10.06.16

Das Festmahl - Etienne Gebel

Selbst die letzten Fluchten des rauen Baggersee-Rüppels sind ruhig aber gewichtig. Seit geschätzten 15 Minuten stehe ich in meiner Wathose mit stark gekrümmter Rute im klaren Wasser und kämpfe. Vor mir befindet sich eine dichte Krautbank, dort habe ich schon mal einen Fisch verloren. Ich bin sehr nervös und weiß, dass es kein kleiner Karpfen ist… Seit gestern bin ich hier. Direkt nach der Arbeit habe ich im Eiltempo meine Ruten ins Wasser befördert. In genau 102 Metern fische ich auf einer abfallenden Kante im etwa 7 Meter tiefen Wasser. 34 Wicklungen an meinen Messtangen, die 3 Meter auseinander stehen und zack die Schnur in den Clip. Perfekt und immer genau. Die Woche über habe ich 2 Mal kräftig mit 24 mm Pacific Tuna Boilies vorgefüttert. Sollen diese mal zeigen was sie können. In diesem See gibt eine Menge Brassen in Einheitsgröße und so ziehe ich momentan vorsorglich extra harte und große Hakenköder aufs Haar. Falls zu viele Brassen am Platz sind und mein üppiges Vorfüttern seine Wirkung verfehlt hat. So zumindest die Theorie. Das natürliche Nahrungsangebot ist momentan gewaltig. Kaulquappen, Laich, Schnecken, ein reich gedeckter Tisch. Ein echtes Festmahl für alle Wasserbewohner. Dennoch versuche ich mit meinem Futter zu konkurrieren, denn große Fische brauchen auch Nahrung und das Festmahl gibt es dieses mal bei mir! Direkt der erste Kescherveruch misslingt. Ich sehe einen langen dunklen Spiegler, den ich auf über 40 Pfund schätze. Hoffentlich hält der Haken. Meine Nervösitiät ist auf dem Höhepunkt. Genau solche Situationen sind es, wo ich Angst habe das wieder in der Endphase der Fisch vor dem Kescher ausschlitzt. Ich versuche mich zu konzentrieren, aber es fällt mir schwer. Ich bekomme sehr schlecht Luft. Meine ganze Fresse brennt und juckt. Meine Heuschnupfen-Allergie, die mich seit über 20 Jahren beim Angeln begleitet, macht mich momentan wahnsinnig. Unwohlsein, Halskratzen, Nase laufen, geschwollene Augen und ständiges Niesen. Das volle Programm, es sei mir gegönnt! Luftblasen steigen vor mir an die Wasseroberfläche empor. Gleich bist Du mein - Freundchen. Kurze Zeit später landet der Fisch im Netz. Ich bin der glücklichste Mensch. Scheiß auf den Heuschnupfen! Die Reuben&Heaton Waage bringt mir Gewissheit. Mein zuerst geschätztes Gewicht des Karpfens passt. Kurze Zeit später läuft eine der anderen Rute ab. Diesen Fisch bekomme ich auf der weiten Entfernung recht schnell an die Wasseroberfläche. Meistens sind das die kleineren Exemplare. Ich sollte Recht behalten, aber meine Freude über einen Mittzwanziger ist trotzdem riesengroß! Ich hatte bislang ein sehr schlechtes Jahr und bin dankbar über jeden gefangenen Fisch. Dennoch, da sitzt man seit gestern ohne einen Anbiss und dann kommen 2 Stück in einer halben Stunde kurz vorm Einpacken. Hätte ich früher angefangen, wäre ich leer ausgegangen. Hätte die Schuld beim Futter, Wetter oder auch beim natürlichen Nahrungsangebot gesucht. Naja, das ist eben auch Karpfenangeln und relativ typisch für größere Baggerlöcher! Zufrieden fange ich an alles zusammenzupacken. 2 Anbisse habe ich gehabt und beide Fische habe ich gelandet. Doch nun steht erst einmal Familienurlaub an. Und ich brauche mal kurz Abstand vom Angeln und von diesem verdammten grünen Dreckszeug, gegen das mein Körper so enorm allergisch reagiert. Doch ich habe Pläne wenn ich wieder komme und werde mal wieder einem größeren alten Baggerloch in der Nähe des Rheins einen Besuch abstatten. Da habe ich noch eine offene Rechnung zu begleichen...

Mein IQ2-Rig mit Kicker brachte die Fische

Hammerfisch mit über einem Meter Länge!

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