23.12.15

Der Biss der Woche - Etienne Gebel

Samstags etwa 7.15 Uhr. Es ist fast Weihnachten – Ich mache den nagelnden Dieselmotor meines Kombis aus. Das Thermometer zeigt 2°C an. Voller Tatendrang öffne ich den Kofferraum und entlade die nur wenigen Ausrüstungsgegenstände. Rucksack, Futteral und einen Stuhl. Die Abhakmatte liegt versteckt im Wald. Das stinkende alte Ding nehme ich zurzeit noch nicht mit nach Hause. Erst wenn ich meine Zwangswinterpause einläute. Knirsch, Knirsch, Knirsch – Ich laufe den schmalen Feldweg über die noch verbleibende Grasnarbe. Es hat gefroren. Dieses knirschende Geräusch bringe ich oft mit schlechten Fangergebnissen in Verbindung. Der Himmel ist sternenklar, der Wind weht kräftig. Zweifel kommen auf, ob es diese Woche mit den Karpfen klappt. Letztes Wochenende bin ich leider leer ausgegangen. Ich finde das jeder Blank wie ein Schlag ins Gesicht ist. Vor allem ist der Aufwand überhaupt noch gerechtfertigt? Zweimal die Woche nehme ich die Autofahrt zum Füttern in Kauf nehmen. Dazu dann einmal am Wochenende. Und das nur um etwa 6 Stunden zum Fischen die Zeit zu nutzen! Gerne würde ich die Schlagzahl erhöhen und noch einmal oder sogar zweimal mehr in der Woche fischen zu gehen. Leider lässt das mein Vollzeitjob und das Familienleben nicht zu. Also muss es mal eben in einer Tagessitzung von etwa 6 Stunden pro Woche klappen. Ein Himmelfahrtskommando ist das! Meine beiden Ruten sind schnell fertig bestückt, die eine wird mit einem pinken Pop up als Snowman versehen. Die andere bleibt unauffällig mit einem einzelnen Bodenköder. Klatsch - die Montagen landen exakt auf den Platz. Ich füttere nur 6 Boilies pro Rute dazu. Ich will es nicht übertreiben und hoffe das die Futtermenge von 2x 400 Gramm Boilies, die ich insgesamt in der Woche eingebracht habe weg ist. Etwa kurz nach 10.00 Uhr – BAAAM - ich bekomme einen kräftigen Schlag in der rechten Rute. Ich nehme sofort Kontakt auf und spüre einen kräftigen Karpfen. Ich versuche ruhig zu bleiben bin extrem nervös und will den Fisch unbedingt haben. Er bleibt dagegen ruhig und zieht seine Bannen im etwa 8 Meter tiefen Wasser. Die Schnur heult im Wind. Ein paar Minuten später ist das heulende Geräusch plötzlich vorbei. Die Schnur ist schlaff, der Fisch ist scheinbar ausgeschlitzt. Ich kurbele die Montage rein, werfe die Rute beiseite und setze mich vor Wut in den Stuhl. Das war soeben der Biss der Woche! Egal, wie gut das Rig ist, egal wie scharf der Haken ist und egal wie gut der Köder ist. Fische zu verlieren gehört leider dazu. Ich bin trotzdem frustriert und jetzt seit 2 Wochen ohne Fisch. Das tut mir weh. Jetzt heißt es einpacken, wieder eine komplette Woche durcharbeiten und warten, bis ich wieder Zeit habe für ein paar Stunden zu angeln. Ob ich überhaupt weiter machen werde? Wir werden sehen, ich höre spätestens auf wenn hoffentlich die Gewässer zufrieren. Dann hat die „liebe Seele Ruhe“, dann ist meine Zwangswinterpause gekommen...

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