05.01.15

Bademeisters Herbst - Jan Brase

Für Bademeister Jan Brase beginnt die Angelsaison, wenn sich die Freibäder leeren: im Herbst! Er berichtet, wie es für ihn lief:

Nur noch 10…9…8… Ich zählte die Tage, die Stunden sowie die Minuten und aktualisierte so oft ich konnte! Mein Job hat mich wieder 6 Monate am Stück im Griff gehabt und ich kam nur eine Nacht raus, um im Sommer zu fischen.
Es war Mitte September und die Freibad-Saison so gut wie zuende. Ich habe ab Oktober immer 6 Monate Urlaub, da ich in den anderen 6 Monaten des Jahres schufte wie ein Großer und sich so manche Überstunde ansammelt. Es sollte nicht mehr lange dauern und meine große Herbstsaison startet erneut. Man war ich aufgeregt, kamen innerlich die immer gleichen Fragen hoch nach dem Sommer wie z.B. " Kann ich es überhaupt noch?" oder "Was erwartet mich dieses Mal?" Und genau auf diese 2. Frage möchte ich eingehen, denn dieser Herbst war voller Ereignissen, positive wie negative!

Es fing alles ganz entspannt an. Mein guter Kumpel Nils organisierte ein Geburtstagsfischen an seinem Hausgewässer. Mit 8 Leuten saßen wir gemütlich am Lagerfeuer, erzählten Geschichten und konnten noch ein paar schöne Fische fangen. Besser konnte ein Urlaub nicht beginnen, erst einmal am Wasser akklimatisieren und gesellig wieder in die Materie reinkommen. Ach wie schön, seit langem mal wieder durchzupusten und die Natur zu beobachten. Leider war das Wochenende wie immer zu schnell vorbei, doch ich hatte Blut geleckt und wollte jetzt wieder voll angreifen! Schon länger war eine Session mit Michael Köster und Jan-Simon Saamen geplant, auf die ich mich riesig freute, doch noch nicht mal am See angekommen musste mir Michael aus gesundheitlichen Gründen absagen. Die Zeit mit Jan-Simon und seinem Kumpel Chris war cool, mit Leuten zum ersten Mal fischen bedeutet gleichzeitig auch immer neue Ansichten und Erfahrungen sammeln. Leider fischte ich nur eine Nacht mit beiden, danach mussten sie die Heimreise antreten und ich erlebte die wohl bis dato dunkelste Stunde in meinem Anglerleben:

Abends um 22:30 Uhr hörte ich ca 10m hinter meinem Zelt ein lautes Bremsen gepaart mit einem ohrenbetäubenden Hupen. Es musste die Bahn gewesen sein, die hinter mir am Zelt stündlich lang fuhr. Verwirrt kam ich aus meinem Bivvy und sah tatsächlich eine stehende Bahn, mehr aber auch nicht. Ohne mir weiter Gedanken zu machen, verkroch ich mich wieder in den Schlafsack, um circa 10 Minuten später mitzuerleben, wie ca 40 Fahrzeuge mit Blaulicht und Sirene an und in der Nähe von meinem Zelt hielten und zur Bahn eilten. Nun kam mir der Gedanke, dass doch etwas passiert ist, doch die Realität war härter als meine Gedanken: Es war Suizid, ein Mensch hat sich vor die fahrende Bahn geworfen. Als die Beamten dann die Leichenteile sammelten und offen hinlegten, nicht weit von meinem Zelt, beschloss ich, direkt abzubauen, was sich aber als nicht so leicht herausstellte. Nach kurzer Polizeibefragung und Säuberung des Tatortes durfte ich dann abreisen und tief in der Nacht nach Hause fahren! Diese Nacht musste ich erst einmal verdauen, aber die nächste Session stand schon bevor… Und diese wurde legendär!

Eine Woche Angeln im Osten stand an, zusammen mit Kumpel Tim machten wir den See unsicher! Um es kurz zu machen: Die PB's purzelten, Fang auf Fang und Spaß ohne Ende! Ich hatte das erste Mal das neue COG-System dabei. Dieses Bleisystem ist auch meiner Meinung nach ein top Haksystem, vor allem wenn man es mit einem Longshank Haken oder den Krank Hooks verwendet. Wir hatten meist vorsichtige Einzelpieper, da die Fische großem Angeldruck ausgesetzt sind. Die perfekte Probe, ob das COG auch wirklich das umsetzt, was es verspricht. Wir konnten viele große, alte Karpfen des Bestandes fangen, die wirklich vorsichtig bissen, aber sicher hingen. Fische bis 48 Pfund, allesamt super gehakt am Blowback Rig, kamen auf die Matte! Test bestanden! Aber auch weitere Neuheiten wie die Touchdown-Schnur oder der Krank Hook überzeugten mich vollends. Insgesamt bin ich mit dem Herbst, mit Ausnahme der traurigen Situation an der Bahnstrecke, sehr zufrieden und nehme den Schwung mit ins nächste Jahr, wo neue Abenteuer und Eindrücke auf mich warten!

Momentan hat der Winter uns im Norden fest im Griff und es wird immer schwieriger, erfolgreich am Wasser zu sein. Dennoch werde ich versuchen, solange kein Eis auf dem Wasser ist, mindestens eine Nacht in der Woche zu fischen. Ich bin mir sicher, man hört von mir!
Tight Lines euch allen,
Jan Brase

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE