30.11.16

Der Plan B - Felix Hetzmannseder

Wir sind angekommen, angekommen im Frühwinter, die ersten Schneeflocken zierten bereits mein Zelt und die Nachttemperaturen sinken mittlerweile immer öfter unter den Gefrierpunkt. Ein klares Zeichen, dass wir dem Saisonende in großen Schritten näher kommen. Das ging auch an mir nicht spurlos vorbei und so verbrachte ich konsequent jede freie Nacht in meinem Bus am Waldsee in der Hoffnung, eine letzte Chance für das Jahr 2016 zu bekommen... und blankte erneut wieder einige langwierige, dunkle Nächte vor mich hin, es war echt zum Haare raufen. Es muss wohl irgendwann am sechsten oder siebten Morgen gewesen sein, als ich wieder einmal meine Ruten ohne nennenswerte Aktion erfolglos herausdrehte und ins Grübeln kam. Es musste definitiv ein Plan B her und der nahm auch Formen an. Das Letzte, was ich bis Jahresende gebrauchen konnte, war ein Blank nach dem Anderen. Ein Parallelgewässer fiel mir ins Auge, doch wer das schon einmal kostant gemacht hat, weiß was das heißt. Dabei wird der volle Einsatz gefordert, Location machen, füttern gehen, angeln und vor allem Schlafmangel. Aber was heißt das auch? Richtig, doppelte Chancen! ☺

Die Idee war also geboren und ich wollte Taten folgen lassen, lotete einen erfolgversprechenden Spot am neuen Gewässer aus und fütterte diesen mehrere Male großzügig vor. Voller Enthusiasmus steuerte ich meinen Trolley an diesem Freitagabend also in Richtung neuer Hoffnung. Die Bilanz nach der ersten Nacht konnte sich durchaus sehen lassen. Beinahe die ganze Nacht schlug ich mir mit nachfüttern, drillen und Fische versorgen um die Ohren. Bei einer heißen Tasse Kaffee im ersten Morgenlicht endete das Spektakel zwar, aber satte 8 Anbisse in den vergangen, frostigen Stunden waren eine willkommene Abwechslung zur harten Fischerei am dünn besetzten Waldsee. Neben einigen Fischen der 20-Pfund-Klasse war auch ein ordentlicher Dreißiger dabei, den wir frühmorgens, im besten Licht fotografieren konnten. Die unnötige, selbstauferlegte Last fiel in Windeseile von meinen Schultern. Ein versöhnlicher Abschlussfisch, wenn man so sagen möchte. Die Coolness war direkt wieder zurück und die nächtlichen Füttertouren gingen auf einmal wieder viel lockerer von der Hand. Meine Glückssträhne sollte nicht allzu schnell abreißen. In der ersten, wieder verfügbaren Angelnacht zwischen den Arbeitstagen stand der Waldsee im Fokus und die Bedingungen konnten kaum besser sein. Nieselregen, leichter Tiefdruck und ein von Wolken verhangener Himmel. Kurz vor ein Uhr Morgens meldete sich die linke Rute, die ich in einem Schlammfeld auf fünf Metern Wassertiefe abgelegt und mit wenigen, aber auffälligen Ködern, befüttert hatte. Wie von der Tarantel gestochen lieferte sich mein Gegenüber einen erbitterten Kampf zwischen versunkenen Bäumen und diversen anderen Hindernissen. Nach bangen Minuten im Drill aber landete ich einen großrahmigen Schuppenkarpfen, der sich auf der Matte als wahre Schönheit entpuppte. Die schönsten Arbeitstage beginnen eben doch mit muffigen Klamotten und doppelt starkem Kaffee. Wir sehen uns auf der Carp Austria, aber bis dahin heißt es noch einmal Zeltheizung auf höchste Stufe drehen und durchbeißen!

Endlich wieder auf Erfolgskurs

Jo, es ist Winter...

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