17.10.16

Ein Hauch von Freiheit - Florian Woldt



Ich sitze mit meiner Freundin auf der Couch, als mein Handy klingelt. Wieder bekomme ich einen absolut geniales Foto von einem traumhaften Fisch. Viele meiner Freunde und Bekannte sind momentan im Ausland unterwegs und erleben Abenteuer von denen ich nur träumen kann. Neid, gepaart mit Erinnerungen von vergangenen, eigenen Touren durch Frankreich machen sich breit und lassen sich nur schwer aus meinem Kopf entfernen. Wochen vergehen und auch Jeni merkt langsam, dass meine Laune oft durch Gedanken an einen Auslandstrip getrübt wird. Scheinbar hat sie Mitleid mit mir und kennt mich nur zu gut. Um so näher der Winter kommt, umso weniger positiv würde mein Gemüt gestimmt sein. 
Kurzer Hand genehmigt sie mir eine einwöchige Auszeit. Ich bin völlig euphorisch und kann meine Freude kaum in Zaum halten. Auch meinen guten Freund Martin brauche ich nicht lange überreden, mich bei diesem Trip zu begleiten. Nur 2 Wochen Zeit bleiben uns, um das Nötigste vorzubereiten. 
Ein Gewässer steht bei mir schon lange auf der Liste und ein paar gute Information habe ich von einem Bekannten ebenfalls in der Tasche. Trotzdem möchte ich auf alles vorbereitet sein und versuche mich für jede Situation zu rüsten. Im Ausland möchte ich nicht anfangen zu experimentieren und muss mich auf mein Tackle und Futter verlassen können. Schwere Grippa Bleie und solide Haken, sowie robuste Schnur wie die Korda Touchdown in 0,43 mm, dazu der Schagleader xt in 0,55 mm sollen es richten.
Die kurze Zeit bis zum Trip vergeht wie im Flug und auch die 12stündige Fahrt zum auserwählten Gewässer verläuft problemlos. Im Morgengrauen stehen wir vor einem wunderschönen großen Stausee, welcher sich wie ein Fluss durch ein steiniges Tal schlängelt. Sofort wird die Falte aufgebaut, das Echolot montiert und wir beginnen, den See Stück für Stück zu erkunden. Ein Großteil des Gewässers ist im Schnitt deutlich über 14 Meter tief und weißt steile Kanten auf. Wir entscheiden uns für den Teil des Sees, welcher Richtung Flusseinlauf liegt. Dort ist es im Schnitt nur 8  Meter tief und Struktur gibt es ebenfalls ordentlich. Leider ist unser favorisierter Platz von ein paar Franzosen besetzt, aber ein ebenfalls interessanter Platz auf einem kleinen Steilhang ist schnell gefunden. 
Für eine ordentliche Location sind wir jedoch einfach zu platt von der langen Fahrt und so entscheiden wir, die erste Nacht die Ruten vorerst am eigenen Ufer mit PVA Bags zu platzieren. Kurz darauf fängt es stark an zu regnen. Erst als am frühen Morgen die Funkbox von Martin einen Fullrun meldet, merken wir, dass es aufgehört hat. Nach einem kurzen Drill liegt der erste Karpfen des Trips auf der Matte. Wir staunen nicht schlecht, als die Waage bei 18,6 Kilogramm stehen bleibt. Darauf erst mal ein Kronebourg. Nach dem wir den ganzen Vormittag damit verbracht haben, unseren Gewässerabschnitt auszuloten, fange auch ich meinen ersten Franzosen. Es läuft wirklich gut und wir sind guter Dinge, einen grandiosen Urlaub zu erleben. Nun ja, es folgt eine dicke fette Pechsträhne für mich. Zuerst steigt mir mitten im Drill ein Fisch aus, kurz danach verliere ich direkt nach dem Anhieb einen Karpfen durch Schnurriss und als würde das nicht genügen, schwimmt der nächste Fisch direkt in ein unlösbares Hindernis. Wenns schief läuft, dann richtig. 
Nur gut, das nach jedem Tief auch wieder ein Hoch folgt. Langsam läuft es wieder besser und wir fangen täglich wunderschöne Fische. Das bleibt auch bei den ca 500 m weiter rechts sitzenden Franzosen nicht ganz unbemerkt und so setzen sie kurzerhand ihre Bojen und Futterplätze gut und gerne nur 40 m von unseren entfernt um. Gut das wir uns auf Endgame und Futter verlassen können, denn wir fangen trotzdem weiterhin und kassieren neidische Blicke.



Robustes Material ist Pflicht!

Bilderbuchspiegler

Die Tage vergehen schnell, viel zu schnell. 3 Tage vor unserer Abreise wird unser favorisierter Platz frei und damit die Karten nochmals neu gemischt. 
Von diesem Platz aus können wir unsere Ruten viel besser verteilen und strategischer vorgehen. Es läuft von Anfang an fantastisch. Frankreich bedeutet für mich nicht nur möglichst dicke und viele Fische zu fangen, viel mehr geht es um ein Gefühl, welches sich nur schwer beschreiben lässt. Sobald man mit dem Auto die Grenze überquert, beginnt jedes Mal aufs neue ein Abenteuer und ein fast magisches Gefühl von Freiheit überkommt einen. 
Die letzte Nacht beginnt wie der erste Tag des Trips. Es regnet gut 2 Stunden heftig und ein dichter Nebel umgibt den See und das Tal. Vollkommene Ruhe, welche nur von dem schrillen Ton unserer Delkims durchbrochen wird. Bis um 3 Uhr nachts laufen fast all unsere Ruten ab und ein guter Fisch nach dem anderen liegt auf der Matte. Wir fahren keine Rute neu, denn am frühen Morgen müssen wir die lange Heimreise antreten. Aufhören, wenn es am schönsten ist. Eins ist jedoch sicher: Frankreich und seine wunderschöne Natur hat uns sicher nicht das letzte Mal gesehen, denn ist man erst mal in seinen Bann gezogen, lässt er einen sicher nicht mehr los.

 In diesem Sinne,
 Keep the Spirit!



Frankreich gleich Freiheit

Der letzte Fisch der Session...

News ArchiveNEWS ARCHIVE

ARCHIVE