19.09.16

Auf der Suche nach Mythen - Lukas Olde

Viele Stunden ruderte ich mit meinem kleinen Kolibri am Ufer des Sees entlang. Die Cap tief in das Gesicht gezogen, ließ ich mich von den Wellen führen. Meine Classic Polbrille bot mir Einblick in die Welt unter der Wasseroberfläche. Morgens vor der Uni und auch in den Abendstunden saß ich an seinen Ufern, versuchte von ihm zu lernen, ihn zu lesen. Dieser See hat es mir angetan, zumal es heißt, dass hier richtig dicke Spiegler ihre Bahnen ziehen. Fische mit über 30 Kilo, einige Fuffis… Na wenn das mal kein Ansporn ist. Im Laufe der Zeit wurde ich dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Der Sechziger wurde tot im Schilf gefunden und Fuffis soll es hier auch nicht so viele geben, wie es mir zu Ohren kam. Alles nur ein Mythos?!
Ich wollte es von nun an genau wissen, nicht auf andere hören und mit der Masse schwimmen. Einheimische meinen, dass man die Fische aussitzen muss, mehrere Tage an einem Platz hocken und warten. Nein! Das ist wirklich nicht mein Ding. Ich wollte aktiv bleiben, ein paar Stunden oder höchstens eine Nacht bleiben und dann morgens wieder zur Uni aufbrechen. Das Totholz in einer kleinen Bucht bietet Unterstand und Sicherheit. Ich wusste, dass sich Fische hier im dichten Geäst aufhielten. Doch es war mir zu risikoreich. Flachwasser gibt es kaum an diesem See, fast nur steil abfallende Kanten auf über 12 Meter Tiefe. Nur an dieser einen Schilfkante ist es seichter, Kraut wuchs bis zur Wasseroberfläche und kleine sandige Fraßflächen machten das Areal noch interessanter. Ich verzichtete darauf, die Ruten mit dem Boot abzulegen. Bloß keine Unruhe verursachen, denn die Fische waren dort und ich wollte sie nicht ausscheuchen. Also warf ich meine Montagen punktgenau auf die sandigen Flecken. Und was gibt es da effektiveres als einen auffälligen PopUp am Chod Rig?! Das klappte prima, oftmals dauerte es weniger als eine viertel Stunde bis die erste Rute ablief! Viele kleinere Fische fing ich mit dieser Vorgehensweise im Frühjahr. Je wärmer es wurde, desto mehr größere Fische kamen in das flache Areal. Ich fing fast nur Schuppenkarpfen. Wo waren die Spiegler hin, und vor allem hatte ich noch immer keine Spur der ganz Dicken gefunden.
Ich setzte meine Vorgehensweise an verschiedenen Stellen des Sees fort, wollte alles von ihm kennen lernen. Die Fische sind tagsüber aktiv und ziehen die Kanten des Sees entlang. Auffällige Hakenköder und wenig Beifutter, welches ich jedoch weitflächig verteilte, stellten sich als besonders effektiv heraus. Viele Fische fanden über die Zeit den Weg in meinen Kescher, schöne Schuppis und auch die ersten Spiegler mit locker über 15 Kilo. Es ging stetig Berg auf… An einem regnerischen Morgen warf ich das Choddy vor eine kleine Schilfspitze uns ließ die Touchdown absinken. Ich wollte es am Anfang nicht glauben, aber die Bissanzeige ist bei durchhängender Schnur bei weitem besser, als es bei gestraffter Schnur der Fall ist. Jeder Schnurschwimmer, jeder Kontakt überträgt sich auf die sensiblen Delkims. So auch diesmal.. Der Regen hatte eine kleine Pause eingelegt und einzelne Pieper zeigten die Aktivität am Platz. Kurze Zeit später, lief die Mühle dann richtig los. Ein makelloser wilder Fisch lag auf meiner Matte. Der Regen setzte wieder ein, erst nachmittags rissen die Wolken auf. Ich fütterte wieder ein paar Boilies und Nüsse und es sollte keine 20 Minuten dauern und der rosa Popi fand seinen zweiten Abnehmer. Dieser war kräftig und massiv. Ausholende Schläge mit seiner Schwanzflosse brachten ihn voran und mein Herz fing nervöser an zu schlagen. Meine Knie zitterten, als er sich dem Ufer näherte. War es einer dieser Dicken, konnte ich meinen persönlichen Mythos enthüllen? Eine letzte Flucht bevor ein langer, breit gebauter Körper von den Maschen des Keschers umschlossen wurde. Doch dieser Fisch war kein alter Recke mit ledriger Haut, nein er hatte Schuppen und war keineswegs aus dem Urbestand. Enttäuschung stand mir kurzzeitig ins Gesicht geschrieben… Doch diese verschwand augenblicklich. Bin ich denn bescheuert, vor mir lag ein mega Brett und ich bin enttäusch?! Ein Lächeln machte sich breit, ich konnte mein Glück kaum fassen. Meines Wissens wurde zuvor noch kein größerer Schuppi hier gefangen. Also hatten die Einheimischen doch irgendwie Recht. Es ist eine Frage der Zeit, bis eine der Mythen kommt, doch aussitzen will ich das dennoch nicht. Ich bleibe weiter aktiv und werde zum Herbst hin die Futterstrategie ändern. Macht euer Ding und habt vor allem Spaß an euerm Stil!

Schuppi mit Seltenheitswert

Macht euer Ding!

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