13.07.17

Big City Life #2 - Verzweiflung zwischen Müllcontainern - Tammo Schiller

Die Messe und Winterzeit liegt hinter mir und mein Jahresstart ist um einiges zäher, als die letzten Jahre, es will einfach nicht richtig laufen! Die Monate Januar und Februar kann ich getrost abhaken, es war in unserer Gegend einfach zu kalt und als die Zeit es hergab wieder loszuziehen, zierte eine Eisfläche die meisten unserer Gewässer und das für eine längere Zeit. Es ist Mitte Februar und für mich selber eine echte Quälerei, Teammeetings und Messen sind wie immer nicht spurlos an mir vorbeigegangen, es gab eine Menge guter „News“ und ich bin heiß wieder loszulegen. Etwas verzweifelt finde ich mich an einem See wieder, der noch zur Hälfte zugefroren und dazu viel zu tief ist. Trotzdem werden 3 Ruten mit dem Chod Rig und auffälligen Pop Ups an die mir bekannten Plätze gelegt, natürlich ohne Erfolg. Es war zwar gut wieder draußen zu sein, aber das entspricht nicht meinem Angeln! Uneffektiv Zeit zu verbringen, eigentlich mit dem Wissen, das es eh erfolglos ist, fällt mir ganz schwer. Ich muss noch etwas warten, bis das Eis mein Frühjahrsgewässer freigibt und Ende Februar ist es so weit. Ein Stadtgewässer, aufgebaut aus 2 verschiedenen Teichen, mit einem kleinen Kanal verbunden, die maximale Tiefe ist 4 Meter, das Wasser bräunlich dunkel gefärbt und zur richtigen Zeit können die Sonnenstrahlen hier eine Menge ausrichten. Ich kann mit dem Auto an einer Stelle bis an das Ufer heranfahren, parke dort im Rücken eines großen alten Gebäudes, umgeben von Müllcontainern auf einem Asphaltparkplatz. Nur ein kleiner sandiger Uferstreifen bleibt für den Aufbau der Ruten, es ist hässlich hier und meistens sitzt man im Schatten, doch hier kann ich direkt aus dem Auto heraus fischen und komme gut an die anvisierten Plätze. Mein Vorgehen, mein Plan, geistert bereits seit Wochen in meinem Hinterkopf. Zwei der drei Ruten kommen ganz ohne Futter aus, Single Hook Baits sollen es richten. Auffällig strahlende Pop Ups mit Goo verfeinert , Einer an einem kurzen Chod Rig und der Andere an einem Spinner Rig am kurzen Ausleger. Ich weiß genau, das die Fische hier im Frühjahr vorbeikommen und auf einem relativ schmalen Streifen in Ufernähe entlangziehen und genau hier werden die einzelnen Pop Ups auch angeboten. Das Chod Rig ist für mich die optimale Möglichkeiten, bei jeder Bodenbeschaffenheit die Rute auszulegen und ziehende Fische zu suchen, die kurzen Chods werden mit dem Krank Choddy vorgebunden und einfach durch eine Schlaufe in dem QC Sviwel fixiert. So kann ich Größen und Längen oder beschädigte Haken schnell tauschen. Das Spinner Rig, aktuell ja auch sehr populär, fischte ich schon erfolgreich im letzten Jahr. Anfangs nutzte ich den Haken in Verbindung mit den QC Sviwels für extrem kurze Chod Rigs und später, durch den Tipp eines Teamkollegen, wurde diese Verbindung an einen steifen Ausleger aus einem XT Snagleader geknotet. Inzwischen benutze ich das Boom Material und je nach Situation krimpe oder knote ich dieses direkt an die Sviwel. Ein tolles Vorfach und für Pop Up Präsentationen wirklich zu empfehlen. Der erwähnte schmale Streifen, die Zugroute der Fische, wo ich die Köder anbieten will, ist ein Übergang von sehr weichem Boden zu kleinen festen Kieseln. Da es passieren kann, dass das Blei in dem weichen Boden eindringt, verwende ich das Spinner Rig als Helikopter Montage. Hier kann das Vorfach auf dem Leadcoreleader vom Blei weg hochrutschen und wird so nicht mit in den weichen Boden gezogen. Die 3. Rute fische ich etwas abseits mit einem schwerelosen Wafter und ganz wenig Futter. Eine Mischung aus Hanf und Stickmix, dazu ein paar 14mm Boilies, welche in dem Hanfwasser schön weich und matschig geworden sind. Verfeinert habe ich das Ganze mit einem kleinen Schuss vom neuen Scopex Goo, welches perfekt zu den süßen Kokos/ Vanille Boilies passt. Die Ruten liegen, ich sitze zufrieden in meinem Caddy und freue mich, dass es jetzt endlich wieder losgeht. Die Saison 2017 ist gestartet!

