26.02.14

Alex steigt aus III - Hassliebe

Team Kordas Alexander Kobler tat, wovon viele träumen: Er kündigte Job und Wohnung, belud seinen VW-Bus und fuhr los. Auf in den Süden Europas, erstmal angeln! Wie lange? Das steht in den Sternen. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre. Denn sein Glück hat er bereits gefunden: Freundin Caroline – sie begleitet ihn. Hier berichtet Alex jede Woche, was die beiden Abenteurer erleben:

„Einfach unfassbar, diese fünf Minuten ergaben irgendwie keinen Sinn. Was war geschehen? Nur schwer konnte ich mir einen Reim darauf machen. Sicher war nur eins: ER landete nicht in meinem Netz. Der Biss der Bisse kam im letzten Regen eines warmen Gewitters im Februar, am Ende der Morgendämmerung. Wir lagen im VW-Bus und dösten noch ein wenig während wir den Regentropfen auf dem Dach lauschten. Vollrun, dann eine Pause, ich glitt vom Stockbett, schlüpfte in die Schuhe und rannte den Abhang zu den Ruten hinunter; in der Unterhose. Die Rute bog sich stark nach rechts. Der Fisch fühlte sich schwer an, traumhaft schwer für Februar. Kein Rütteln, kein Schütteln, nur massiv-schweres Bohren gen Grund, genau vor meinen Füssen. Ja, er schwamm nicht weg und versuchte den Streit vor meinen Füssen, zwischen Felsen und Totholz auszufechten. Und dann hing er auch schon fest im Holz, kam frei und hing wieder fest, dieses mal vielleicht an einem Felsen. Dann war er scheinbar wieder frei. Enorme Wasserschwälle kamen aus der Tiefe hoch, vom Fisch war noch keine Sicht. Und plötzlich passierte das Unausweichliche: Der Druck liess abrupt nach. Ich kurbelte ein wenig auf und bekam keine Spannung. Etwas explodierte in mir, ich schmiss die Rute in das Uferwasser und lief weg. Als ich zurückkam stand Caroline am Ufer und meinte, dass die Rute irgendwo fest hängt, und zwar fünf Meter links von dem Platz, wo ich zuletzt den Fisch noch drillte. Häh? Hing er doch noch dran als ich die Rute in den See warf? Oder befand sich der Fisch am Ende des Drills links von mir und die Schnur hing vor mir in einem Hindernis fest? Ich werde es nie herausfinden, und es ist auch völlig egal. Eins stand für mich aber fest, das war ein Gigant, der die 40 Pfund Marke schon vor Jahren überstiegen hatte, und ich war mir sofort bewusst, dass man so eine Chance am ersten Morgen an einem neuen Gewässer im Februar nicht allzu oft bekommt. Ich hatte sie nicht nützen können. So einem erfahrenen Karpfen, der ganz offensichtlich wusste was er während des Drills tat, darf man nicht zu viel Spiel geben. Doch ließen der 6er Haken und das Fluorocarbon-Vorfach keine Brachialgewalt zu. Ich war also für den Moment nicht gut genug vorbereitet – Schade!

Und es kam wie es kommen musste, an dem schwierigen Gewässer schaute ich die nächsten fünf Nächte nur in die Röhre, auch wenn ich mir grösste Mühe gab. Wir wechselten jeden Tag den Platz und fischten äusserst vorsichtig das flache Uferwasser, oft nur einige Meter vom Ufer entfernt. Doch machten uns Krebse und Katzenwelse das Angeln zusätzlich schwer und die Massen von zerbrochenem Glas und Plastikmüll waren nur schwer zu übersehen. Eigentlich wollten wir weiterziehen, doch warteten wir noch auf unseren Freund Dani, der uns ein Austauschgetriebe und eine Kupplung mitbringen würde. Diese hatten wir über komplizierte Wege via Iphone und Hilfe von Freunden vom See aus aus Deutschland bestellt. Und hurra, Dani ist jetzt da. Gestern nacht kam er an, und das 49kg Getriebe und die Kupplung wurden wie bei einem Drogenhandel im Dunkeln auf einem Waldparkplatz an Stephane, einem befreundeten Karpfenangler und Automechaniker, übergeben. Stephane nimmt sich meine Karre die nächsten Tage vor. Hoffentlich habe ich auch alles richtig bestellt und alles passt!!! Bis dahin gebe ich die Hoffnung auf einen weiteren, durchdringenden Vollrun nicht auf.

Tight lines,
Alex und Caroline“

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