21.05.16

Die erste Nacht - Etienne Gebel

Zusammen gekauert sitze ich unterm meinem Schirm. Ich bin wütend, richtig wütend! Soeben habe ich einen Fisch ausgeschlitzt. Der erste Biss nach 6 Nächten ohne jegliche Fischaktivität. Ich blanke nicht gerne, noch weniger mag ich es Fische zu verlieren. In solchen Situationen nützt auch der beste Haken der Welt nichts! Weg ist weg. Und wieder stehe ich mit leeren Händen da.
Mir bleibt momentan eigentlich nur die schöne Erinnerung an meine erste Angelnacht des Jahres.

Direkt nach der Arbeit fahre ich zielstrebig ans Wasser. Ein neues Gewässer, zwar ohne Giganten, dafür aber viel Natur und die Chance auf neue Fische. Zudem hält sich der Aufwand für mich als gestresster Familienvater in Grenzen. In Windeseile ist mein fahrendes Bedchair auf Rädern beladen und rollt in Richtung Angelplatz. Ich habe es eilig! Eine dunkle Wolkenwand aus nordwestlicher Richtung ist im Anmarsch. Der Wind wird kräftiger. Der Wetterdienst hat sogar Hagel dazu gemeldet. Im Rekordtempo fliegen beide Ruten auf den Platz und der Schirm wird ordentlich festgemacht. Der Wind dreht noch weiter auf. Ich bin gerade dabei, mein Nachtquartier weiter einzurichten als sich meine rechte Rute meldet. Vollrun! Ich kann es kaum fassen, so schnell kommt der erste Anbiss. Kurze Zeit später liegt ein schöner Spiegler im Netz. Noch im Trockenen kann ich mit dem Selbstauslöser ein paar Bilder machen. Aber die Wolkenwand rückt näher, die erste dicken Hagelkörner prasseln auf meinen Schirm. Die Dunkelheit bricht heran. Ich verziehe mich tief in den Schlafsack. Ich freue mich über meinen Fisch. Gegen 00.00 Uhr ist der Regen und Wind so stark, dass ich zusätzlich meine Abhakmatte als seitlichen Schutz an den Schirm fixiere. Innerlich hoffe Ich, dass ich bei dem Sauwetter keinen Anbiss bekomme. Ich verfalle wieder in den Tiefschlaf als ich etwa eine Stunde später schlaftrunken mit dem Jogginganzug an im strömenden Regen einen Fisch drille. Es dauert eine halbe Ewigkeit, diesen verdammten Raufbold unter Kontrolle zu bekommen. Ich bin völlig durchnässt, aber bekomme den Schuppi und somit den zweiten Fisch der Sitzung sicher ins Netz. Ich habe natürlich keine trockene Kleidung mehr dabei und lege mich einfach wieder in den Schlafsack zurück. Kein schönes Gefühl auf der Haut. Es regnet weiterhin durch. Gegen morgen kommt tatsächlich wieder ein Anbiss. Auch diesen schuppigen Raufbold bekomme ich sicher ins Netz. 3 Fische in einer Sitzung machen mich sehr zufrieden. Sicher an diesem Gewässer! Mit einem Grinsen mache ich mich gegen 10.00 Uhr auf den Heimweg. Ich werde wieder kommen.

Mittlerweile sitze ich wieder an meinem Platz unterm Schirm. Große Zweifel kommen in mir auf, ob ich hier weiter machen soll. Ich habe jetzt schon 6 Nächte nichts gefangen, soeben einen ausgeschlitzt. Ich vermute es war ein kleinerer Karpfen. Aber er ist weg. Mein Vertrauen in mein Handeln ist mal wieder auf dem Tiefpunkt. Ob ich jemals wieder Erfolg haben werde...

Es hat die ganze Nacht geregnet...

Schon sechs Nächte blank!

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