14.03.16

Cassien die Erste - Nils Thönnes

Seit fast 15 Jahren angele ich nun schon mehr oder weniger gezielt auf Karpfen. Angefangen wie jeder andere vermutlich auch, mit normalen Grundruten, kratzig piependen Bissanzeigern und Kletteraffen. Inzwischen hat sich das alles modernisiert und das Angeln ist ein Teil meines Lebens geworden. Irgendwann habe ich mir vorgenommen, vor ungefähr acht Jahren, zu Beginn meines achtzehnten Lebensjahres, an den Cassien zu fahren. Damals sah ich die DVD der Carpkillers „Sweetwater“ und war hin und weg. Seitdem stand auf meiner To-Do-Liste, dass ich diesen See irgendwann mal besuchen werde! Durch das Nachtangelverbot in 2013 ist dieser Plan ganz weit nach hinten gerückt. Zu umständlich und uneffektiv erschien es mir, dort nur Tagessessions abzuhalten. Nachdem ich aber letzten Herbst die erste deutsche Korda Masterclass sah, wurde ich ganz klar eines besseren belehrt! Ich bedachte meinen Plan zusammen mit Jonas, der auch schon letzten Oktober am Cassien war und auch Fisch fing. Es war nicht schwer, ihn zu überreden. Also stand der Plan, Ende Februar gen Süden zu fahren! Bei der Ankunft fielen schon all unsere zuvor geschmiedeten Pläne wortwörtlich ins Wasser. Es regnete den ersten Tag komplett durch, dementsprechend war auch unsere Laune. Der zweite Tag fing genauso an, wurde aber zum Mittag hin etwas besser. Wir einigten uns zuerst auf den Westarm und ließen uns auf „Kevin Ellis“ nieder, die letzte Stelle vor dem Schongebiet! Wir fischten instant auf verschiedenen Tiefen, in der Hoffnung irgendwo einen Fisch fangen zu können. Leider erfolglos… Nachdem wir einpackten fütterten wir einen Mix aus Tigernüssen und Boilies, um am darauf folgenden Tag auf gefütterten Plätzen zu angeln. Am nächsten Tag lief das ganze Programm um unser Tackle schon etwas routinierter ab, sodass wir die Ruten noch vor Sonnenaufgang auf den gefütterten Plätzen hatten. Gegen halb acht war es dann eine meiner Ruten, die einen Fallbiss brachte. Als ich den Anhieb setzte, konnte ich den Fisch deutlich spüren. Sofort sprangen wir beide ins Boot und fuhren über den Fisch, um ihn sicher zu landen. Als wir dort ankamen, hing der Fisch am Grund fest und nichts ging mehr! Ces‘t la vie, der erste Cassienfisch war also dahin. Nach der Aktion war für den Rest des Tages Ruhe. Um unsere knappe Zeit von einer Woche nicht nur auf „Kevin Ellis“ festzuhängen, entschlossen wir uns dazu, die Ausläufer der ersten Nordarmspitze zu füttern. Unser Futter verteilten wir sehr großflächig von vier bis rund zehn Metern Tiefe.

Tag vier sollte endlich besser werden, vom aufstehen um 04:30 Uhr bis zur Fahrt zum Angelplatz inkl. Boot beladen verging nur eine knappe Stunde, Rekordzeit!!! Selbst das Wetter spielte uns voll in die Karten, es war keine Einzige Wolke am Himmel. Auch an dem Tag lagen unsere Montagen wirklich zeitig im Wasser. Gerade als ich Fotos des Sonnenaufgangs machte, sah ich durch meine Kamera wie eine meiner Rutenspitzen sich heftig bewegte und die Schnur von der Rolle gerissen worden ist. Leider vergaß ich in der Hektik den Auslöser zu drücken und legte die Kamera ohne Foto beiseite. Kurz darauf saß ich mit Jonas im Boot und wir drillten im Nebel vor der großen Cassien Brücke den ersehnten „zweiten ersten“ Fisch! Bis der Fisch das erste Mal die Oberfläche durchbrach, vergingen sicher 20 Minuten. Jonas warnte mich schon vorab, dass die Fische im Cassien sehr, sehr viel Ausdauer haben. Als er den Fisch dann zu Gesicht bekam wurde es hektisch, er war größer als erwartet und laut Jonas auch ganz sicher schwerer als 20 Kilo. Vorsichtig drillen war also angesagt, ich war sau nervös! Nach weiteren endlosen zehn Minuten konnte Jonas den Fisch keschern, während beide einen lauten Jubelschrei von uns gaben. Der Fisch war nicht nur riesig sondern auch wunderschön! Der erste Fisch war direkt einer der Großen, ich war überglücklich. Zurück an Land beim Wiegen zeigte die Waage 23,6 Kilo an, wirklich unfassbar! Die Stimmung, der Moment, wir konnten im schönsten Sonnenlicht Erinnerungsfotos machen, alles war perfekt! Die morgendliche Euphorie legte sich am Nachmittag allerdings wieder, weil der Biss die einzige Aktion des Tages blieb. Gegen Abend fütterten wir außer der Ausläufer der ersten Nordarmspitze noch die Ausläufer der zweiten Nordarmspitze, damit wir mehr Wasserfläche befischen konnten.

