20.02.14

Alex steigt aus II - Zigeunerleben

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre. Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Freundin Caroline – sie begleitet ihn. Hier berichtet Alex jede Woche, was die beiden Abenteurer erleben:

„In der Fremde kann die Lösung eines Problems zu einem wahrhaften Projekt ausarten. Hat man aber ein wenig Glück, so finden sich dadurch neue Bekanntschaften, die einem wie echte Freunde zur Seite stehen. Und das Problem wird zum Schlüssel in das Herz "fremder" Menschen.

Und Probleme hatten wir genug zu Beginn. Zwei davon strapazierten unsere Nerven sehr. Das Aufkommen von Mäusen im Auto, welche Essensvorräte und Material anknabberten, scheint nun wenigstens gelöst, auch wenn es neben zwei glücklicheren Exemplaren, die nur aus dem Bus gejagt wurden, auch zwei Opfer gab. Hässliche Bilder von zugeschnappten Fallen, Mäusekot, Urinflecken und das Geräusch von kleinen, umher huschenden Pfötchen verfolgen mich immer noch im Schlaf. Dass vier Mäuse wahrscheinlich doch von außen in einen T5 Transporter eindringen können ist genauso unerfreulich wie die Tatsache, dass es anscheinend fast schon normal ist, dass ein Getriebe nach 140.000 km und keinen neun Jahren den Geist aufgibt. Dieses Problem zieht sich dann auch noch bis jetzt hin, nach sieben Ausflügen in die Stadt während nur elf Tagen Aufenthaltes. Unfähige Mechaniker, Halsabschneiderei und die mangelnde Verfügbarkeit von Getriebespezialisten für Volkswagen haben eine an sich gar nicht so komplizierte Sache zu einem echten Nervenmarathon werden lassen.

Doch lernten wir dadurch auch interessante und hilfsbereite Menschen kennen, welche kommunikativ, aber auch logistisch behilflich waren. Wir lernten zum Beispiel ein nettes französisches "Aussteigerpärchen" kennen, die jetzt schon seit fünf Jahren im VW Bus (T4!) touren. Auf ihrem Laptop zeigten sie uns fantastische Bilder von ihren Fliegenfischer-Abenteuern in Neuseeland. Oder ein cooler Schweizer, der zusammen mit seinem Schäferhund Paco seit Dezember "on the road" ist. Er lud uns gestern Abend zu einem ausgiebigen Raclette in seinem Camper ein. Solche unverhofft schönen Momente, die man mit fremden Menschen teilt sind einzigartig und die Wunder des Reisens. Und morgen reisen wir weiter, zu einem neuen Gewässer und zu einem befreundeten Mechaniker, welcher auch Karpfenangler ist.

Die Zeit hier im Department Herault genossen wir sehr. Das Angeln gestaltete sich zwar winterlich schwierig, auch wenn die Wassertemperatur schon neun Grad an der Oberfläche hatte, doch konnten wir mit ein wenig Geduld doch zehn Karpfen fangen, zwei davon mit circa 30 Pfund (gewogen habe ich nicht). Die meisten von ihnen fielen auf Fish 'n Yeast Fischmehl-Boilies herein, meistens als Bodenköder präsentiert. In zehn Angeltagen fütterten wir insgesamt 15 kg auf unsere sechs Ruten verteilt. Die Bisse kamen flach im offenen See und tief im flachen Seeteil, 3 m bzw. 7 m. Zum Einsatz kamen einfache no-knots aus 25 lb Supernatural oder 50 lb Armakord mit 6er Wide Gape X Haken.

Die Safe Zone Leader und die 0.43er Subline sorgten für eine unauffällig liegende Präsentation, wenn die Bodenbeschaffenheit es zuließ. Leider hatten auch zahlreiche Brassen Gefallen an unseren 14- und 18 mm Boilies, das nervt im Winter schon mal, wenn man unnötig oft auf den windigen See muss. Und Wind hatten wir ab und zu mal wirklich starken, das Wasser begann sogar mal zu fliegen, genauso wie unser Faltboot, das hob trotz extra Gewicht einige male ab. Wirklich schön zu sehen war auch, wie die besetzten Spiegler abgewachsen sind. Die Zukunft sieht da bestimmt ein paar tolle Überraschungen vor. Der Karpfen vom Foto wird ganz bestimmt mal eine Granate. Aber nur wenn der Naturschutz den Riegel nicht vorschiebt. Das Zelten wurde seither geduldet, das ändert sich aber mit diesem Jahr, so versicherte es uns die Guarde de Peche. Auch 80 m Maximalabstand beim Angeln sind jetzt die Regel. Hoffentlich bleibt aber trotzdem alles beim Alten...

Alles Gute und liebe Grüße vom Wasser,
Alex und Caroline“

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