03.07.17

Der verflixte zweite Anlauf
 - Sven Ihne

Der Start in eine neue Angelsaison ist oft spannend und interessant. So auch bei mir. Reifte doch über den langen Winter ein neuer Plan in meinem Kopf welcher sich ganz gut anfühlte, aber auch die üblichen Fragen mit sich brachte. Was erwartet mich, wie verhalten sich die Fische im Frühjahr und spielt mir das Wetter gut zu oder macht es eher das Gegenteil? Alles Dinge, welche man erst rausbekommt wenn man wirklich am Wasser ist.
 Um die lange Wartezeit bis in den April zu überbrücken, nutzte ich einen Arbeitseinsatz in Frankreich, um dort hoffentlich meine Angelsaison erfolgreich einzuläuten. Glücklicherweise hat es auf Anhieb funktioniert und ich fing so früh im Jahr einen absoluten Ausnahmefisch mit über 30 kg. 
Motiviert durch diese Aktion wollte ich das neue Zielgewässer in der Heimat nun zügig erkunden und beangeln. Das Wasser begann von Woche zu Woche mehr zu leben, die Sträucher und Bäume legten an Blattwerk zu und ich wurde langsam aber sicher ungeduldig. Warum erspähte ich keine Fische? Egal wo ich suchte, nicht eine Flosse war zu finden!
 Meine Freunde, denen ich mein Leid klagte, hatten nur ein lächeln für mich übrig. "Bei deinem Saisonstart würde ich in 2017 garnicht mehr Angeln". Solche oder ähnliche Sprüche musste ich über mich ergehen lassen! 
Nicht zu Fischen war für mich keine Option - zu groß ist der Drang am Wasser zu sein. Eher verließ mich die Gelassenheit von Tag zu Tag und. Unzufriedenheit schlich sich ein. Wir befanden uns mittlerweile in der zweiten Maiwoche und ich hatte seit meinem Frankreichtrip nicht eine Aktion an meinen Ruten. 
Als ich eines Morgens am Ende einer Bucht das Wasser wild spritzen sah wurde mir klar, dass ich vor der Laichzeit keinen Fisch mehr fangen werde. Das bestätigte sich bei meinem späteren Besuch in diesem Bereich des Sees. Die kleineren Fische hatten sich schon versammelt und brachten das flache Wasser zum Kochen. Mit meiner Wathose stand ich inmitten der wilden Karpfen und konnte mir einen kleinen Überblick vom Bestand verschaffen. 
Ich sah dies als Chance. Als Chance zum Runterkommen und mich auf das zu besinnen was ich in diesem Jahr anglerisch schon erreicht hatte. Ich gönnte den Fischen ihre wohlverdiente Ruhe welche sie in dieser Phase benötigen und wollte erst in einigen Tagen das Angeln fortführen. 
Als das heisse Wetter Ende Mai eine kurze Pause einlegte war mein Freund Pierre, welcher zu Besuch gekommen war, der erste der einen Fisch fernab des Laichgebietes fing. Für mich hieß es ab nun ausgewählte Spots zu füttern und sporadisch zu befischen. Ich konnte mich nicht daran erinnern mal einen Mai ohne Fänge erlebt zu haben. Der fünfte Monat des Jahres war meist sehr gnädig zu mir und ich hatte in den letzten Jahren oft üppige Beute eingefahren. Das es in diesem Jahr anders läuft - damit hatte ich mich nun zu arrangieren. In der Nacht zum 2.Juni fing ich meinen ersten deutschen Karpfen der Saison. Der grosse Schuppenkarpfen hatte Kraft und Ausdauer - glitt jedoch nach längerem hin und her erschöpft in meinen Kescher. Man sah an seinem eingefallenen Bauch was er die letzten Tage erlebt hatte und leichte Verletzungen auf einer Flanke zeugten von einem turbulenten Liebesakt. 
Mein zweiter Saisonstart hat lange auf sich warten lassen - nun ist er jedoch vollbracht und ich freue mich auf die kommenden Wochen!

Sven Ihne

Das Netz blieb lange trocken.

Mein zweiter Saisonstart.

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