28.09.16

Carp Gypsies #6 - Extremadura

Es gibt Orte, die einen nicht loslassen. Umgebungen, die einem immer wieder das Gefühl geben, angekommen zu sein. Einer dieser Orte ist für uns die Extremadura, mit ihren großen Stauseen, den Eichenhainen und ihren freundlichen Menschen. Unsere Vorfreude war deswegen auch so groß, dass wir unseren kleinen Wohnwagen immer weiter zogen, immer tiefer hinein in die Nacht. Pausen waren kaum nötig und so schlängelten wir uns durch die Dunkelheit bis wir nachts um drei Uhr endlich ankamen. Wir konnten kaum erwarten unsere Freunde wiederzutreffen. Richtig Respekt hatten wir aber vor dem Wetter. Viel hatten wir schon davon gehört, jetzt wollten wir die Sommerhitze auch selbst spüren. Und tatsächlich maß es Anfang September im Schatten noch 37 Grad. Schnell kann man bei solchen Temperaturen verstehen, dass es ganz schön anstrengend ist, wenn man über Monate non-stop mit solchen Temperaturen leben muss. Doch wie gnadenlos diese Hitze wirklich sein kann, spürten wir die nächsten Tage noch so richtig. Erst stieg das Thermometer auf satte 39 Grad, wir konnten uns dabei kaum mehr bewegen, doch dann kam es noch heftiger: 42 Grad im Schatten! Absolut jeder war am stöhnen, schwitzen und suchte quasi vergeblich nach Möglichkeiten sich abzukühlen. Die Natur wirkte dabei fast wie tot. Selbst die Ameisen kamen tagsüber nicht mehr aus ihrem Bau. An Angeln war kaum zu denken: Das Seewasser maß 31 Grad und die Hitze stand nur so zwischen den kleinen Büschen und Sträuchern. Wirklich, man hatte Mühe zu atmen. Gott sei Dank fanden Jo, der ein paar Tage nach uns aus Belgien angereist war, und ich mit seinem Boot und Außenborder trotzdem ein paar springende Karpfen. Gott sei Dank vor allem deswegen, weil es einen Dreh fürs französische Fernsehen vorzubereiten galt. Einen Dreh, für den wir den Termin nicht hatten wählen können und der an diesem Traumsee stattfinden sollte.
Die Hitze wirkte dabei wie paralysierend. Es war einfach unvorstellbar das ganze Tackle in die Boote zu beladen, ein paar Kilometer zu rudern und dann circa 50 Meter den steinigen Hang hoch zu schleppen, wo ein paar knorrige Eichen Schatten spendeten. Also fütterten wir erst einmal vor, chillten noch ein bisschen auf dem Camping (man versteht dann schnell woher die spanische „mañana“ Mentalität kommt, die so viel bedeutet wie „was du heute kannst besorgen, das geht auch noch morgen“) und gingen es ganz easy an. Drei Tage später kamen Jo, Caroline, ich und die zwei Hunde dann auf dem Platz an und es dauerte nicht lange bis wir eine wahre Carp Party feiern konnten. Wir fingen 35 Karpfen in fünf Tagen! Und das trotz einer brutalen Hitze! Neben vielen kleinen Halbstarken landete dabei auch immer wieder mal ein guter Dreißiger im Netz. Ich hatte alles erwartet nur nicht das! Wir hatten nicht mal richtig Wind oder so. Dafür aber scheinbar die Holding Area von vielen, vielen Karpfen gefunden. Wir fischten uns regelrecht satt in den fünf Tagen, entschieden uns dafür, dem Platz noch ein bisschen Futter und Ruhe vor dem Filmen zu geben und suchten lieber noch einen zweiten Bereich. Das ist der große Vorteil wenn mit Gypsies gedreht wird: Wir haben ausreichend Zeit, um alles perfekt vorzubereiten. Denn auch das Erstehen der Angel- und Bootslizenz erfordert einige Mühe. Die Entfernungen sind auch einfach riesig in der Extremadura, genauso wie die Gewässer. Da geht einfach nix zack-zack. Die Hitze war dabei richtig hartnäckig. Abends in der Bar wird dann auf der Terrasse Wasserdampf versprüht, was etwas hilft den Körper nach einem langen Tag endlich etwas abzukühlen. Doch ein Positives hatte die Hitze auch: Wir waren so entspannt, dass wir trotz des bevorstehenden Drehs keine Nervosität verspürten. Noch wenige Tage und es sollte losgehen. Mehr dazu aber im nächsten Blog, bei schlappen 30 Grad und einem knackigen Westwind...

31 Grad Wasser, 36 Grad Luft...

35 Karpfen in 5 Tagen? Irre!

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