12.03.14

Alex steigt aus 5 - im Rausch

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre. Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Freundin Caroline – sie begleitet ihn. Hier berichtet Alex jede Woche, was die beiden Abenteurer erleben:

„Und auf einmal war alles vergessen. Der pure Rausch war ausgebrochen. Es ging um Karpfen. Keine Gedanken an das Auto, Nagetiere oder an einen Wind, der uns zu zermürben versuchte. Ausschließlich Fisch stand auf dem Programm. Und schnell spielte das Gehirn wieder mal all seine Tricks aus. Die höhere Anzahl an Runs endete direkt wieder in einem Tunnelblick. Und das Licht am Ende des Tunnels schien dick. Bei jedem Biss kam Nervosität auf. Ist das ein Dicker? Und direkt nach dem Keschern gleich der Gedanke an den nächsten. Karpfen keschern, Echolot anschalten, Vorfach binden und wechseln, Rute minutiös ablegen und mit dem Sack im Schlepptau wieder zurück ans Ufer, wo zuerst die Rute gut abgelegt wurde bevor man den Karpfen ausgiebig betrachtete. Effektivität, um die Gunst der Stunde zu nützen. Hoffentlich hielt die Beißphase noch lang an. Hoffentlich kommt noch das richtige „Schweinchen“. Mit durchschnittlich zwei Bissen pro Tag konnte ER doch nicht mehr fern sein. Nach einer Zeit drehte sich dann auch fast alles nur noch um IHN. Kleinere Schuppis bedeuteten nur, dass die Rute nicht mehr aktiv war und ER nicht beißen konnte. Der Tunnel spitzte sich zu. Wie konnte ich meine Gedanken wieder frei bekommen? Ich musste mich wieder mal in der Kunst des Wartens üben. Was für ein schwer zufriedenzustellender Mensch ich doch bin. Doch gab uns der See immer wieder, meist unerwartet, ein Juwel in den Kescher (wenn auch nicht den faustgroßen Diamant).

Und Gott sei Dank war da noch die Sonne. Sie hatte in Südfrankreich schon die Kraft, um uns zu bezaubern und dafür zu sorgen, dass unsere nächtlich kalten Glieder wieder auf Betriebstemperatur kamen. Der tageszeitliche Unterschied war extrem. Vom Thermoanzug ins T-Shirt Outfit innerhalb einer Stunde. Langsam hatte ich die eiskalten Pfoten beim morgendlichen Rudern auch satt. Es fror jede Nacht. Und durch das Nachtangelverbot stand der Wecker morgens auf fünf Uhr. Das tat weh. Weit mehr als eine Stunde hatte ich nötig, bis die Ruten lagen. Doch die Karpfen ließen zumeist nicht lang auf sich warten. Es waren vor allem die flach gelegten Ruten, mit sparsam gefütterten 18er Cream Boilies, die abliefen.

Und während ich diese Zeilen geschrieben habe, lief gerade zum neunzehnten Mal in zwölf Tagen eine Rute ab. Ein kleiner, sehr magerer Spiegler mit goldfarbenen Schuppen wie Apfelsinenscheiben fand die Boilies in vier Meter Tiefe. Es ist genug und wir ziehen weiter. Wir haben uns entschieden, eine Woche lang rumzuziehen. Schöne Orte zu besichtigen und vielleicht ab und zu mal eine Angel reinzuwerfen. Die letzten Handgriffe am Auto übernimmt Stephane morgen Mittag. Dani ist mittlerweile wieder zurück in Deutschland und mit ihm das defekte Getriebe, welches eine Spedition im Tausch gegen das Austauschgetriebe in Kürze abholt. Damit kann endlich ein Schlussstrich unter das Thema Auto gezogen werden. Und hoffentlich bleibt es dabei noch einige Zeit.

So long,
Alex und Caroline“

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