26.04.18

Die Leichtigkeit die verloren ging - Michael Nürenberg

Angeln ist ein toller Ausgleich zum stressigen Alltag, Angeln macht die Gedanken frei, Angeln gibt einem wieder Kraft, Angeln ist einfach ein tolles Hobby. Aber…
Um genau dieses „Aber“ soll es mir in diesem Update gehen. Dafür muss ich ein klein wenig ausholen. Das Jahr 2017 war ein bescheidenes Jahr, zumindest aus dem anglerischen Aspekt. Alles drehte sich nur um diesen einen Zielfisch, gefühlt war ich unglaublich nah dran und motivierte mich von einer Nacht in die Nächste. Dabei wollte ich so viel geschafft haben. Selbst den heiligen Herbst habe ich dank meiner Zielfischjagd total verhauen. Spots an anderen Gewässern wurden akribisch vorbereitet, Stellen unter Futter gesetzt und drei Mal die Woche mit der Unterwasserkamera kontrolliert und ggf. nachgelegt. Hört sich doch gut an oder? Nur geangelt habe ich an keinem Wochenende an diesen Stellen, denn ich wollte meinen Zielfisch fangen, Zweischuppen-Joe! Alles gemacht, aber nichts so richtig. So könnte man mein Vorgehen im letzten Jahr beschreiben. Erst Ende November, als das Jahr so gut wie gelaufen war, blickte ich zurück. Ich bin vom Weg abgekommen! Die Angelei machte mir Druck. Ich bin in Dingen, die ich liebe, extrem zielstrebig und eher schade ich mir selbst als ein Ziel aus den Augen zu verlieren. Zuviel falscher Stolz verdarb mir den Spaß an den Dingen, die ich so liebte. Man sollte zwingend darauf aufpassen, dass man sich in keine seiner Ziele verrennt. Aufgeben oder zumindest die Ziele von der Prioritätenliste weiter runter rücken sind keine Schande.
Diesen Fehler werde ich in 2018 nicht erneut machen. Joe, mein Zielfisch, ist nicht aus meinem Kopf verschwunden. Er wird noch beiläufig von mir beangelt werden. Immer, wenn an keinem meiner anderen Gewässer, die in diesem Jahr auf meiner Liste stehen, ein Platz für mich frei ist und der Zufall es so will, werde ich ihn jagen und irgendwann auch fangen. Die gefühlt ewige Eiszeit ließ mich erst Anfang April das erste Mal ernsthaft ans Wasser kommen. 45ha ist die Größe des Baggersees, welcher in diesem Jahr neu auf meiner Liste steht. Über den Fischbestand weiß ich nur ganz grob etwas und das ist auch gut so! Denn umso weniger Informationen man eigentlich hat umso mehr erfreut man sich über den kleinsten Erfolg. Schließlich soll es mir darum gehen. Ich möchte wieder Leichtigkeit, Freude und mehr Spaß an meinen Hausgewässern verspüren und keine Liste abarbeiten, die mir am Ende alles verdirbt. So belud ich mein Boot und ließ mich vom Wind treiben. Aufgrund meiner Unwissenheit über das Gewässer und die Gewissheit, dass es trocken bleiben sollte, minimierte ich meine Ausrüstung auf das geringste. Erst spät kam ich am Gewässer an. Keine Ahnung, welcher Platz mein Ziel werden sollte, trieb ich auf dem See und folgte meinem Gefühl. Da die ersten richtig warmen Sonnenstrahlen die Wasseroberfläche stark erwärmten, sollte es zuerst in eine kleine flachere Bucht gehen. Meine Ruten verteilte ich grob an der Uferkante und nahm mir vielversprechende Büsche, die über das Gewässer ragten als Anlaufpunkt. Kurz gesagt, es blieb still. Früh am nächsten Morgen kurbelte ich die Montagen ein, belud erneut das Boot und tuckerte auf der ersten Motorstufe über den See. Solange bis ich irgendwelche Anzeichen auf Karpfen ausmachen konnte. Tatsächlich entdeckte ich einen kleinen Spiegelkarpfen am Südufer. Bingo! Wo einer ist, sollten auch andere zu finden sein. Mit dem Echolot erkundete ich den Gewässerbereich und verteilte meine Rigs auf interessanten Stellen. Ein Plateau auf einer Distanz von ca. 80m zum Ufer erschien besonders. Die untere Kante war dicht besiedelt mit Dreikantmuscheln, der Hang in Richtung Spitze des Plateaus war sehr weich und sandig. Der Gipfel mit einem Höhenunterschied von 2,5m zum umliegenden Bereich bretthart. Genau auf dieser Spitze kam mein Longshank X Haken in der Größe 6 zum Blowback-Rig gebunden zu liegen. In der Dämmerung zum Abend feuerte die Rute ab. Das Ergebnis? Ein goldgelb gefärbter Spiegler mit starkem Bauch und Nackenansatz – Wahnsinn! Meine Freude? Grenzenlos! Es war ein wunderbares Gefühl mit einer Leichtigkeit an die Sache ran zu gehen und sich wieder über jeden Fisch freuen zu können. Leute? Ich freue mich auf die Saison!
Michael Nürenberg

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