27.07.16

Carp Gypsies 2 - auf einmal war Sommer

Auf einmal war Sommer. Und wir mittendrin, an den Ufern eines kleinen Flusses in Südfrankreich. Alex hatte immer wieder von diesem ruhig strömenden Wasser erzählt, von den magischen Felsen und den wunderschönen Karpfen berichtet. Jetzt, nach gut fünfstündiger Autofahrt vom Ökobauernhof in den französischen Voralpen, sahen wir ihn endlich. Dunkles Wasser zwischen massiven Felswänden und immer wieder kleine Schleusen und Wehre, die den schmalen Fluss in dutzende kleiner Stücke unterbrachen. Obwohl er einer der berühmtesten Gewässer fürs Karpfenangeln in Frankreich ist, sahen wir praktisch keine anderen Angler. Euphorie machte sich breit. Und mit dieser Euphorie wurden wir uns immer bewusster, dass wir tatsächlich mit einem anderen Pärchen durch die Gegend tourten, um auf Karpfen zu angeln. Wir teilten nicht nur die gleiche Leidenschaft, sondern auch eine unglaublich ähnliche Lebensphilosophie und teilten natürlich dieses Gefühl, das man bekommt, wenn man frei und ungebunden durch die Lande zieht. Geteilte Freude ist doppelte Freude! Dazu hatte sich der hartnäckige Regen des Frühjahrs endlich verabschiedet und eine konstant trockene und warme Wetterlage sorgte für echtes Gypsy Feeling.

Das Flüsschen zeigte uns dabei die ersten Tage seine tückischen Seiten. Barben, Döbel und Brassen und ein wie aus dem Nichts steigender Wasserstand und dadurch massenhaft unter Wasser treibendes Kraut. Einen Tag mussten wir fast stündlich die Ruten reindrehen, weil entweder Kraut in der Schnur oder Beifang am Haken hing. Von Karpfen fehlte praktisch jede Spur. Und bekam man doch mal einen an den Haken, hieß das noch lange nicht, dass er auch im Netz landete. Viele Felsen, Holz und scharfe Muscheln machten es uns nicht einfach. Und hatte man sich erstmal auf die Gegebenheiten eingestellt und das Material angepasst, verschwanden die Karpfen auch schon wieder. So mussten wir uns die ersten Tage mit Hänger, Abrissen und Blanks abfinden. Alex und Patricia konnten auch nur einen kleineren Karpfen von unter zehn Kilo fangen. Ein Karpfenfreak aus der Umgebung fing in derselben Zeit knapp zehn Karpfen auf unterschiedlichsten Plätzen. Ohne Erfahrungen bekam man hier nichts geschenkt. Endlich, nach dem dritten Platzwechsel innerhalb einer Woche, klingelte es dann mal richtig an einer Rute und wir fingen einen Schuppi von ungefähr 15 Kilo. Der Fisch mit deutlichen Laichspuren nahm einen Boilie mit gelbem Plastikmaiskorn am Rand eines tiefen Lochs in der Flussmitte. Leider war es das dann auch schon wieder auf diesem Platz und so brachen wir einen Tag später erneut das Lager ab und machten uns an den vierten Stellenwechsel.

Steil umragen die Felsen den Fluss

Ein alter Kämpfer, um die 15 Kilo

Portugal war mittlerweile Fußball-Europameister (wer hätte das gedacht?), es kamen immer mehr Touristen und wir fanden einfach kein ruhiges Plätzchen, an dem das Bauchgefühl stimmte. Immer wieder schlängelten wir mit dem Wohnwagen durch das schmale Tal, bis uns auf einmal, wie aus dem Nichts, klar wurde, dass wir neben Karpfen vor allem den weiten Blick und einen offenen Himmel vermissten. Zu eingeengt kam uns der kleine Fluss vor und dazu schienen wir einfach zu wenig Platz und Ruhe für uns zu haben. Der Gedanke wuchs in sehr kurzer Zeit zu einem Wunsch, Google Maps wurde geöffnet und – hopp – wir hatten Patricia & Alex noch nicht mal Bescheid gegeben, bewegte sich unser kleines Gespann weiter Richtung Süden, an einen Stausee, von dem wir irgendwann mal was gehört hatten und der landschaftlich ansprechend sein sollte.

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