05.02.18

Cassien - der Mythos lebt #1 - Elders & Nürenberg

Seit spätestens den 90er Jahren, für eine lange Zeit das Karpfengewässer Nr.1 in Europa. Über kaum einen See kursieren so viele Geschichten und Legenden, wie über den Lac de Saint Cassien. Auch wir waren schon zu den Zeiten als das Nachtangeln am See noch legal war gemeinsam dort. Seit dem Sommer 2013 ist dieses nun endgültig komplett verboten, und für viele von uns brach damit eine kleine Welt zusammen. Nur noch wenige Angler trauten sich zum Cassien, zu unsicher war die Gesetzeslage vor Ort, zu viele ungewisse Gerüchte wurden verbreitet. Die Angler blieben vorerst aus oder wichen auf andere Seen aus. Was aber blieb, war die unverwechselbare Atmosphäre des Sees selbst, mit seinem einzigartigen Fischbestand und dem paradiesisch türkisen Wasser. Der Cassien ist einfach der Cassien und wird es bis in alle Ewigkeit bleiben. Die Angelei hat sich jedoch stark verändert, seit die Guard de Peche mit täglichen uns konsequenten Kontrollen jegliches Nächtigen am See unterbindet, und so war uns im Vorfeld eigentlich schon klar was uns erwarten würde. 14 Tage Cassien bedeuten aktuell nämlich alles andere als gemütlichen Urlaub an der Cote d'Azur! Es ist ein hartes Stück Arbeit, bei dem die Erholung komplett auf der Stecke bleibt, wenn man nicht entsprechend vorbereitet ist. Um schnell am Fisch zu sein, reisten wir in Zweierteams an. Zwei große Transporter erleichterten unser Vorhaben enorm. Jan & Jonah mit großem Sprinter und wir in Michas Bulli. Die 4 aufgeblasenen Schlauchboote fanden Platz im Sprinter, der Rest samt Motoren und Batterien im Bulli. Nachdem wir an der Rampe mit vereinten Kräften alles entladen hatten, teilten wir uns für den Tag in zweier Teams auf. Die Jungs waren heiß wie Frittenfett. Ausschlafen, einen Tag pausieren gar ein Schwächeln wurden sowieso nicht akzeptiert. Mit unserer penibel durchdachten Logistik schafften wir es, in unter 10Minuten die Boote zu Wasser zu lassen und mühelos zu beladen. Bevor wir uns auf einen Arm festlegten oder gar einen Futterplatz aufbauen wollten, mussten wir uns einen groben Überblick über die Aktivitäten am See verschaffen! Wer überhaupt alles am See angelt, wer wann kommt, geht, und wohin fährt! Die beiden hochmotivierten Jungs verblieben dafür anfangs im Kreuz, dem Dreh und Angelpunkt des Gewässers, und beobachteten was sich im Laufe des Tages so tat. Wir wurden per Funk informiert, und gönnten uns erst einmal etwas Ruhe und verblieben im Nordarm. Ruhe, die wir dringend brauchten, da wir wie immer bis zum Abreisetage mit Arbeit überschwemmt wurden, die beiden Jungs hingegen, hatten sich vorab schon eine Woche Urlaub genommen, um ihre erste große Frankreichtour gründlich zu organisieren.

Endlich angekommen! Der Sonnenplatz, mit Sicherheit einer der schönsten Plätze des Nordarms. Die Korkeichen, oberhalb der Wasserkante boten uns Schutz vor der aufsteigenden Sonne und spendeten uns den wichtigen Schatten, den wir benötigten um ein paar Stunden Schlaf nachzuholen. Die Ruten konnten wir zuvor zielstrebig verteilen , da wir uns hier oben bereits gut auskannten. Leider ist es nicht möglich alle vier Ruten gleichzeitig zu legen und so kam es wie es kommen musste. Uns war bewusst, dass die ersten und die letzten Angelminuten vermutlich die wichtigsten waren. Doch das ausgerechnet am ersten Angeltag, nach nur fünf Minuten die Rute von Nils abfeuerte, das hatten wir so nicht erwartet. Der Fisch ging leider verloren. Da wir noch beim Auslegen der anderen Ruten waren, hatte der Fisch genug Zeit, die steilen Uferkanten zu nutzen um die Schnur fest zu setzen. Ausgerechnet an dem Spod an dem Nils vor einigen Jahren ebenfalls nach extrem kurzer Angelzeit einen Biss bekam, den er damals schon verloren hatte! Uns blieb nichts anderes übrig als den Biss als Motivator für den Angeltag zu sehen, und hakten es damit ab. Nach einer ausgiebigen Mütze Schlaf, genossen wir die Ruhe und den Ausblick auf die menschenleere Wassermasse. Denn außer einer ausgiebigen Kontrolle durch die Guard de Peche sahen wir im Verlauf des Tages keine weiteren Personen. So hatten wir es uns gewünscht. Zur Abenddämmerung hin wechselte die Wasseroberfläche ihr Gesicht. Den ganzen Tag lag dieses wunderschöne Wasser einfach nur dort. Am Abend präsentierte sie dann ihre Schätze. Die Fische begannen zu springen. Zuerst im sicheren Bereich hinter der Bojenkette, dem Barragebecken, dem großen Schongebiet, wo sich zu jeder Jahreszeit die Fische hin zurückziehen. Da wir das Spiel schon kannten, fingen wir rechtzeitig zu packen an. Um zum Sonnenuntergang, dem offiziellen „Abpfiff“ nicht in Stress zu geraten, im Falle eines Bisses. Man wird wahnsinnig, denn die Fische buckeln mit fortlaufender Zeit immer näher an den Plätzen vor der Kette. Das Einpacken fällt einem schwer, und es gleicht einem Roulette Spiel. Abzuwägen, welche Rute man als letztes im Rennen lässt, um sie dann mit dem Ende der erlaubten Angelzeit heraus zu kurbeln. Die letzten Angelminuten vergingen rasend schnell. Mit einem Abschluss-Kronenbourg saßen wir auf den Steinen als tatsächlich noch die letzte Rute von Nils zu surren anfing. Die Bremse leicht geöffnet neigte sich die Rutenspitze zur Wasseroberfläche. Routiniert stieg Nils in das Boot und der Drill begann. Leider verabschiedete sich auch dieser Fisch nach einem 10 minütigen Drill völlig unerwartet. “Shit happens“. Aber, wir hatten ja noch 13Tage Zeit“! Als Micha die Rute zum Einkurbeln in die Hand nahm, gab es einen kurzen Ruck, und die 5500er Infinity surrte fröhlich rückwärts. Auf die allerletzte Sekunde! Völlig verrückt! Überhaupt nicht zu fassen! Nach einem unspektakulärem aber intensiven Drill über tiefem Wasser kam Micha mit einem breiten Grinsen zurück ans steinige Ufer gefahren. Neugierig rief Nils ihm auf halber Stecke zu, „Und Junge, nen Guter?“ Micha erwiderte trocken und ohne jegliche Mimik, „Jupp, ne fette Zeile“. Woraufhin er sich das Lachen nicht mehr verkneifen konnte und mit einem lautstarken „Baboom“ zum Ufer zurück kam. Was für ein Start in einem Urlaub! Mit so einer Action hatten wir wirklich nicht gerechnet. 20 Kg Zeilenkarpfen zum Auftakt! Wir konnten gar nicht anders als auch am nächsten Tag noch einmal hoch zu fahren um auch endlich Nils offene Rechnung mit der Barrage zu begleichen.

Prost vom Cassien!

Immer für einen Fisch gut!

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