das „Business“ in die Leidenschaft. Das klingt sehr ernüchternd, es steckt aber ganz sicher ein Körnchen Wahrheit drin. Danach habe ich immer schön professionell Facebook am Laufen gehalten, Werbung für „Carp Gypsies“ gemacht, irgendwann die Blogs für Korda in vier Sprachen geschrieben (was meine Idee war) und letztendlich haben wir noch bei einem Film fürs französische Fernsehen mitgemacht. Das einstmals planlose Pärchen und der ausgesetzte Hund wurden beinahe zu Angelprofis. Was pesetentechnisch willkommen war, passte aber irgendwie ganz und gar nicht zu dem jugendlich-kopflosen Lebensstil zu Beginn unseres Trips.

Außerdem brachte die gewonnene Popularität allerlei Begleiterscheinungen mit sich, die das Gefühl allein und frei zu sein konstant störten. Das Angeln rückte immer mehr in den Vordergrund, ich träumte viel zu viel vom Riesenfisch aus dem Monstergewässer, wobei ich paradoxerweise aber immer weniger Energie und Motivation zum Angeln besaß. Es fehlten die Pausen, das Runterkommen und die Entspannung nach einer kräftezehrenden Session und so angelte ich immer öfter einen Scheiß zusammen, fing zu wenig und es wurde dadurch immer schwieriger zufrieden ein kleines Angelpäuschen einzulegen. Ein fieser Teufelskreis, bei dem man irgendwann mal nicht mehr weiß, wann man Gas geben und wann man ruhen sollte. Das alles funktionierte überhaupt nicht für uns, ich fing schlechter denn je, und das Wichtigste bei so einem Trip, die Zweisamkeit (oder eben Dreisamkeit mit Chico), kam dabei immer kürzer.

Und so gestaltet sich diese Kolumne als psychische Aufräumarbeit anstelle der zuerst geplanten Geschichte vom 40er aus dem Monstergewässer. Ich hoffe, ihr seht es mir nach. Die gesteckten Wünsche und Ziele fürs neue Jahr sollten damit auch klar sein: Gypsy bleibt Gypsy. Was allerdings nicht heißen soll, dass jegliches Teilhabenlassen an unserem Abenteuer ausbleibt. Ich muss nur wieder die richtige Mischung aus Abenteuer, Angelwahnsinn und Kolumnenweisheit finden und wieder mehr auf den Bauch hören und dem Verstand seine Grenzen aufzeigen. Das bedeutet auch, dass die Jagd nach Nemesis, dem unfangbaren Traum vom ungezähmten Riesenkarpfen, nur periodisch mein Handeln bestimmen darf und uns die meiste Zeit das Abenteuer vorantreiben sollte. Vielleicht wäre es sogar am besten, ich würde mich komplett freimachen von der Sehnsucht nach dem „Personal Best“, die Waage einfach zu Hause lassen und herausfinden was da so schwimmt in den Gewässern, die kaum einer kennt. Ganz sicher wird es auf jeden Fall wieder Zeit, mich einfach treiben zu lassen, zu neuen Ufern und hinein in ein neues Abenteuer.

Wir wünschen Euch viel Glück und Liebe, das gute Bauchgefühl und jede Menge Abenteuer in 2017. Long live freedom,
Alex, Caroline & Chico

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