Tag fünf begann ähnlich wie der Tag zuvor, einer toller Morgen, mit sternenklarem Himmel. Es klappte wieder alles reibungslos. Trotz der unmenschlichen Zeiten zu der wir aufstanden, waren wir fit und voll bei der Sache. Inzwischen waren eingespielt und wirklich verdammt flott am Angelplatz, nur heute jeder für sich. Jonas auf der zweiten Spitze und ich auf der Ersten! Die Ruten lagen wieder alle eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang auf den gefütterten Plätzen. Nach tollem Sonnenaufgang wartete ich wie am Tag zuvor auf einen Anbiss zum Morgen, allerdings wartete ich vergeblich. Bis zum späten Mittag wirkte der See wie ausgestorben. Ich telefonierte mit Jonas und erkundigte mich nach seinem weiteren Plan. Zusammen entschlossen wir zu moven und uns auf „Bivvy Point“ zu setzen. Die Stelle befindet sich am Anfang des Südarms und war nicht allzu weit weg. Als wir dort ankamen ging wieder alles recht flott. Nachdem alles auf den ausgewählten Plätzen lag, kam etwas Wind auf. Diese sanfte Brise wurde innerhalb zwei Stunden zum heftigen Wind, der sich als Mistral entpuppte, womit wir überhaupt nicht rechneten. Wir hielten es für besser einzupacken um heil und mit vollständigem Tackle an der Slipstelle auf der anderen Seite der Brücke, im Kreuz anzukommen. Gesagt getan, nur bei halber Strecke musste ich wirklich hoffen, dass mein „34 lbs Motor“ es packt gegen die Wellen anzukommen. Jonas hingegen kam ohne Probleme gegen die Wellen an und rief mir beim Überholen zu, ich solle versuchen, bis zur ersten Rampe an der Brücke zu kommen. Ich kam parallel mit einem einheimischen Franzosen dort an, auch er war froh es geschafft zu haben!

Herrliche Stimmung im Nordarm.

Was für ein Tier!

Tag sechs begann wieder im Westarm, auf Grund des noch immer herrschenden Wind, der im Laufe des Tages wieder zum Sturm werden soll, blieben wir an der Bootsrampe gegenüber gelegen von „Kevin Ellis“ und fischten von dort aus im flachen, aufgewühlten Wasser, weil „Kevin Ellis“ besetzt war, dort angelten Franzosen die Nacht durch. Den ganzen Morgen ging nichts und am Mittag kam der Sturm zurück, eigentlich ideale Bedingung nur kam heute die Müdigkeit der letzten Tage durch! Wir waren platt und mussten einen Tag einen Gang zurückschalten und entschieden uns dazu das Angeln einzustellen um den restlichen Tag einfach nichts zu tun, damit wir Kraft für unseren letzten Tag sammeln können.

Tag sieben fing ohne Wind an und es sollte auch kein Wind mehr aufziehen! Weil wir beide nicht mehr wirklich den Antrieb hatten und das Kräfte sammeln leider nicht so erfolgreich war wie gewünscht, entschieden wir uns am letzten Tag dazu das Brückplateau zu befischen. Auch dort konnten wir mehr oder weniger aus dem Auto angeln, wir brauchten nur ein Boot um die Ruten präzise abzulegen. Wir verteilten auf dem Stück vom ersten Brückenpfeiler bis ins Kreuz lediglich sechs statt acht Ruten, das genügte. Um es kurz zu machen, es ging auch an dem Tag nichts mehr, wir genossen trotzdem die Sonne Südfrankreichs! Bedauerlicherweise versaute uns einer der wirklich netten Österreicher, die wir zuvor kennen lernen konnten, irgendwie die Stimmung. Er schleppte eine seiner Ruten von der ersten Nordarmspitze aus direkt vor das bekannte Brückenplateau, welches Jonas bereits befischte. Auch die Zurufe von Jonas interessierten ihn nicht sonderlich. Ob es die Fischgeilheit war, weil er bis zum Vorabend immer noch nichts fangen konnte oder einfach nur Ignoranz, wissen wir nicht. Unverschämt und frech ist es trotzdem, es bringt keinem was sondern bereitet nur Unmut. Zumal der See wirklich groß genug ist und man eigentlich überall genügend Spots hat, die man anfischen kann.

Das war „Cassien 2016“, eine Erfahrung die ich für mich auf jeden Fall machen wollte. Ich habe das Drumherum aber unterschätzt, jeden Morgen zu unmenschlichen Zeiten aufzustehen schlaucht einen ungemein. Wer allerdings gut damit klar kommt, sollte einen Trip wagen. Es ist landschaftlich und klimatisch definitiv eine Reise wert. Und wer weiß, vielleicht fahre ich auch noch mal…

Die berühmte Brücke im Kreuz.

Der LSX am Blowback Rig hat sich wieder bewährt.

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