29.11.16

Die Donau #3 - Flussnomaden - Andreas Hetzmannseder

Bei Nacht im freien unterwegs zu sein, unter dem schweigenden Himmel, an einem still strömenden Gewässer, das ist stets geheimnisvoll und regt die Gründe der Seele auf. (Hermann Hesse; Schön ist die Jugend)

Mit einem Zitat von Hermann Hesse möchte ich dieses kleine Update einleiten. Ja, schön ist die Jugend und geheimnisvoll das strömende Gewässer, das mir in den letzten 5 Monaten weit mehr bot als nur einen einfachen Angelplatz. Immer mehr und mehr merke ich mittlerweile, wie wohl und zuhause ich mich an den Ufern der mächtigen Donau, dem zweitgrößten Strom Europas, fühle. Ich habe mich mit ihren Launen und Eigenheiten mittlerweile arrangiert und gelernt, ihr raues Auftreten zu interpretieren. Ich gehe der Flussangelei schon einige Jahre nach, doch noch nie so intensiv wie in diesem Jahr. Nach einem ziemlich furiosen Saisonstart mit mehreren großen Fischen an einem Baggersee in meiner Nähe, sehnte ich mich wieder nach lauen Sommernächten zwischen Steinpackungen, Schiffen und fließendem Wasser. Mein Hunger nach großen Fischen war fürs erste gestillt und mit einem kleinen Polster im Rücken sollte dem Abenteuer am Strom nichts mehr im Wege stehen.

So begann ich also im Frühsommer dieses Jahres ausgedehnte Touren auf dem Mountainbike zu machen und checkte diverse Abschnitte, die mir für die Angelei im Sommer und Herbst interessant schienen, fütterte vor und beobachtete einfach mal was passierte.
Einer meiner ausgewählten Spots kristallisierte sich dann auch recht schnell als erfolgversprechend heraus. Nach einer Fütterphase von gut 2 Wochen beobachtete ich abends die ersten Weißfische am Spot und tags darauf buckelte auch der erste Karpfen. Der Herzschlag raste sofort auf Anschlag. Bis zum ersten Ansitz vergingen allerdings wiederum einige weitere Tage. Ein Hochwasser machte die anfänglichen Bemühungen erstmal zunichte, von Fischen keine Spur mehr. Ärgerlich! Mit dem langersehnten Rückgang des Wasserpegels war ich allerdings wieder zur Stelle und versuchte den Spot auf den die Fische schon aufmerksam wurden, weiterhin attraktiv zu halten. Der erste Ansitz im Juni brachte, nach erneut 2 wöchigem Füttern, den ersten Fisch. Kein Riese, vielleicht 10-11kg, aber in jedem Fall ein guter Anfang, soviel stand fest.

Der langen Rede kurzer Sinn, dieses Katz und Maus Spiel von steigendem und fallendem Wasser wiederholte sich bis weit in den Juli hinein und forderte viel Ausdauer. Die Ergebnisse nach den ersten 15 Angelnächten waren nicht unbedingt üppig, wenn es allerdings auch durchaus schlechter hätte sein können. Die Bedingungen waren einfach schwierig und hätten mich kurzzeitig fast abgeschüttelt. Die Atmosphäre am Fluss war aber einfach zu reizvoll, so dass ich stur weiter angelte und ein ums andere mal nach den Hochwässern meinen Futterplatz erneut aufbaute. Und diese Sturheit sollte sich lohnen. Der erste richtige Lauf kam, als der Juli platz für den August machte. Ich wollte meine Hausaufgaben erledigen, fütterte mehrere Tage mindestens einmal täglich meinen Spot und angelte nur vereinzelte Nächte. Diese Taktik trug Früchte in Form von oft gleich mehreren Läufen pro Nacht, und auch einige Topfische bis knapp 19kg fanden ihren Weg in mein Netz. Kampfstarke, urige Flussnomaden. Genau wegen denen ich diese Strapazen auf mich genommen hatte. Genau solche Fische sind es, die das Flussangeln so inspirierend für mich machen. Der Drive war definitiv zurück! Egal was da noch kommen sollte, ich würde es durchhalten, das war fix. Die Futtermenge schraubte ich nach den ersten beiden „guten“ Nächte massiv in die Höhe und kellte von nun an täglich richtige Männerportionen an Futter in den Fluss. Die Fische nahmen den Spot regelrecht ein und was in den letzten, mittlerweile herbstlichen, Wochen alles passierte ist fast surreal und würde den Rahmen dieses Newsupdates sprengen. Wer gerne mehr über die Technik und Taktik der Flussangelei an der Donau erfahren will, sei aber herzlich eingeladen bei der heurigen Carp Austria–Messe in Wien/ Vösendorf vorbeizuschauen. Gemeinsam mit Michi Friedmann und Peter Haudum dürfen wir dort nämlich einen kleinen Vortrag über unsere Erkenntnisse am Fluss halten und werden dabei sicher kein Blatt vor den Mund nehmen. Abgerundet wird der Auftritt durch ein knackiges Video, denn die Kamera hat uns am Fluss begleitet! Wir sehen uns hoffentlich bald in Wien!

XT Snagleader - erste Wahl an der Donau

Beide Ruten liefen in kurzer Zeit ab

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE