05.02.18

Cassien - der Mythos lebt #2 - Elders & Nürenberg

Nach einem dreifachen Fischkontakt, direkt am ersten Tag, wollten wir es Tags darauf wiederholt im hohen Norden versuchen. Zu schön ist es am Sonnenplatz, auch wenn die Fahrtzeit fast 45 Minuten dauerte. Den Ursprungsgedanken, so schnell es ging einen mächtigen Futterplatz aufzubauen, vertagten wir erst einmal. Die Ruhe, die Aussicht und die Chance auf den schnellen Fisch, waren dort oben einfach zu verlockend. Nach einer extrem kurzen Nacht, aufgrund der langen Fahrtzeit, tuckerten wir in unseren Schlauchbooten noch in der tiefschwarzen Nacht hinauf in Richtung Sonnenplatz. Im ersten Licht angekommen, war es erstaunlich wie schnell sich eine Routine aufbaut. Die paar Teile aus dem Boot geworfen, die Banksticks in die Steine gedrückt und vorgefertigte Montagen aus dem Rigsafe entnommen. Um erfolgreich am Cassien zu sein, zählt jede Sekunde. Die Kunst besteht darin, durchdacht zu handeln. Denn auch wenn man immer wieder anderes hört, können die ersten Minuten des Tages genauso effektiv sein, wie die am Abend. Vorausgesetzt man stellt es denn richtig an. Diesmal wurden die Mühen leider nicht belohnt und so verbrachten wir den Vormittag entspannt auf unseren Liegen um die Kraftreserven zu laden. Das Barragebecken ist nicht gerade bekannt für seine Massenfänge am Tage, doch die bestehende Chance darauf war, was wir wollten, und uns wurde allmählich bewusst, das es hier jedoch vermutlich darauf hinaus lief, den einen Fisch pünktlich zum Abpfiff des Tages abzukeschern. Mit Sicherheit nicht die schlechteste Option an Fische zu kommen, aber wir wollten uns damit noch nicht zufrieden geben. So erstellten wir einen finalen Plan, denn erst hier am See selbst, wurden für uns die entscheidenen Variablen bekannt. Wie viele Angler befanden sich derzeit am See, welcher Arm wurde wie häufig befischt und vor allem wo wurde ebenfalls konstant gefüttert? Mit diesen Informationen konnten wir starten. "Nur" das Futter richtig und zur entsprechender Uhrzeit zu platzieren, stellte in unseren Köpfen den Schlüssel zum Erfolg dar. Der Südarm, sollte der Arm unseres Vertrauens werden. Nur wenige Angler, welche mitten am Tag, meist in Begleitung ihrer Frauen unterwegs waren, fuhren den Südarm hinauf, was für uns einen deutlichen Vorteil bedeutete, da sie in der Regel erst deutlich später dort aufkreuzten. Vor einigen Jahren brachte Micha dort eine Stelle, auch am Tag, den vielversprechenden Erfolg. So entschieden wir uns, dort unseren Platz zu präparieren und erstmal drei Tage ruhen zu lassen. Diesen aus sicherer Entfernung zu beobachten und bei Aktivititäten der Fische direkt täglich, zu entsprechender Uhrzeit nachzufüttern. Währenddessen relaxten wir die Tage am Bivvy Point, einem Platz Anfang des Südarms oder auch mal mitten im Kreuz, wo sich die Arme treffen. Mit den selben Erfolgschancen wie im Nordarm freuten wir uns auf die Zeit, den Futterplatz endlich befischen zu können. Tagsüber verbrachten wir die Stunden mit Schlafen im Schatten, gingen schwimmen oder beobachteten das rege Treiben der zahlreichen Touristen auf dem Wasser. Die Fische buckelten jeden Abend und gaben uns das Zeichen, das sie unseren wirklich großzügig gedeckten Tisch bereits angenommen hatten. Der Tag kam und wir beangelten das erste Mal unseren Futterplatz. Im gewohnt routinierten Verhalten lagen die Ruten schnell auf dem in Wurfweite gefütterten Plätzen. Noch bevor Nils die Liege erreichte, lief der Erste ab. Was für ein Start! Der Drill gestaltete sich äußerst nervenaufreibend, denn die steil abfallende Kante gab der Schnur und vor allem dem Fisch genügend Möglichkeit sich festzusetzen. Nach dreifachem Lösen der Schnur aus dem Hindernis konnte der Fisch zum Glück problemlos über tiefem Wasser ausgedrillt werden. Die schweren Schlagschnüre lieferten einen guten Job ab, und zum Vorschein kam ein makellos goldener Schuppenkarpfen etwas unter 30Pfund. Das erhoffte Drillen im Stundentakt blieb tagsüber allerdings leider aus. Es war wie ausgestorben. In den Buchten rund um unseren Spot konnten wir selbst mit Schnorchel und Taucherflossen keine Fischaktivität ausmachen. Es schien als hatten die Karpfen mit den Jahren des Nachtangelverbots ein komplett konditioniertes Verhalten an den Tag gelegt und das Fressen mittlerweile ausschließlich auf die Nachtstunden gelegt. Das Futter wurde angenommen, soviel stand fest. Doch tagsüber blieben die Mäuler der Fische komischerweise komplett zu. Am Tage los zu ziehen, und auf einzelne Zufallsfische zu hoffen, die man Instant an den Haken bekommen könnte, dafür fehlte uns die Kraft. Zu anstrengend war jeder Handschlag bei diesen Wetterbedingungen. Das tägliche Aufmaschieren der Guard de Peche samt gründlicher Equipmentkontrolle, welche wir bei der akuten Waldbrandgefahr völlig nachvollziehen konnten, nervte trotzdem. Wir gaben uns den Umständen geschlagen und legten die Priorität erneut auf die ersten, sowie letzten Minuten des Tages. Wir kamen schnell zu recht in unserem Tagesablauf. Wir fingen konstant, allerdings ausschließlich in den Dämmerungsphasen. Die simplen Rigs, gebunden aus Kamo und Choddyhaken wurden massenweise vorbereitet. Auch kurze, kompakte PVA Sticks erstellten wir auf Vorrat. Unser System funktionierte perfekt, binnen weniger Minuten waren wir tagtäglich im Rennen und wir konnten uns voll auf die heiligen 15 Minuten am Morgen, sowie am Abend konzentrieren. Es hört sich so schrecklich an wie es tatsächlich ist, aber wir fanden uns damit ab eben nur etwa 30 Minuten am Tag erfolgreich angeln zu können! Glaubt es uns Leute, es ist eine Folter, täglich das Feld zu räumen, wenn eben erst die Glocke zum großen Fressen geleutet wurde. Mit der versinkenden Sonne fingen die Fische im Minutentakt an auf unseren Platz zu buckeln. Nur durch das strickte Einhalten eines perfekt getimten Einholplans, für den wir uns im Fünfmiuntentakt den Wecker stellten, konnten wir uns ohne Konsequenzen an die legalen Zeiten halten. stehts unter der Beobachtung der Guards, die das ganze jeden Abend konsequent kontrollierte. Kein Fisch der Welt ist den Ärger wert, dem man sich ansonsten einhandelt. Im Zeitalter der sozialen Netzwerke bekommt man ja so einiges mit und natürlich waren jegliche Infos von anderen Cassienanglern für uns goldwert. Vor, sowie nach unserem Aufenthalt dort, fuhr die Masse der Angler nach 14 Tagen mit weniger als 4 Fischen nach Hause. Diese hatten wir bereits nach den ersten Tagen im Sack, was uns unter diesen Umständen durchaus zufrieden stellte. Nach der ersten Woche waren wir so richtig eingegroovt und entspannt. Die nötige Einstellung war gegeben und wir waren bereit für die Dinge die noch kommen sollten. Nennt es „Karma“, „Spirit“ oder einfach nur " feeling“. Es muss halt einfach irgendwie stimmen um die besonderen Fische zu fangen. Dieses Gefühl kann man sich nicht einbilden, man hat es zu dem Zeitpunkt oder eben nicht. Wir waren bereits zufrieden, die ersten Karpfen waren gefangen, die Sonne bräunte unsere Körper und wir fingen an den Schmerz in Genuss zu verwandeln. Wir wussten wie wir zum Erfolg kamen und mussten es jetzt nur noch durchziehen.

