10.08.16

Carp Gypsies #3 - die Zeit verfliegt

Angeln ist langweilig – was für ein Quatsch. Der letzte Blog ist kaum zwei Wochen her und ich könnte ein halbes Buch über diese Zeit schreiben. Ich komme mit dem Erleben kaum hinterher, so energiegeladen ist dieser Sommer. Ich komme mir zu langsam vor, um all diese Momente wirklich zu verinnerlichen. Immer wieder renne ich hinter dem Zug des Moments her, doch kaum habe ich ihn erreicht, so rast schon wieder der nächste, verlockende Moment an mir vorbei. Zum Beispiel habe ich kaum den Fotoapparat aus der Hand gelegt und widme mich dem Binden von Vorfächern, so huscht schon wieder ein Wolkenloch über den See und wunderbare Sonnenstrahlen legen sich wie ein Kranz um die bewaldete Insel. Ich springe wie ein Wilder zum Fotokoffer, wechsle das Objektiv und rudere los, um eine bessere Sicht zu bekommen. Doch so schnell der Strahlenkranz auch kam, so rasch ist er wieder fort und ich warte im Boot vergeblich auf eine zweite Chance. Wieder mit den Vorfächern beschäftigt und in einem interessanten Gespräch vertieft, erscheint aber schon der nächste magische Moment, den ich mit der Knipse einfangen will. Ähnlich unruhig ergeht es mir auch beim Angeln. Die möglichen Gewässer, Plätze und Spots scheinen unendlich. Dabei fällt es schwer es sich in dem einen Zug bequem zu machen, die Reise des Gewässers, des Platzes und des Spots wirklich zu nehmen, und anderen Verlockungen zu widerstehen. Doch erst wenn ich mich den Gegebenheiten voll und ganz hingebe, kann ich die Magie fühlen, die von dieser einen Rute, an diesem einen Spot ausgeht. Doch sind da ja noch drei andere Ruten, die man auch so oder so legen könnte...

Letzte Nacht fühle ich jedoch noch deutlich. Lauthals unterbrach der Delkim die kühle Stille der windstillen Nacht. Barfuß eilte ich das sandig-felsige Ufer hinunter und zerrte das Bananaboot ins Wasser während ich mit der Rute in der anderen Hand spürte, dass die Schnur um in einem Baumstumpf herumlief. Kaum war ich über dem Fisch angekommen, fühlte ich wieder direkten Kontakt. Mit harten Stößen zog er mich über die schwarze Wasserfläche. Er schwamm nicht tief, blieb aber trotzdem auf konstantem Abstand zum Boot. Über mir strahlte der dunkle Himmel voller kristallklarer Sterne und das dicke Band der Milchstraße zog sich von einem Ende des Firmaments zum anderen. Irgendwann, zwei Sternschnuppen später, zeigte mir der Fisch seine Ausmaße. Ruhig lag er auf der Oberfläche, doch bekam ich den Kescher einfach nicht dicht genug heran. Ich gab ein paar Zentimeter Schnur, um die Rutenspitze weiter nach hinten zu bekommen. Mit einem lauten Schwall zog er wieder davon. Weit kam er jedoch nicht mehr und so glitt beim zweiten, nervösen Versuch ein langgebauter Spiegler sanft in den lang ausgestreckten Kescher. Sein Rüssel fühlte sich hart und kräftig an. Der Haken saß perfekt. Ich spürte seine Schönheit. Auf seiner Flanke ruhten zarte Schuppen entlang der Seitenlinie. Ich wollte schreien vor Freude, doch umgab mich schon wieder diese Stille der kristallklaren Nacht.

Zwei Wochen zurück: Der Wechsel vom kleinen Fluss an den offen gelegenen See fühlte sich nach größerer Freiheit an. Gleich der erste Platz schien top. Der zweite eigentlich noch besser. Und zwar so gut, dass wir nach der Besichtigung des dritten Platzes nach Nummer Zwei zurückkehrten. Eine steife Brise blies genau in die kleine, verkrautete Bucht und es sah so aus, als könne man nichts falsch machen. Wir verzichteten auf das Boot und warfen die Ruten knapp vor und hinter das Kraut, in Wassertiefen zwischen zwei und fünf Meter. Dunkle Wolken zogen über den Himmel. Immer wieder ließ die Sonne Teile der Landschaft hell erleuchten, und es ergaben sich wunderbare Kontraste von Schatten und Licht über den Hügeln. Flecken von leuchtendem Türkis zogen über die Wasserfläche und drückten sauerstoffreiches Wasser genau auf unser Ufer. Was gibt es schöneres als kräftigen, auflandigen Wind im Sommer?

Die geworfenen Ruten stellten sich dabei alles andere als stümperhaft heraus und so meldete sich der Delkim in den nächsten Tagen gleich sieben Mal durch einen Karpfen. Auch die Brassen waren wirklich alles andere als hässlich. Ziemlich untypisch glänzen sie weiß-silbrig, ja, sie sahen richtig bleich aus. Dazu fingen wir zahlreiche Alande. Es gab die ganze Zeit etwas zu tun, während der Wind das Wasser immer milchiger färbte. Klar machten wir Alex & Patricia auch heiß und so dauerte es keine drei Whatsapp Fotos und ihr weißer Lastwagen machte sich vom kleinen Fluss auf zu uns. Sowohl sie als auch wir hatten unsere Gemeinschaft vermisst. Das Abenteuer war durch diese Verbindung wirklich noch viel reicher geworden. Gemeinsam suchten wir einen neuen Platz, der in den nächsten Tagen den auf Ost drehenden Wind abbekam. Und wir taten gut damit. Unser Sommer nahm so langsam richtig Fahrt auf! Große Fische, zusammen gekochte, äußerst leckere Mahlzeiten und ein kleiner Lehmstrand gleich nebenan, auf dem die Mädels Yoga ausübten und die Jungs den perfekten Ast für Klimmzüge fanden. Der Sommer von dem wir immer geträumt hatten!
Alex Kobler

Solide Komponenten

Der Sommer, den wir uns gewünscht haben

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