12.02.18

Cassien - der Mythos lebt #3 - Elders & Nürenberg

Müde, erschöpft, verbraucht, abgekämpft aber auch überglücklich, zufrieden und reich beschenkt sind Adjektive die unseren Zustand beschreiben konnten. Nach diesem unfassbaren Moment des Doppeldrills im Südarm genossen wir den Tag. Wir ruhten im Schatten, gingen schwimmen und fühlten uns frei und unbeschwert. Natürlich hätten wir uns gewünscht das unsere Futtertaktik in eine wahre Fangorgie ausbrechen würde, doch bei der Wetterlage mit 39C° im Schatten und wenigem Wind waren die Bedingungen nicht gerade viel versprechend. Mit dem Wissen, was andere Angler vor, oder auch während unserer Anwesenheit am See fingen waren wir im höchsten Maß zufrieden. Am Abend trafen wir uns zum gemütlichen Sit-in auf unserer Campingparzelle. Die beiden Sprösslinge Jan und Jonah, der freundliche Luxemburger Xavier von der Nachbarparzelle und Wir, saßen zusammen. Zum ersten Mal des Trips hatten wir es nicht eilig ins Bett zu kommen. Gemeinsames Kochen, sich austauschen und eine schöne Zeit zu haben war uns an diesem Abend einfach wichtiger.
Wie das so ist, wenn fünf Zombiekörper mit verbrauchter Hirnfunktion auf einem Haufen hängen, kommen die wildesten Fantasien auf den Tisch. Doch eines hatten all diese Ideen gemeinsam. Eigentlich wünschte sich jeder für den perfekten Abschluss der Tour etwas mehr Ruhe und etwas mehr der von genau dieser Sozialkomponente, die bei dem Ursprungsgedanken des Angelns einfach fest verwurzelt ist. Um es kurz zu machen, wir wollten weg! Wir wollten gemeinsam angeln und vor allem aber auch die Nächte am Wasser verbringen, denn immerhin bleiben uns noch vier volle Tage. Nach einem guten Essen und der ein oder anderen Flasche Kronenbourg legten wir uns in die Zelte. Diesmal ohne diese fürchterliche Weckfunktion des Smartphone. Wir schliefen aus und packten in aller Seelenruhe unsere Sachen, beluden die Transporter, zahlten die Campingparzelle und machten uns nach einer leckeren Pizza im Restaurant le Lac auf in Richtung Nordfrankreich. Doch dort sollten wir erst einmal nicht ankommen!

Denn während der Fahrt kam uns eine völlig verrückte aber doch geniale Idee. Denn genau auf diesem Weg in Richtung Norden lag dieser eine See. Ein See dem wir schon längst mal einen Besuch abstatten wollten. So fuhren wir auf den nächsten Rastplatz zur kurzen Lagebesprechung. Die Idee fand schnell Anklang, denn anstatt die Nacht auf der Autobahn zu verbringen konnten wir so den Abend noch jeder zumindest die Ruten ins Wasser werfen und die erste Nacht gemeinsam am See verbringen. Mit minimalster Ausstattung nahmen wir ausschließlich unsere Ruten sowie das Bedchair aus den völlig chaotisch gepackten Transportern. Ohne jegliche Ansprüche an die Nacht angelt es sich doch am besten und so kam es das Xavier in der ersten Nacht einen Fisch mit knapp 20Kg fangen konnte. Völlig geflasht von diesem Ergebnis beschlossen wir eine weitere Nacht in unserem Economy Camp zu verbleiben. Diesmal waren die Ansprüche jedoch höher und wir tauchten die simplen Snowmanrigs bestehend aus Kamo und Choddyhaken heraus um eine perfekte Präsentation der Köder zu gewährleisten.
Es kam, wie es kommen musste. Aus der verrückten Idee nur einen kurzen Zwischenstopp zu machen, hielt uns der See fest in seinem Bann. Wir hausten ohne jeglichen Luxus wie die Gamsböcke mit unseren Bedchairs zwischen den Felsblöcken. Kein Zelt, kein Schirm, keine Tackleparade. Dennoch blieb der Erfolg nicht aus, denn bereits am zweiten Morgen kam ein weiterer Topfisch zum Vorschein. Dieses Mal war Nils der glückliche Fänger. Es war verrückt, absolut verrückt! Ohne Erwartungen, ohne Druck und im vollen Einklang mit uns selbst erlebten wir einen Trip den wir uns hätten nicht besser wünschen können. In voller Euphorie tönte Nils „Wenn in der nächsten Nacht noch ein Fisch bei mir fällt und dieser auch noch die magische 25kg Grenze durchbrechen sollte, Jungs, dann rasiere ich mir den Kopf!“ Der Rest der Bande schmunzelte nur und eigentlich rechnete niemand damit, dass solch ein Erfolg sich einstellen sollte. Kurz vor Mitternacht ertönte der Delkim von Nils im ruhigen Dauerton, binnen Sekunden stand Nils mit krummer Rute auf dem Stein und Micha knietief im Wasser mit dem Kescher im Anschlag. Mit zitternder Stimme nuschelte Nils nur noch etwas von „Fuck, das ist ein guter“. Als der Fisch das erste Mal die Wasseroberfläche durchbrach und seine mächtige Flanke präsentierte hätte er vermutliche am liebsten die Hauptschnur durchtrennt. Zu groß war die Angst seine Haare hergeben zu müssen. Erst nach den Keschern machten wir die Stirnlampen an und sahen nur noch einen massiven Rücken im seichten Uferwasser, in Euphorie erstarrt hätten wir beide schwören können das dieser Fisch die magische Grenze um mindestens drei Kilo überschritt. Die Waage sollte das finale Resultat anzeigen, 24kg und ein paar wenige hundert Gramm fehlten dem Fisch zum Fünfziger. Wir sahen noch niemals einen Angler der sich so gefreut hatte, dass der Zeiger der Waage kurz vor 25kg stehen blieb. Trotzdem ein Südfranzösischer Spiegelkarpfen wie er im Buche steht, Stiernacken, dicker Bauch und ein massiver Rücken machten diesen Fisch zu dem absoluten Highlight dieser Tour. Nochmal, es sollte nur ein kurzer Zwischenstopp an diesem See werden. Doch in jeder folgenden Nacht fiel ein noch besserer Fisch. Wir konnten uns nicht lösen, wir hatten alles was wir wollten. Fische, eine unfassbare Kulisse, gemeinsames Nächtigen am See und eine unbeschreibliche schöne Zeit. Es war der perfekte Sommertrip! Nach der letzten Nacht am See saßen wir wohl schon alle gedanklich im Auto, als Michas Rolle sich ein letztes Mal in Bewegung setzte. Ein kleiner niedlicher Spiegler ausgestattet mit hohem Rücken wie seine großen Brüder sollte der letzte Fisch der Tour werden. 14 Tage Urlaub gingen dem Ende zu, eine harte aber wundervolle Zeit am schönsten Gewässer Südfrankreich genossen wir in vollen Zügen. Trotz der Anstrengung und dem Kampf mit unseren schwindenden Kräften zeigte sich der Cassien gütig. Am Höhepunkt des Erfolgs verließen wir den See ohne zu wissen was uns erwarten würde und wir wurden belohnt! Wir folgten unseren Instinkten und wurden beschenkt.

Michael Nürenberg & Nils Elders

Klein, aber willkommen.

Hängematten-Point.

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