16.11.15

Die Zeit im Nacken - Etienne Gebel

Klatsch!!! Meine Montage ist soeben auf eine Entfernung von exakt 102 Metern in meinen für diesen Herbst auserwählten Baggersee gelandet. Genau wo mein Blei eingeschlagen ist, verläuft eine Rinne die hinter einem langen Plateau zum nächsten verläuft. Es ist etwa 6,5 Meter tief und vor etwa einer halben Stunde habe ich einen schönen 30 er Spiegler gefangen. Schnell drücke ich nach einem Anbiss meine Distance Sticks, die mit einer 3 Meter langen Kordel verbunden sind in den Boden. Dann werden die Wicklungen die ich mit der Schnur um die Stangen mache gezählt. 32, 33, 34 Stop! Auf 34 finde ich meine Schnurmarkierung am Spitzenring und lege die Schnur hinter den Rollenclip. 34 X 3 sind exakt 102 Meter. Perfekt. Mit dem Wurfrohr füttere ich über alle 3 Ruten etwa 300 Gramm Pacific Tuna Boilies in 24 Millimeter Größe nach. Mein Gefühl sagt mir, das noch Fische unterwegs sind und diese möchte ich damit zum Suchen animieren. Seit gestern Abend bin ich am auserwählten Platz voll installiert. Leider sitzt mir wie immer die Zeit im Nacken. Die Kids und meine bessere Hälfte warten auf mich, um einen Ausflug in unseren naheliegenden Wildpark zu machen. Ich habe es versprochen, obwohl sich kurze Zeit später ein guter Fisch genau auf meinem Platz aus dem Wasser schiebt. Ja es gibt neben dem Fischen Dinge die für mich deutlich wichtiger geworden sind. Ich packe ein, obwohl Fische am Platz sind! Mit einem einzigen, aber schönen Fisch auf der Habenseite drücke ich etwa 30 Minuten später den Kofferaum meines Wagens zu. Ich bin zwar nicht zu Hundert Prozent mit dem einen Fisch der Session zufrieden, aber bereits nächstes Wochenende steht mir wieder eine Angelnacht zu. Zwar nur Freitags und direkt nach der Arbeit, aber eine ganze Angelnacht sitzt drin! Montag, Dienstag, Mittwoch… Die intensive Arbeitswoche mit einigen Überstunden will einfach nicht verstreichen. Daneben habe ich auch noch zweimal diese Woche meinen Platz angefüttert. Das alles kostet Überwindung, Nerven und Zeit. Zudem fordert auch das Familienleben mit kleinen Kindern seinen Tribut. Es ist schön, aber auch anstrengend. Etliche schlaflose Nächte habe ich hinter mir. Es ist jede Woche eine echte Aufgabe, alles unter einen Hut zu bekommen. Nur durch eine durchdachte Planung und eiserne Disziplin kann ich eine Angelnacht pro Woche raus schlagen.

Das gibt Vertrauen.

Auffällige, hoch attraktive Köder kommen zum Einsatz

Irgendwann ist es dann aber auch mal Freitag und vor allem Feierabend. Ich fliege förmlich zum Wasser und kann es kaum erwarten die Ruten auszuwerfen. Leider muss in der jetzigen Jahreszeit das Aufbauen und Auswerfen der Ruten im Dunkeln geschehen. Ein Boot ist am See nicht erlaubt, aber ich bin sowieso eher ein Wurfangler. Und im Dunkeln oder nicht das macht nichts, denn ich bin gut vorbereitet und auch geübt. Die exakte Entfernung von 102 Metern zur Rinne habe ich bereits beim Hereindrehen der Ruten letzte Woche in den Lineclip der Rolle befestigt. So kann ich auch im Dunkeln mit einem gezielten Wurf die Rute an die gewünschte Stelle befördern. Um auf solch weite Entfernungen präzise zu werfen und Verhedderungen vorzubeugen setze ich auf kurze Stiffrigs. Diese binde ich aus IQ und IQ2 Flourocarbon Vorfachmaterial. Freitag Abend 20.30 Uhr im November 2015. Alles steht und die Ruten liegen perfekt. Futter liegt auch. Es ist stockfinster, ich brühe mir einen Kaffee auf und genieße die Ruhe. Nach so einer langen Woche vergeht jedoch nicht viel Zeit und ich falle erschöpft auf die Liege. Erst gegen Morgen werde ich von einem Dauerton geweckt. Ich nehme die Rute nur langsam auf. Der Fisch klebt förmlich am Grund fest. Das ist aber auch kein Wunder, weil ich hinter dem Plateau in der abfallenden Rinne fische. Es dauert eine ganze Weile bis ich mein gegenüber an mein Ufer bekomme. Die letzten ruhigen Fluchten deuten auf einen guten Fisch der mittleren 30 Pfund Klasse hin. Meine Vermutungen bestätigen sich! Der Fisch ist auf einen gelben selbstgedrehten Halb/Halb Boilie hereingefallen. Bei der Kontrolle meiner Rute fällt mir wiederholt auf, dass die Schnur durch das Fischen über dem Plateau leicht beschädigt ist. Um keine unnötigen Risiken einzugehen, wechsele ich diese aus. Da ich seit geraumer Zeit auf die konische Subline, die in meinem Fall von 0.33 er Stärke auf 0.50mm verläuft (und das zu beiden Enden) zurückgreife, brauche ich diese lediglich zu drehen. Schnell kommt die leere Ersatzspule zum Einsatz und die Schnur wird einmal komplett umgespult. Im Anschluss wieder auf die an der Rute befestigte Rolle zurückgedreht. Perfekt! Ach und für alle Basia Fans: Auf den Spulen ist 300 Meter Schnur. Diese Füllung passt genau auf eine Daiwa Basia Rolle. Es ist 10.30 Uhr und wieder sitzt mir die Zeit im Nacken. Das kenne ich zu genüge. Ich packe alles bis auf die Ruten und den Kescher ein und bleibe noch einige Zeit am Ufer sitzen. Sehe wie ein Blatt nach dem anderen von den Bäumen fällt. Es ist Herbst und gerne würde ich weiter fischen. Aber ich habe noch einiges im Garten zu tun und meine Bande Zuhause möchte sicher auch noch was von mir am Wochenende haben. Und so geht kurze Zeit später der Kofferraumdeckel des Kombis zu. Nächstes Wochenende geht’s hoffentlich weiter…

Etienne Gebel

Tapered Subline auf allen drei Rollen.

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