News? Von mir nicht...

Wird es das richten?

Es kommt wie es kommen musste, zu früh war ich mir sicher, dass es ein gutes Frühjahr wird, ich hatte viel Vertrauen in mein Vorgehen, doch es kam ganz anders. 8 Nächte und ein paar Tagessitzungen habe ich bereits hinter mir und außer einem kleinen Schuppi, sonst keine Spur von den Fischen. Es läuft einfach gar nicht und die ersten Selbstzweifel plagen mich. Facebook und Whattsapp vermitteln mir, das bereits überall gefangen wird und fast täglich erscheinen richtig gute Fische auf meinem Handydisplay. Ein Trugschluss und ein Fluch der heutigen Zeit, man beginnt sich und sein Vorgehen zu hinterfragen, was grundsätzlich nicht immer falsch ist, aber zu gewissen Zeiten einfach unangebracht. Das Vertrauen in das eigene Handeln sollte nicht verloren gehen und es ist normal, dass es in einigen Regionen einfach schon früh im Jahr gut läuft, während uns hier im Norden das wechselhafte Wetter oft einen Strich durch die Rechnung macht. Wir haben zwar bereits die ersten warmen Tage mit Sonnenschein, aber die Nächte sind noch nahe am Gefrierpunkt und der kalte Wind wirkt sich auch nicht gerade positiv aus. Also, vertrauen und dran bleiben! Leichter gesagt als getan! Der März ist gelaufen und immer wieder sitze ich früh morgens verzweifelt zwischen den Müllcontainern in meinem Caddy, trinke Kaffee und starre über den Teich auf die dreckige, weiße Wand einer alten Schule. Der Blick auf das leuchtende Handydisplay, welches 4 neue Nachrichten ankündigt, lässt mich unruhig werden. Mit einem „Babooom“ betitelt grinsen mich 2 Teamkollegen hinter fetten Fischen an und auch wenn ich mich ehrlich für die Beiden freue, so zieht mich der Anblick der Fische auch runter. Was zum Teufel läuft hier falsch? Ich hinterfrage jede Kleinigkeit meines Handelns und merke nicht, das ich mich selber grundlos viel zu sehr unter Druck setze. Kein guter Start für die Saison und mich kotzt das ganze Drumherum hier gerade an. Der Lärm der Autos, welche über das Kopfsteinpflaster neben mir fahren übertönt alles und jedes Wochenende irgendwelche Leute, die den Weg hinter dem Gebäude als Abkürzung nutzen und zwangsweise an mir vorbeilaufen. Dazu mindestens 5 mal in der Nacht lautes Sirenengeheule von den Rettungswagen, welche das 1 Kilometer entfernte Krankenhaus verlassen oder erreichen. Dazu noch betrunkene Jugendliche, welche aus den Clubs der Innenstadt kommen und sich Nachts grölend ihren Weg suchen. Ruhe gibt es hier genau so wenig, wie Sonne. Nur Morgens, für eine Stunde, kommt Diese durch eine Lücke zwischen den hohen Gebäuden und während andere bereits im Pullover, sich sonnend im Wandschatten sitzen, verbringe ich die meiste Zeit noch in der Winterjacke. Mir reicht es hier erst einmal, ich muss meinen Plan überdenken, ich muss hier weg und die direkte Innenstadt hinter mir lassen! Ich habe bereits eine Idee im Hinterkopf…

Brrr - einfach noch zu kalt.

Zumindest in meine Köder vertraue ich.

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