Das Aufstehen in den frühen Morgenstunden fiel uns nicht leichter, doch wir blieben dran. So weckten wir die beiden Kids Jan & Jonah, die ohne uns vermutlich täglich abgrundtief verpennt hätten. Und gemeinsam verließen die totmüden Körper das Zombieactionhauptquartier, stiegen in die Transporter und fuhren über die menschenleere Straße zwischen Campingplatz und Südarm Rampe, auf der wir mittlerweile einfach nur noch funktionierten. Die ersten Worte kamen erst als wir in den beladenen Booten saßen. Dort trennten sich unsere Wege. Die beiden Kids erforschten die bekannten Cassienplätze und wir tuckerten zu unserem Futterplatz im Südarm. Wir waren geübt, perfektioniert und es ging täglich schneller. Wir hockten hinter den Ruten und während wir unsere Rutenspitzen gespannt wie kleine Kinder beim Stippen beobachteten, rechneten wir jede Sekunde mit dem Totaleinschlag. Und tatsächlich, es war wie ein Happy End in einer der Primetime-Romanzen. Der Magic-Morning, zuerst bei Nils, dann keine fünf Minuten später bei Micha. Zum Glück stiegen wir an diesem Morgen
nicht gemeinsam zum Drillen in die Schlauchboote. Denn noch während Nils einen mächtigen Schuppenkarpfen drillte, krümmte sich auch die Daiwa Longbow von Micha. So saßen wir beide im Boot und drillten unseren Endgegner, wir waren mehr als auf Wolke7 und dank der inneren Einstellung gelang uns der Supercoup. Zwei unfassbare Fische im Kescher – das ist Cassien!

Im Dunkeln begannen sie zu springen...

Simpel, aber dieses Rig kann alles was nötig ist.

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE