13.10.15

Der Zeiler - Luis Tempel

Die Sonne verschwindet langsam am Horizont. Ich genieße noch kurz das letzte Abendrot, bevor es mit dem beladenen Boot auf die andere Seite des Sees geht. Starker Westwind steht nun seit drei Wochen auf das Ufer an meinem Platz. Die Wellen schlagen und der Schaum wird immer mehr. Ich bin optimistisch, denn richtiges Wetter ist an den dünn besiedelten Naturseen das A & O. Nun heiß es nur noch schnell die Rigs beködern, die Ruten rausfahren und das Camp aufbauen, bevor es in den warmen Schlafsack geht. Die Plätze auf denen ich meine Montagen ablege muss ich nicht erst suchen, da ich schon die letzten Wochenenden zuvor diesen Platz befischte. Zwar hatte ich nicht die Zeit und das Geld um Vorzufüttern, allerdings schmiss ich die letzten Wochenenden nach dem Angeln immer wieder ein paar Kellen Futter auf die Stellen, um die Fische zu beschäftigen. Hauptsächlich besteht dieses auf Mais, aber auch Tigers und Boilies füttere ich mit. Mais deswegen, weil er gerade an den Seen wo nicht viel auf Karpfen geangelt wird ein Garant ist. Dazu kommt das es wahrscheinlich die billigste Futtermethode ist. Bei Meiner Montage achte ich ganz besonders darauf, dass sie den vielen Muscheln und Steinen gewachsen ist. Meine Vorfachschnur besteht fast immer aus Arma Kord in 30lb. Diese Schnur ist besonders abriebfest, denn was gibt es schlimmeres beim Angeln als einen Schnurriss? Beim Haken heißt es eigentlich nur umso schärfer umso besser. Da ich in diesen großen Natursee meistens nur an Stellen angle, bei denen ich keinen extremen Druck aufbauen muss, verwende ich meinst das Hakenmodell welches mir am besten gefällt. In meinen Fall ist entweder der Kurv Shank oder der Longshank am Vorfach. Um meine Hauptschnur so gut wie möglich zu schonen, stelle ich die Bang Sticks möglichst hoch. So läuft die Schnur über die Kante und wird sich nicht aufrauen. Trotzdem ist es ratsam, eine Schlagschnur zu verwenden.

Eine Handvoll halbierte Boilies rund um den Köder

Die Ruten stehen hoch, um die Schnüre zu schonen

Die Nacht bricht ein und der helle Mond spiegelt sich auf der Wasseroberfläche. Die Nächte werden immer kälter, sodass man nachts zum drillen schon kaum noch ohne dicke Jacke raus kann, doch genau die hatte ich vergessen, als meine linke Rute zum ersten Mal diese Nacht ablief. Ein kleiner Schuppi schob sich langsam über mein Netz. Yiiha!! Ich hab ihn und egal wie klein er ist, die Freude über den ersten Fisch der Session ist riesig. Zurück im Zelt konnte ich kaum noch einschlafen, der Wind wurde immer stärker und somit auch immer lauter. Die Wellen klatschten gegen das Boot, nur die Bissanzeiger schwiegen und gaben keinen Ton von sich. Langsam wurde es wieder hell, ein kleiner Frosch saß auf einem Stein in der Sonne. Der Wind wurde ruhiger und es wurde sogar richtig warm. Ich blickte mit einer Tasse Tee auf die riesige Wasserfläche vor mit. Plötzlich sprang zur linken Hand ein kleiner Karpfen. Was sich im Laufe des Tages immer wieder wiederholte. Teilweise sprangen sogar drei gleichzeitig. Dass so viele Fische auf meinen Platz springen hatte ich zuvor nur in Frankreich an der Rhone erlebt. Ich war völlig baff und plötzlich bekam ich einen Run. Ich nahm die Rute auf und spürte gleich, das ist ein guter Fisch, also stieg ich lieber ins Boot und fuhr dem Fisch entgegen. Yes! Endlich war der Kescher voll. Im Laufe des Tages sollten meine Bobbins nicht mehr still hängen und meine Bissanzeiger nicht mehr schweigen. Die Matte war dauernass und meine Arme träge vom fotografieren. In diesem Fall stimmte einfach alles, die Fische standen förmlich gestapelt auf meinem Platz und warteten nur auf neues Futter. Durch so viele Bisse erhöhte ich meine Futtermenge deutlich, um die Fische auf meinem Platz zu halten. Die Sonne ging wieder langsam unter, die Fische waren zwar ab und an noch am springen, aber ich hatte schon einige Zeit keinen Biss mehr bekommen. So konnte ich einige Zeit entspannen und gemütlich Abendbrot essen. Er ab ca. 22 Uhr fing es wieder an zulaufen. Völlig übermüdet wurde ich morgens vom Bissanzeiger mit einem Fullrun geweckt. Ich zwang mich noch einmal in die Wathose und wischte mir den Schlaf aus den Augen, bevor ich zur Rute lief. Ein paar stärkere Fluchten und der Fisch war im Netz. Doch erst auf dem zweiten Blick sah ich, was ich da für einen makellosen Zeiler gefangen hatte! Tage wie diese... Hoffentlich wiederholen sie sich noch oft in diesem Herbst! Euch allen eine gute Zeit,
Luis Tempel

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