18.12.15

Der Winter ist da - Etienne Gebel

Donnerstag Feierabend - kurz nach 16.00 Uhr auf dem Weg zum Baggersee. Ein arbeitsreicher Tag in der Firma liegt hinter mir. Ich biege in den matschigen Feldweg ein und stelle den Motor meines Kombis ab. Fahre mich schon fast fest! In der bereits einsetzenden Dämmerung erkenne ich dicke Schneeflocken, die auf meine Windschutzscheibe fallen. Das ist der erste Schnee für uns in meiner Heimatregion, dem unteren Niederrhein. Ich ziehe meine Reckenjacke und die Stiefel an und mache mich auf den weiten Marsch zur anderen Seeseite. Dort ist meine Angelstelle. Ich habe nur einen kleinen Beutel Boilies in der Jackentasche. 500 Gramm exakt abgewogen auf meiner kleinen Küchenwaage. Ich will es nicht übertreiben, denn am kommenden Samstag will ich einen Tagesansitz machen und heute ist schon Donnerstag. Auf dem Weg zum anderen Ufer laufe ich durch eine vom Niederschlag sehr durchweichte Wiese. Oder soll ich das etwas vor mir besser einen unebenen Acker nennen!? Es ist extrem matschig, schlecht zu laufen und muss ich mir die Kapuze festhalten – so stark ist der Wind und so dicht der Schnee. Große Zweifel kommen in mir auf, ob ich überhaupt etwas füttern soll. Doch ich will an meiner Taktik jede Woche mindestens 2 mal etwas zu füttern weiter festhalten. Ich versuche die Fische zu beschäftigen. Außerdem hat mir die Stelle in der letzten Zeit einige Fische beschert. Ich will den Anschluss nicht verlieren und entscheide mich im dichten Schneetreiben etwa die Hälfte der Boilies aus der kleinen Tüte zu füttern. Das geht in Windeseile...
Samstag etwa 7.30 Uhr – Es ist noch dunkel und es regnet. Ich mache mich auf den Weg zu meiner Angelstelle. Meine Ausrüstung beschränkt sich wirklich auf das aller nötigste, denn der Fußmarsch ist lang. Ich bin trotzdem motiviert und habe mich nach einer anstrengenden Arbeitswoche auf diese eine Sitzung für ein paar Stunden so gefreut. Raaaaatz – ein bekanntes Geräusch erklingt. Ooh nein, nicht schon wieder. So eben habe ich mir zum wiederholten Male mir am Stacheldraht eines Weidezauns einen Winkelhaken in die teure Fjäll Räven Hose gezogen. Egal ich will Karpfen fangen und nicht auf einer Modenschau teilnehmen. Die beiden Ruten sind im Rekordtempo mit PVA Stringern bestückt und fliegen exakt in die eingeclippte sichere Entfernung zu den umliegenden Unterwasserhindernissen. Die Schnur lasse ich nur ganz leicht durchhängen, die Spitzen hoch und die Bremsen der Daiwas bleiben geschlossen. Es gibt keinen Meter Schnur! Basta. Ich sitze direkt vor den Ruten. Es ist ein schönes Gefühl, wenn alles liegt und der Duft von heißem Kaffee in der Luft liegt. Ich lehne mich in meinen Stuhl zurück und fange an zu entspannen. Ooooh nein – Eine Armee von exakt 20 Blesshühnern sowie 4 Reiherenten im Schlepptau machen sich zielgerichtet auf den Weg zu meiner Stelle und tauchen prompt runter. Das hatte ich hier bislang noch nicht. Mein erster Gedanke gilt dem letzten Donnerstag. Vielleicht doch zu hoch gepokert mit der Futtermenge Junge!? Erste Zweifel kommen in mir auf. Nach etwa 10 Minuten ist der Spuk vorbei und die schwarze Bande zieht weiter. Nur wenige Köder wurden hoch getaucht. Ungefähr die Anzahl, die ich heute morgen beigefüttert habe. Das waren für jede Rute exakt 8 Stück. Immerhin will ich fangen und NICHT satt füttern und das Fangen muss in den paar Stunden angeln an diesem Samstag funktionieren. Sonst bin ich eine Woche weiter, denn meine Zeit zum Angeln begrenzt sich zurzeit auf exakt einen Tagesansitz von ca. 6 Stunden pro Woche. Im Winter ist das nicht gerade viel, dann muss alles zusammen passen! Ich entscheide mich einfach alles unberührt liegen zu lassen und nichts nachzufüttern. Der Wind frischt aus Westlicher Richtung auf, ich ziehe die Jacke komplett zu und bleibe wie versteinert sitzen. Ich habe festgestellt, das gerade beim Winterangeln Ruhe oberstes Gebot ist. Mein Blick weicht kaum von den hoch ausgerichteten Rutenspitzen. Ich schlafe kurzzeitig im Stuhl ein. Piep Piep. Und als wenn es ein Traum ist bekomme ich einen kräftigen Schlag in der rechten Rute. Das kann doch nicht wahr sein!? Ich nehme sofort Kontakt auf. Der Fisch ist träge und bleibt tief. Ich habe Angst ihn zu verlieren und drille sehr vorsichtig. Wir haben Winter und es zählt jeder Fisch. Nach etwa 15 Minuten bangen gleitet ein winterlicher Mittdreißiger Spiegler in die Maschen meines Netzes. Eines steht fest – Am Wasser ist wirklich alles möglich! Man muss nur dran glauben und gehen. Ich werde jedenfalls meine Futtertaktik leicht verändern und komme schon nächste Woche für ein paar Stunden wieder...

Der Herbst muss weichen.

Kurze Tagesansitze - mehr ist nicht drin.

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