12.09.16

Carp Gypsies #5 - der Unfangbare

Einfach nur angeln war das schon lange nicht mehr. Das war Besessenheit. Verloren in der Idee des großen Fisches. Der aber geradezu unfangbar schien. Ein mehrere hundert Hektar großer Stausee, der jeden Tag um fünfzehn Zentimeter fiel, unglaublich wenig Karpfen enthielt und dazu herrschte ein mittelsommerliches Wetter, das überhaupt nicht nach Angeln aussah.

Der Uferstreifen wurde dabei täglich breiter. Wo vor einer Woche noch Karpfen fraßen, konnte man jetzt entlang spazieren und den sandigen Schlamm mit den Füßen spüren. Kein Springen, kein Klatschen, wie tot: Je mehr ich mich in die Idee des großen Unbekannten verrannte, desto unwahrscheinlicher schien dessen Fang. Immer mehr spürte ich den feinen Unterschied zwischen „ große Karpfen fangen zu wollen“ und „von DEM großen Karpfen zu träumen“. So etwas passiert, wenn man viel angelt. Groß ist nicht gleich groß (und sowieso relativ), der Weg ist viel wichtiger als das Ziel und ein Traumfang ja sowieso unrealistisch. Je unmöglicher, desto mehr kann der Traum ins Verrückte ausarten. Aber vielleicht eben auch in größte Euphorie, wenn der Traum wahr wird. Und dabei geht es nicht um die Notwendigkeit große Fische fangen zu wollen. Es geht um die Herausforderung und das kindliche Tagträumen, es geht um den Fisch der unter deiner Haut schwimmt.

Der unfangbare Fisch, den du ständig fühlst. Der dich fordert. Den du nicht kennst und den es vielleicht sogar gar nicht gibt. Und doch besitzt er die Macht dich in den Bann zu ziehen und dein Handeln zu bestimmen. Genauso wie das Gewässer, das es würdig ist, ihn zu behausen. Wasser, das dich lockt und dich vollkommen verschlingen kann. Nie bist du dir sicher, ob du IHN jemals zu Gesicht bekommen wirst. Real an ihm ist nämlich eigentlich fast nichts. Im Gegenteil: Weder weißt du wo er schwimmt, noch wie er aussieht. Erkennen wirst du ihn aber gleich. Er ist das Mysterium, das in dir lebt. Und dabei geht es um das Teilwerden eines großen Ganzen, sich „Eins“ zu fühlen mit dem Gewässer und es zusammen mit seinen Bewohnern kennenzulernen. Keine Waage der Welt kann diese Leidenschaft messen. Sie ist dein Lehrer und Wegweiser. Durch nichts kannst du besser verstehen, wonach es dir beim Angeln wirklich verlangt.

Magie – manchmal hast du sie, manchmal verlangst du nur nach ihr. Nur eines ist sicher: Es kann immer passieren.

Die Spannung liegt in der Luft

Es kann immer passieren...

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