27.06.16

Atom auf die Planken - Luis Tempel

Heute ist wieder ein heißer Tag. Die Sonne brutzelt jetzt schon mehrere Tage mit deutlich über 20 Grad auf die Wasseroberfläche. Ich sitze im Boot und ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass es Zeit für die Laiche wird. Ich fahre die markanten Stellen ab, doch werde immer wieder enttäuscht. Weit und breit kein Fisch in Sicht. Das klare Wasser lässt es zu, dass man einen weiten Bereich des Wasser überblicken kann. Trotzdem gestaltet sich die Suche schwerer als gedacht. Auch das rudern macht sich langsam im Rücken bemerkbar. Gerade an großen Seen ist es nicht immer leicht die Fische zu finden. Doch lohnt es sich immer wieder, wenn man sie gefunden hat, denn das spiegelt sich im Fangergebnis wieder. Ich mache mich auf in eine weitere Flachwasserzone und kann schon von weitem einige Rücken an der Wasseroberfläche hin und her schießen sehen. Sind sie schon am laichen? Was solls, endlich habe ich sie gefunden und ich werde es probieren den ein oder anderen ans Band zu bekommen. Leider befindet sich dieser Landbereich in einem Naturschutzgebiet, welches Menschen nicht betreten dürfen. Was nützt es, mir blieb nichts anderes übrig als mein Atom im Boot aufzustellen. Mit sanften Ruderschlägen fuhr ich immer dichter an das Geschehen heran und konnte durch die Polbrille erkennen, dass sich zwischen den Karpfen auch einige Schleien tummelten, die ebenfalls im Schilf am laichen waren. Bei den Karpfen die ich sah, waren allerdings nicht sonderlich große dabei. Erst als ich das Boot abseits des Laichplatzes, mit Hilfe von 3 Alustangen und Expandagummis festmachen wollte, kamen mir drei Große Fische entgegen geschwommen. Doch so schnell wie ich sie sah, sahen sie mich auch. Eine kräftige Schwanzbewegung und sie verschwanden wieder in der Tiefe des Gewässers. Nun kribbelt es schon gewaltig in den Fingerspitzen und natürlich brachte ich erst meine Ruten raus, bevor ich mein Lager auf dem Boot aufschlug. Meine Hündin machte es sich mittlerweile auf ihrer Matte gemütlich, sonnte sich und beobachtete das ganze Geschehen.

Meine drei Ruten fischte ich allesamt relativ auffällig. An eine Rute bildete ich ein Chod Rig mit einem pinken Pop Up und legte diese Rute direkt an das Schilf heran. Beim ablegen mit der Wathose explodieren vor mir einige Fische. Dieser Platz schien vielversprechend. An der zweiten Rute fischte ich ein simples D-Rig mit einem gelben Fakekorn über einer Tigernuss. Auch diese Rute legte ich vor die Schilfbank ab, aber anders als bei der ersten Rute war es hier schon über einen Meter tief. Die Rute Nummer drei wurde mit einem Blowback Rig bestückt. Ein weißer Fakekorn über einer Tigernuss sollte den Erfolg bringen. Ganz anders als bei den anderen beiden Ruten zuvor, legte ich diese Rute gut 15 Meter vom Schilf entfernt, in dem die Fische am laichen waren. Flach war es hier allerdings immer noch. Und so konnte ich alle Ruten auf Sicht per Hand ablegen. Ich war mir also hundertprozentig sicher, dass alles so lag wie ich es haben wollte. Das Zelt war schnell mit Schnüren am Boot fixiert und so auch gegen Wind und Wetter standhaft. Es dauerte nicht lange bis die Sonne am Horizont untergegangen war und sich der Himmel rot färbte. Ein Naturschauspiel von dem ich nicht genug bekommen kann. Vor uns war es weiterhin kräftig am platschen. Und öfters schwamm auch der ein oder andere Karpfen vor dem Boot entlang und erschrak meistens wenig später, als meine Hündin sich neugierig über die Bordwand lehnte. Plötzlich ist sie zurück gewichen. Der Bissanzeiger auf dem die zuletzt rausgebrachte Rute lag, piepte im Dauerton. Also rein in die Wathose, Rute in die Hand und ab ins Wasser. Den Kescher probierte ich noch irgendwie hinterher zu schleifen und dann ging ich dem Fisch entgegen. Ich spürte leider nicht viel und ahnte schon böses. Als ich immer dichter zum Blei kam, sah ich es dann, die ganze Schnur war voller Fadenalgen. Das ist natürlich tödlich für jeden Drill. Nun musste ich Irgendwie drillen und neben bei meine Schnur vom grünen Schnodder befreien. Der gegenüber zog zum Glück noch. Dann endlich, ich hatte ihn in meinem Kescher. Und was für einen. Urig, breit und hochrückig, ein wahrer Traumfisch, der noch nicht abgelaicht hatte.
Erst mitten in der Nacht lief die gleiche Rute erneut ab. Der Großteil der Fische hat wohl andere Dinge als essen im Kopf. Wieder war es ein purer Algendrill, doch auch diesen Fisch konnte ich wieder sicher fangen. Dieses Mal hatte ein kleinerer dunkler Schuppi auf die Tigernuss mit Fakekorn gebissen. Langsam wurde es wieder hell und obwohl in der Nacht nur zwei Fische gebissen hatten war ich überglücklich. Mit halb geöffneten Augen genoss ich den Blick auf die große Wasserfläche, als tatsächlich sogar noch die mittlere Rute ablief. Ein weiterer dünner langer Schuppi nahm doch noch ein bisschen Nahrung zu sich. Das Chod Rig, von dem ich mir eigentlich am meisten versprochen hatte, wurde dieses Mal nicht aufgenommen. Wahrscheinlich war es doch nicht der richtige Platz wie ich einst dachte.
Leider hatte ich keine Zeit für eine weitere Nacht, doch bin ich mir sicher, dass ich diese Session so schnell nicht vergessen werde.
Luis Tempel

Gute Wahl zur Laichzeit

Boah, was für ein Teil!

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