09.06.16

Auf Welle Sieben - Peter Haudum

Gänsehaut. Immer wieder überzieht sie meinen Körper, wenn die Szenen von diesen unglaublich kampfstarken Schuppies, welche sich durch die Seerosenfelder pflügen, vor meinem inneren Auge ablaufen. Aber zurück zum Anfang. Die folgenden Zeilen ereigneten sich an einem über 1000 ha großen Natursee in Österreich:

Der Plan von Josef und mir war, in 3 Nächten vom Boot aus die Fische aktiv in ihren bevorzugten Laichgebieten zu finden und mit kleinen Fallen im Flachwasser zu überlisten. Dass dieser Plan so aufgehen würde, konnten wir uns nicht erträumen, denn leider mussten wir nach einem kurzen Rundgang in dem von uns favorisierten Areal feststellen, dass dieser Bereich bereits von mehreren Kajütbooten belagert wurde. Also entschieden wir uns für einen vermeintlich nicht so produktiven Uferstreifen. Nach Abklingen einer Gewitterfront beluden wir unsere Boote und stachen in See. Kurz vor 22.00 Uhr legten wir unsere Montagen im Schein der Kopflampen in kleine Löcher in den Seerosen bzw. in Einbuchtungen im Schilfgürtel ab und bezogen anschließend unsere Kajüten. Keine 2 Stunden später meldete sich einer meiner Delkims mit einem Dauerton und wir kämpften uns zu dem bereits im Schilf festgeschwommenen Fisch vor. Dieser war jedoch soweit vorgedrungen, dass ich nicht lange zögerte und ins hüfttiefe Wasser sprang. Patschnass griff ich mir den Rüssler mit beiden Händen, wuchtete ihn in den Kescher und wir machten uns wieder auf den Weg zurück. In den Morgenstunden konnte auch Josef seinen ersten Schuppi für die anstehende Fotosession überlisten und wir waren beide mehr als zufrieden. Leider verging uns das Lächeln als uns die Herren der Wasserrettung höflich darauf hinwiesen, dass wir nur im Freiwasser ankern dürfen. Problematisch dabei war, dass es dort um die 3 m Wassertiefe hatte und unsere Bansticks bei Weitem nicht dafür ausgelegt waren. Improvisieren war jetzt angesagt. 2 Meter Panzertape und mindestens 10 Kabelbinder später waren wir wieder im Rennen.


16kg für mich und...

16kg für Josef - guter Start!

Kurz nach Mittag schoss wie aus dem Nichts eine meiner Ruten los und ein wütender Fisch flüchtete mit Volldampf ins Schilf. Uns stockte der Atem als wir nach unendlichen Minuten den Bartelträger zum ersten Mal im Schilf sahen. Kurz darauf umschlossen die Maschen des Keschers den massiven, knapp 22 kg schweren Schuppi und wir waren beide sprachlos. Nach 2 kleineren Karpfen machten wir unsere Fallen wieder für die Nacht klar. Doch erst in den Morgenstunden konnten wir weitere Fische landen. Scheinbar hatte sich etwas verändert, denn in dem von uns beangelten Bereich war beinahe keine Aktivität mehr zu sehen. Vormittags startete ich eine Erkundungstour und konnte einige Karpfen knapp 200m von unserem Ankerplatz entfernt lokalisieren. Gerade als wir überlegten, den Platz zu wechseln, pfiff eine der Ruten ab. Diesmal ging Josef über Bord und nahm mit mir im Schlepptau die Verfolgung durchs Schilf auf. Nach einem hammermäßigen Kampf konnten wir den 2ten 20+ Schuppi abschöpfen. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Nach der Fotosession lichteten wir die Anker und movten in den zuvor entdeckten, fischreichen Bereich. Leider stiegen uns dort die ersten Fische aus, da sie sich unfassbar tief in den dichten Dschungel aus Schilf flüchteten und wir chancenlos waren. Wir grübelten über eine Lösung für dieses Problem nach und fanden diese in der „Hook and Hold“ Methode. Wir montierten das Massivste aus unseren Tackleboxen, in meinem Fall den Wide Gape XX mit dem 50lb Arma Kord. Die nächsten beiden hielten wir auf Biegen und Brechen vom Schilfgürtel fern und konnten diese sicher landen. Leider frischte der Wind auf und wir konnten unsere Montagen erst wieder gegen 23.00 Uhr ablegen. Nach einer kurzen Nacht meldete sich Josef`s Bissanzeiger im Morgengrauen. Glücklicherweise flüchtete der Fisch nicht in das Schilffeld und wir machten uns sofort mit dem Beiboot auf den Weg. Mit dem ersten Kescherversuch überraschten wir den Schuppi und der Dritte über 20 kg war auf unserem Konto. Wir schwebten auf „Welle Sieben“. Den perfekten Abschluss bildete noch ein weiterer 16,6 kg schwere Milchner. Mit einem Grinsen bis zu beiden Ohren packten wir unsere sieben Sachen, traten schweren Herzens die Heimreise an und wir waren uns beide einig, wir kommen wieder!
Tight Lines,
Peter Haudum

21,7kg - für mich ging ein Traum in Erfüllung

22,2kg Twotone für Josef

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