26.04.17

Der Waldteich - Johannes Braith

Der Waldteich
Es hat mir mal wieder gereicht und ich konnte den Anblick aus meinem Bürofenster nicht mehr ertragen. Aus dem dritten Stock des Gebäudes sah ich auf die Fußgängerzone hinunter und beobachtete hunderte, wenn nicht sogar tausende Menschen. Sie liefen hektisch hin und her, trugen Einkaufstüten von Modemarken durch die Gegend oder starrten auf ihre Smartphones.
Auf meinem Tisch lag noch viel Arbeit die ich unbedingt noch erledigen wollte, bevor es am darauffolgenden Tag für die erste Session ans Wasser gehen sollte. Spät abends kam ich nach Hause und war froh mein Tackle bereits einige Tage davor im Auto verstaut zu haben. Mein Wecker klingelte um sechs Uhr, glücklicherweise musste ich also nur mehr einsteigen und den Fischen entgegenfahren. Der Winter war lang und ich darum umso heißer endlich wieder die Ruten auszuwerfen.
Als ich um die Mittagszeit am Wasser ankam, hatte Sebastian bereits alles aufgebaut und die Montagen an die Spots gerudert. The early bird catches the worm – doch gefangen hatte er bis dato leider noch nichts. Wir hatten 3 Nächte an dem Waldteich, an welchem ich im Vorjahr bereits in einer Session einen schönen Schuppenkarpfen mit genau 20 kg fangen konnte. Der Bestand des Wassers ist ziemlich gut und es schwimmen einige schöne Fische darin. Genau das richtige um die Angelsaison zu starten.
Ich entschied mich für feine Rigs an einem Wide Gape in Größe Sechs. Als Köder fungierten Slow Sinking Maize sowie einzelne Tigernüsse. Die Ruten wurden strategisch am gegenüberliegenden Ufer und im Freiwasser verteilt. Sebastien angelte mit einer Joker-Rute und einem Chod Rig und versuchte es auch am eigenen Ufer bzw. einigen überhängenden Ästen. Wir hatten uns lange nicht gesehen und somit auch viel zu erzählen. Die Frühlingssonne strahlte uns an und wir genossen die Frische der Luft. Wir entschieden uns dazu die Bedchairs ohne Brolly direkt im Wald aufzubauen. Die Nächte waren bereits warm und es schien nicht so als ob es in den kommenden Tagen regnen würde. So konnte ich die Natur noch direkter spüren und der Stress des Büroalltags hatte somit keine Chance mehr mich zu quälen.
Die erste Nacht verlief ruhig und ich wurde in der Früh von einem Specht geweckt, der direkt in dem Baum über mir nach seinem Frühstück suchte. Ich musste schmunzeln als ich Sebastien bereits im Schlauchboot am Wasser sah. Er ist Frühaufsteher – ganz im Gegensatz zu mir – und hat meist schon gefrühstückt und die Montagen kontrolliert bevor ich aus meinem Schlafsack krieche.
Wir konnten in der Nacht Fische springen hören und vermuteten sie auch in unserer Nähe. Am Wasser war allerdings viel Angeldruck, denn mit den ersten Strahlen der Frühlingssonne treibt es natürlich viele Angler ans Wasser. Trotz guter Fischdichte schien es so, als ob sich auch bei den meisten anderen Anglern am Wasser kein Fisch blicken ließ. Beim Kontrollieren der Montagen mussten wir feststellen, dass das Futter vom Vortag leider noch immer unberührt am Grund lag. Ich versetzte alle meine Ruten und fischte nun zwei Spots unter überhängenden Bäumen in nur 50 cm tiefem Wasser. Die dritte Rute legte ich im Freiwasser an eine Stelle an der ich beim Frühstücken einige Fische springen sah. Ich band kurze Stiffrigs aus IQ2 und beköderte sie an einem weichen Haar mit Fake Maize bzw. fischigen Boilies in kleinen Durchmessern.
Leider waren die darauffolgenden 2 Tage genauso ruhig und wir konnten keinen Fisch fangen. Wir stellten uns geistig bereits auf einen Blank ein als ich plötzlich vereinzelte Pieper hörte. Ich vermutete eine Schleie oder einen anderen kleineren Fisch der mit dem schweren Blei keinen Run auslösen konnte. Ich nahm die Rute auf und stellte fest, dass die Schnur einer veränderten Richtung folgte. Der Fisch musste in einem schrägen Winkel auf mein Ufer zugeschwommen sein und löste somit keine Bissanzeige aus. Ich stieg ins Schlauchboot und ruderte was das Zeug hielt. Als ich über dem Fisch war, spürte ich kräftige Kopfschläge und einen schweren Gegner der tief am Grund stand. „Yes, das fühlt sich nach einem Guten an“, dachte ich mir, doch wollte noch nicht zu euphorisch sein. Zu oft habe ich mich bereits über einen Fisch gefreut bevor er im Kescher war, und verlor ihn dann in letzter Sekunde. Der Fisch zog viel Schnur ab und kämpfte wie ein Büffel. Als plötzlich ein heller Fleck inmitten von Luftblasen an die Oberfläche kam, traute ich meinen Augen nicht. Was für ein Brett von einem Spiegler. Meine Hände zitterten beim Zurückrudern und die Freude wurde noch größer als Sebastian das Gewicht von der Waage ablas: exakt 25 kg! Der erste Fisch des Jahres auf der Matte und gleich so ein fettes Teil – was für ein Wahnsinn! Die letzte Nacht stand bevor und wir waren guter Dinge. Den Fisch konnte ich im Freiwasser fangen, also konzentrierten wir uns in der letzten Nacht auch auf diesen Bereich. Doch eine Rute beließ ich im ganz seichten Wasser unter den überhängenden Bäumen. Wider unserer Erwartungen schliefen wir erneut durch und wurden von keinem Karpfen geweckt. Wir machten uns einen letzten Tee und packten dann die Sachen ins Auto. Die Ruten ließen wir allerdings noch im Wasser und hofften weiter auf einen Fisch. Als ich meine letzte Tasche in den Kofferraum stellte, lief tatsächlich eine Rute ab. Es war der Spot im knietiefen Wasser. Ein Single Maiz ohne Beifutter hat mir dann noch einen wirklich schön beschuppten, urigen Fisch beschert. Sebastian ging leider leer aus, obwohl er wirklich alles versuchte. Oft ist beim Karpfenangeln das Glück der entscheidende Faktor. Mit einem großen Smile im Gesicht saß ich nun im Auto und fuhr der Großstadt entgegen. Doch eines weiß ich, der Waldteich sieht mich wieder.
Cheers Johannes

Gute Kombi im Frühjahr, Wafter plus GOO

Der erste Fisch des Jahres, ein Fuffi!!!

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