03.06.19

Der Dickfischplan - Daniel Brünkmans

Nun war schon wieder ein Jahr – für mich auf allen Ebenen ein sehr ereignisreiches – rum, seit meine beiden Freunde Johannes und Jonas mit mir zu unserem gemeinsamen jährlichen Angelurlaub nach Frankreich aufgebrochen waren. „Wie schnell die Zeit doch rückwirkend betrachtet an einem vorbeifliegt“, dachte ich so vor mich hin und musste dabei schmunzeln, saßen wir doch gerade wieder im Auto und fraßen Kilometer. Das sind dann die Momente, wo genau das Gegenteil der Fall zu sein scheint und die paar Stündchen, die noch vor einem liegen, sich endlos zu ziehen scheinen. Aber irgendwann erreichten wir dann doch das Ziel unserer diesjährigen Urlaubsreise, den Etang de Gaulois, gelegen in der wunderschönen Burgund Region Frankreichs. Sogleich wurden wir von den netten Bertreibern der Anlage Lulu und Christoph auf das Herzlichste begrüßt. Man kennt sich schließlich schon und ist sich sympathisch.
Nach Klärung der Formalitäten ging es dann auch sogleich ans Werk. Da wir das Gewässer schon kannten, war der Plan um an die ganz dicken Bewohner des Sees zu gelangen oder zumindest um – so malten wir es uns jedenfalls aus – unsere Chancen auf einen ausgebufften Großkarpfen zu erhöhen, dieses Mal etwas anders zu agieren, als es sonst der Fall war. Denn wie überall sind die größten Fische an der Spitze der Pyramide dünn gesät. Zeitgleich sollte der Spaßfaktor und die Anzahl an Bissen bzw. idealerweise in gleicher Anzahl gefangene Fische aber am Ende auch nicht zu kurz kommen.

Da uns die aktuell vorherrschenden Rahmenbedingungen sehr gut erschienen und auch unserem Vorhaben voll in die Karten zu spielen schienen, wurde sogleich auch das geplante theoretische in die Tat umgesetzt. Und was war jetzt der Masterplan? Eigentlich ein denkbar einfacher. Der Plan bestand darin, an den bereits aus dem vergangenen Trip bewährten Plätzen festzuhalten, erst gar nicht viel mit der Markerrute rumzuwerfen und bei Ankunft am Platz so wenig Unruhe wie nur eben möglich zu erzeugen. Die einzige Ausnahme sollte darin bestehen, durch für die Fische wohl bekannte Geräusche, welche beim Anfüttern entstehen und unter Wasser hoffentlich auf Zustimmung und Interesse stoßen werden, bewusst für, ich nenne sie mal „positive-Unruhe“, nicht zu knapp zu sorgen. In Zahlen: wir fütterten jeder 10 kg Boilies auf unserem jeweiligen Platz, quasi als Initialzündung und wir gaben den Fischen anschließend 24 Stunden Zeit, sich an jenen 30 kg ganz in Ruhe und genüsslich zu laben, ohne mit irgendetwas Bedrohlichem wie Schnüren oder Rigs in Berührung zu kommen. Sprich die ersten 24 Stunden wurde nicht geangelt, um damit zu suggerieren, dass keine Angler auf der Stelle sind. Bereits zuhause mit Mineralwasser vorgewässerte Boilies sollten den Eindruck des sicheren „Restepickens“ auf einem aktuell nicht befischten Spot noch weiter verstärken und so das Vertrauen der Fische erhöhen. Ihr werdet mir sicher glauben, dass es alles andere als einfach war, quasi nur insgesamt sieben Tage und Nächte zur Verfügung zu haben und einen Tag und eine Nacht davon (sagen wir mal zumindest nicht aktiv) zu angeln. Am Ende wurden wir dafür aber mehr als belohnt. Gleich zu Anfang der dann folgenden aktiven Angelei gingen uns - neben einigen anderen schönen Fischen - gleich zwei Top Fische aus dem A-Team an den Haken und wir konnten damit gleich zwei Mal einen persönlichen neuen Rekord verbuchen. Das kann natürlich auch alles Zufall sein, aber lieber ist mir natürlich der Gedanke, dass es eben kein Zufall war, sondern…
Dies wurde dadurch noch weiter untermauert, dass wir danach mit dem fortan herrschenden Angeldruck auch auf unseren Spots auch keinen der ganz Großen mehr an den Haken bekamen. Dafür aber - bis zu einem krassen Wetterumschwung mit allem was dazu gehört - noch sehr viele Fische fangen konnten. Am Ende der Woche hatten wir dann alles in allem weit über 100 Bisse und gut über 100 gefangene Karpfen im Fangbuch zu verbuchen, wovon Jonas alleine schon fast die Hälfte gefangen hatte. Das sollte an der Stelle auch mal ehrfürchtig erwähnt sein. Chapeau mein Freund, gut geangelt.
So konnte uns auch der Dauerregen beim Einpacken nur wenig unseres Dauergrinsens von den Gesichtern nehmen. War am Ende doch alles eingetreten, was wir uns vorab erhofft hatten: eine tolle gemeinsame Zeit in der viel gelacht wurde und in der wir neben riesigen Fischen auch noch jede Menge Aktionen und Drillfreude hatten.

Ich möchte an der Stelle noch den klaren Hinweis bringen, dass solch eine Menge an Futter (wie die beschriebene „Initialzündung“) bitte nur dort und nur dann anzuwenden ist, wo es auch entsprechend Verwertung finden kann und die äußeren Bedingungen perfekt passen. In allen anderen Fällen ist es weder dem eigenen Fangaussichten zuträglich, noch dem Ökosystem des Gewässers und es schadet deutlich mehr als es nutzt.
Im Zweifel ist weniger immer mehr und wir setzen solche Mengen an Futter entsprechend diesem
Leitsatz nur dort und auch nur dann ein, wo wir keinen noch so kleinen Zweifel haben.

Cheers & T.L.
Brünke

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