15.07.15

Die schnelle Nacht - Etienne Gebel

Aufgrund von Umbaumaßnahmen und familiären Verpflichtungen ist meine Angelzeit zurzeit sehr knapp bemessen. Aus diesem Grund fällt meine Wahl auf Sitzungen an einfachen Gewässern von abends 8 bis morgens 8 Uhr. Mehr sitzt momentan nicht drin. Perfekt für eine schnelle Nacht am Altwasser. Ein kleines altes Gewässer, das einen relativ überschaubaren Karpfenbestand und extrem viel natürliche Nahrung aufweist. Mit wenig Ausrüstung marschiere ich den weiten Weg runter ans Wasser. Dazu habe ich mein altes Bedchair mit Rädern ausgestattet. Das habe ich schon viele Jahre im Einsatz. Sehr praktisch, wenn es schnell gehen muss. Dieses fungiert als Anglers Bett und gleichzeitig als Transportmittel. Den Schlafsack bereits aufgespannt und nur noch den Schirm, 2 Ruten und minimales Material drauflegen, festbinden und los geht´s.

Zum Vorfüttern hatte ich leider mal wieder keine Zeit und so komme ich am Freitagabend kurz nach 20 Uhr am Wasser an. Ich habe nur wenig Futter dabei. 2 Kilo müssen reichen. Dafür ist dieses sehr attraktiv und befindet sich gerade noch in der Testphase. Ich als alter überzeugter Boilie Selbstdreher bin neuen Boilies gegenüber immer sehr skeptisch. Als ich jedoch die erste Pacific Tuna Tüte öffnete fühlte ich mich direkt in eine Zeit zurückversetzt. Eine Zeit, Ende der 80er Jahre in der wir auch schon unsere Boilies selber rollten. Das kräftige Aroma zog tief in die Nase und der fischig, salzige Geschmack blieb enorm lange auf der Zunge hängen. Ich erinnerte mich sofort an das gute alte Catchum Shellfish Sense Appeal, das wir verarbeiteten. Einer meiner Favoriten-Aromen zu jener Zeit. Leider später kaum noch zu bekommen und Jahre danach wieder neu durch Rod Hutchinson aufgelegt. Gerade an Gewässern mit sehr hohem Aufkommen an natürlicher Nahrung, dazu mit wenig Zeit zur Verfügung, wie ich diese zurzeit habe sollte das Futter schnell wirken und sehr anziehend sein. Ich will locken und nicht satt füttern. Die Ruten werfe ich mit einem Unterhandwurf gestaffelt auf 2 Entfernungen von etwa 10 und 15 Meter vom Ufer aus. Hier sind die Zugrouten der Fische. Montiert wird jeweils nur ein einzelner Hakenköder zusammen mit einem PVA Stringer bestehend aus 3 Boilies. Ich genieße den Abend und verkrieche mich gegen 23.30 Uhr in den Schlafsack. Die Mücken lassen mich nicht in Ruhe und ein Froschkonzert tönt direkt vor meinen Füssen. An Schlaf ist kaum zu denken. Ich drehe ich mich hin und her. Irgendwann gewinnt dann doch die Müdigkeit nach einem anstrengenden Arbeitstag. Der erste Anbiss erfolgt ohne Vorankündigung am frühen Morgen gegen 4.30 Uhr. Ein kampstarker Schuppi von 24 Pfund landet im Netz. Kurze Zeit später landet noch eine weiterer Spiegler auf meiner Matte. Hochzufrieden packe ich ein. Ob ich wieder komme? Na sicher, aber nur für eine kurze Nacht...

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