17.10.16

Dieser verdammte Luftdruck - Kai Lander

Ende September, dass Boot ist voll beladen und der Außenborder schiebt es kraftvoll, aber leise über den großen Teich. Mein Kumpel Mathias ist mit von der Partie, so wie die letzten Male auch. Aufgeregt wie zwei kleine Jungs, die das erste mal Angeln fahren, reden wir uns heiß, auch da die Bedingungen ideal sind. Der Platz steht seit einiger Zeit unter Futter und brachte schon ein paar Fische. Was wird uns die Kurzsession dieses Mal bringen? Fragen über Fragen! Vor vier Tagen waren wir bereits für eine Nacht am selben Spot und konnten bei 1023 hPa nur einen kleinen Karpfen fangen. Ganz anders sah es vor zehn Tagen aus, als der Luftdruck bei 1014 hPa lag und drei gute Karpfen bis 15 Kilo im Netz landeten. Diesen September ging es mit dem Luftdruck auf und ab, optimale Werte waren rar. Jetzt endlich war es anders: 1013 hPa, Regen mit kräftigen Wind aus Süd - perfekt! Der Platz war schnell bezogen, die Brollys standen nach kurzer Zeit und der Regen konnte uns mal so was von.... Drei unserer Montagen fanden breit gefächert ihren Platz auf dem mit Muscheln übersäten steilen Grund von 5 bis zu 7 Metern Tiefe. Mit dem Eazi - Stick wurden noch 5 Kilo Buttersäure - Boilies, gemischt von 18mm - 30mm Größe, auf einer Länge von ca. 100m verteilt. Die Karpfen sollten sich auf einem großen Areal bewegen und darauf vertrauensvoll fressen, bevor sie sich auf einen der ausbalancierten Boilies an 30lb Kamo Vorfächern mit Krank oder Wide Gape X Haken Größe 4 haken. Meine zweite Rute wollte ich etwas abseits an einem versunkenem Baum ablegen, von dem zwei Äste knapp aus dem Wasser ragten. Auf ihnen saß in den Abendstunden immer ein Kormoranpärchen. Ich hatte den Baum seit längerem ins Auge gefasst, aber nie beangelt. Dort musste ein dicker Karpfen wohnen, davon war ich überzeugt. Der Baum wurde von allen Richtungen angerudert, um zu sehen, wie weit die Äste von ihm wegragten. In 5 Meter Tiefe war Schluss, von hier fiel es dazu noch schnell bis 13 Meter Tiefe ab. Kurz vor der Baumkrone fand ich einen schmalen steinigen Streifen von max. 2 Metern Länge im sonst mit leichtem Kraut überzogenen Boden. Definitiv ein Fressplatz! Meine stabile Montage wurde sorgfältig rückwärts hinab gekurbelt, bis das Blei mit einem kräftigen Tock aufkam - die liegt super. Ein einzelner großer Boilie, mit Kork-Stick versehen, plus zehn große Dumbells mit einem Bananen - Zwiebelaroma dazu, mehr nicht. Die Falle sollte ja gleich zuschnappen. Bei geschlossener Bremse wurde der Stow knapp unter den Blank geclippt.

Eine stabile Montage

Abriebfest und günstig

Mit Einzug der Dunkelheit rannte meine Rute auf dem Futterplatz ab. Der Fisch zog ins tiefe Freiwasser und kämpfte mit hektischen Kopfstößen. Nach meinem Gefühl handelte es sich um ein kleineres Exemplar. Mathias stand mit dem Kescher im brusttiefen Wasser bereit, als er es zu sehen bekam. "Mach die Bremse auf, verspiele den nicht, dass ist ein guter Fisch!" kam von ihm. Und dann begann der Tanz, zielstrebig wollte der Fisch in einen Weidenstrauch. Spule blockiert und gegengehalten, die 11ft Morion war krumm bis ins Handteil, er drehte zum Glück ab und zog ordentlich Schnur von der Entoh. Wenige Minuten später lag der Fisch auf der Mat. Bei breitem Rücken brachte der dunkle Milchner-Spiegler 18,2 Kilo auf die Waage - ich war happy. Zufrieden verzogen wir uns in die Zelte, nach und nach schwächte der Regen auch ab. Gegen 23:00 Uhr zwei Töne aus der Funkbox: die Kormoranbaum-Rute wurde krumm gezogen! Schnell war ich zur Stelle und hielt gegen. Die Neue CarpLine pfiff im Wind, keinen Meter gab ich dem Karpfen am anderen Ende. Er stand wie eine Wand in der Tiefe, ließ sich nicht beeindrucken und nutzte sein Gewicht voll aus. Mit dem Boot pumpte ich mich entgegen - auf einmal bewegte sich nichts mehr, Schlagschnur war bereits ein paar Windungen auf der Spule, aber es fehlten noch einige Meter. Es war nur noch schwer, die Rute voll durchgezogen kam mir ein kleiner Ast entgegen. Dieser wurde immer dicker und länger und war mehrfach umwickelt vom XT Leader. Ein hektischer Moment begann den Ast, der vollkommen mit Dreikantmuscheln bewachsen war, zog ich komplett auf das Schlauchboot, befreite die Schnur und nahm wieder Kontakt zum Fisch auf. Er war zum Glück noch dran und stand ohne viel zu schwimmen mit seinem Gewicht in der Wassersäule. Stück für Stück pumpte ich das Teil hoch, bis seine Flanken im Schein der Kopflampe im klaren Wasser zu sehen waren. Der war groß, einen erneuten Fluchtversuch in die Tiefe ließ ich nicht zu und schob den Kescher unter den Dicken Spiegler, drin war er! Was eine Aktion, Nervenkitzel pur. Erleichterung machte sich in mir breit, verbunden mit der Freude über den passenden Luftdruck. Mathias wartete bereits mit nasser Schlinge am Ufer, bei 20,5 Kilo pendelte sich die Nadel der Waage ein, bisher einer der größten Karpfen aus diesem Gewässer. Dem Luftdruck sei Dank! Bis zum Morgengrauen hakte sich nur noch ein kleiner schön beschuppter Spiegler an einer von Mathias Montagen. Diese Kurzsession war ein voller Erfolg, zufrieden packten wir unsere sieben Sachen und machten uns auf die Heimreise.
Grüße Kai

Ein echter Dickschädel

Teamwork und ein schöner Vierziger!

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE